Familie und Beruf

Eigentlich wollte ich schon Anfang der Woche was zum Thema Familie und Beruf schreiben, aber wie das immer so ist, wenn die erste Wut verraucht ist kommt die Resignation und man spart sich die Buchstaben am Ende erstmal bis zur nächsten Wut, die je nach Rahmenbedingungen mal früher kommt, mal später.

Angefangen hat die Wut diesmal damit, dass ich am Montag – zugegeben aus eigener Dummheit – vor der geschlossenen Grundschule stand. Schulbeginn in Bayern ist erst Dienstag, das hab ich wohl verplant. Normalerweise weiß ich immer wer aus meiner Familie an welchem Tag zu welcher Uhrzeit wo ist oder sein muss, ich habe den totalen Überblick. Spätestens einen Tag vorher, oft aber schon Sonntags für die ganze Woche. Da bleibt eigentlich kein Platz für Unvorhergesehenes. Ich weiß wer in welcher Ferienwoche für welches Kind „zuständig“ ist, wer wann wo geholt oder hingebracht werden muss, wann ich welchen Dienst habe, wann mein Mann Kunden hat, etc.

Am Montag lief mir das wohl raus, Ende vom Lied war dass ich noch vor der Arbeit rumtelefonieren musste wo mein großes Kind jetzt hin kann während ich arbeite. Ganz kurz habe ich überlegt mich notfalls krank zu melden oder das Kind mit zur Arbeit zu nehmen, aber hey, man ist ja ein gewissenhafter Arbeitnehmer und will auch nicht ständig „die Kinder als Ausrede nehmen“ (bewusst provokant formuliert). Letzten Endes habe ich das Kind zur Ur-Oma gebracht, wo sie dann auch übernachtet hat.

Nach kurzer Überlegung habe ich sicherheitshalber noch in der Schule angerufen um mich zu vergewissern, dass die restliche Woche Unterricht und Betreuung nach Plan ist. Fehlanzeige: Dienstag ist um 12 Uhr Schulschluss, ohne anschließende Betreuung. Informiert wurden die Eltern nicht, angeblich erklärt sich das ja am ersten Schultag von selbst. Bitte? Mein Kind hat gerade 6 verdammte Ferienwochen hinter sich (bitte wer kann so viel Urlaub nehmen?!) und dann soll es selbsterklärend sein dass ich meinem Arbeitgeber klarmachen soll, dass da jetzt halt spontan nochmal n halber Tag dazukommt? Wäre die Ur-Oma nicht netterweise nochmal eingesprungen wärs schwierig geworden. Ein ähnliches Problem hatten wir schon im Juli, wo der Nachmittagsunterricht in der Ganztagesschule an fünf(!) Tagen ausgefallen ist und das sind keine Ausnahmen. Als arbeitender Elternteil muss ich mich doch auf Schule und Mittagsbetreuung verlassen können!?

Ich will ja eigentlich gar nicht jammern, ich habe mich ja selber entschieden arbeiten zu gehen (wenn auch aus niederen Beweggründen: Geld und die Freude an meinem Job) aber mich kotzt an, dass eine ohnehin schwierige Situation noch so künstlich verschlimmert wird, wenn es eigentlich anders ginge. Und dann liest du nichtsahnend SPON-Kommentare (ja, ich weiß, macht man nicht) mit klugen Ratschlägen a la „Frauen sind selber Schuld wenn sie vor der Ausbildung Kinder kriegen“ und „Frauen sollen sich halt vorher überlegen ob sie Kinder kriegen“ und „Frauen sollten sowieso 3 Jahre mit den Kindern zuhause bleiben“ und was Frauen noch alles sollen. Jeder weiß es ganz offensichtlich besser als die betroffene Frau selber, vor allem andere Frauen. Denn bekannterweise ist ja der größte Feind des Feminismus die Frau und wie wahr das ist verstehe ich jetzt erst. Ich mein, wie kommt man auf die Idee andere über ihre Lebensführung zu belehren, nur weil die äußern, dass sie sich das alles anders vorgestellt haben, dass die Situation so nicht zufriedenstellend ist?

Ich liebe meine Kinder, würde sie niemals hergeben, habe niemals bereut sie bekommen zu haben und genau deswegen habe ich an jedem Arbeitstag meinen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen weil uns wenig Zeit bleibt, weil ich morgens auch mal sagen muss „trödel nicht, wir haben heute echt keine Zeit“ und weil ich das in manchen Wochen auch jeden Tag sage. Ein schlechtes Gewissen weil mein kleines Kind nicht jeden Morgen auf dem Weg in den Kindergarten alle Blätter umdrehen kann. Ein schlechtes Gewissen weil wir ein Zweitauto haben weil ich wirklich nach dem Dienst keine Nerven mehr hab Bus zu fahren. Ein schlechtes Gewissen weil ich mit meiner Großen immer noch nicht den Schulweg so abgelaufen habe dass sie ihn alleine meistern kann, obwohl wir schon seit März hier wohnen. Ein schlechtes Gewissen weil ich gerne arbeiten gehe, weil ich meinen Job liebe, denn genau das tu ich! Ich würde gerne meine Stunden reduzieren, aber das geht aktuell nicht, aber aufgeben würde ich meinen Job nicht. Vor allem – um meinen Mann zu zitieren – sind die Kinder irgendwann aus dem Haus und dann bin ich froh meinen Beruf zu haben und nicht x Jahre nicht gearbeitet zu haben. Und nachdem mein Mann seinen Job finanziell nicht aufgeben (oder auch nur reduzieren) kann bleibt die Situation halt jetzt wie sie ist. Dennoch kommt die Wut manchmal wenn es schwieriger ist, mal nicht so läuft wie geplant. Vor allem wenn man von aussen Steine in den Weg gelegt bekommt, sei es durch unrealistische Erwartungen Dritter, verfehlter Familienpolitik die einen ohne Kitaplatz zurücklässt, verpflichtende Elternabende die erst zwei Tage vorher angekündigt werden oder auch einfach nur 12 Wochen Schulferien im Jahr (und Ferienbetreuung die pro Woche 100 Euro kostet). Manchmal ist die Situation einfach scheiße und das muss man auch so äußern (dürfen)!

Bitte, liebe Mütter, lasst euch nie-nie-nie das Jammern und die Wut verbieten! Egal ob ihr jammert weil ihr manchmal überarbeitet seid, weil ihr keinen Job findet weil ihr Kinder habt, weil ihr vor der Ausbildung Kinder bekommen habt oder warum auch immer. Niemand hat das Recht euch zu sagen, dass ihr die Klappe halten müsst weil euch nicht an jedem Tag die Sonne aus dem Arsch scheint vor Freude über Familie und Beruf. Nur weil ihr euch eure Situation ausgesucht habt müsst ihr sie noch lange nicht uneingeschränkt gut finden!

Kopf hoch, Muttis, ihr macht das super!

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Hass von Rechts

Stellt euch vor, ihr seht bei so einem Neonazi einen Screenshot eines Tweets, den ihr doof findet. Stellt euch vor, ihr sucht daraufhin den Facebook-Account der Person die den Tweet abgeschickt hat und schickt dieser Person eine Nachricht voller Beleidigungen oder Drohungen. Um sowas dämliches zu machen müsste man schon völlig bekloppt sein, meint ihr?

Da ist was dran, definitiv. Aber die Anzahl dieser Bekloppter ist unermesslich hoch. Es haben sich in den letzten Tagen tatsächlich unzählige Leute berufen gefühlt, meinen Facebook-Account (und auch Twitter) mit Beleidigungen vollzuspamen. Manche davon haben sich nicht weniger als vier neue Twitter-Accounts gemacht um mich zu beleidigen, weil ich sie jedes Mal wieder geblockt habe. Und viele davon haben all das unter Klarnamen und mit Angabe des Wohnortes getan.

Glaubt ihr nicht? Is aber so (willkürliche Auswahl, ich lad hier nicht alle Screenshots hoch):

 

Mir tun diese Menschen unendlich leid. Ganz offensichtlich gibt es Leute, die so vom Hass zerfressen sind, dass sie, statt das Leben und den Sommer da draussen zu genießen, Hassnachrichten an völlig Fremde schreiben müssen. Ich finde das ehrlich erschreckend .

Ich will aber hier auch in aller Deutlichkeit klarmachen, dass sowas kein Kavaliersdelikt ist! Jedem muss klar sein, dass er bei der ein oder anderen Nachricht mit einer Anzeige rechnen muss und dann ist das Mimimi wieder groß weil sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Solche Menschen haben sich so weit von unserer Gesellschaft entfernt, dass ich für sie keine Chance mehr sehe. Hoffen wir, dass die meisten von ihnen mit ihrem Hass nur ihr eigenes Leben ruinieren.

Bezahlbarer Wohnraum – und die AfD

Vielleicht erinnert sich die Ein oder Andere noch daran. Es ist noch kein Jahr her, da habe ich darüber geschrieben, dass in Ulm-Wiblingen Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden sollen. Der Aufschrei damals war groß, die Anwohner fürchteten um den Wert ihrer Immobilien und die Sicherheit ihrer Frauen und Kinder (echt jetzt!). Aber das war nicht alles.

Das weitläufigste Argument damals war, – und das nicht nur in Wiblingen! – dass man für „die Asylanten“ hier Häuser bauen würde, die Deutschen aber seit Jahren keine bezahlbaren Wohnungen im Stadtgebiet finden würden. Es war  ist „wir gegen die“, wohin man auch hörte. Das Ganze betrifft wie schon erwähnt nicht nur Wiblingen, es betrifft eigentlich ganz Deutschland. Fast überall wird Stimmung gemacht, weil „die“ was bekommen, was „wir“ nicht kriegen: Wohnraum, den man sich leisten kann, der gefördert wird. Und mittendrin die AfD (und andere rechtsextreme Parteien), die schön ins selbe Horn geblasen hat.

Ich bin soweit bei euch, dass die Kommunen über Jahre verpasst haben, sozialen Wohnungsbau zu fördern. Den Vorwurf kann (und muss!) man ganz klar machen.

Jetzt ist es aber zumindest soweit, dass in Wiblingen „nachverdichtet“ werden soll. Das heisst im Klartext, dass an Stellen wo schon Wohnraum ist, weiterer Wohnraum geschaffen wird, wodurch aber natürlich an diesen Stelle weniger Freifläche bleibt und alles etwas enger wird. Oftmals ist das allerdings in einer stadtnahen Umgebung die einzige Möglichkeit, Wohnraum zu schaffen, den ja alle – inklusive der AfD, angeblich – so dringend wollen und brauchen. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

Jetzt gibt es allerdings schon in der Planungsphase der Nachverdichtung eine Bürgerinitiative, die sich Sorgen macht, dass aus ihrem schicken Wohngebiet – das wohlgemerkt seit Jahrzehnten keinen allzu guten Ruf hat, wovon diese Leute preislich durchaus profitieren! – ein „sozialer Brennpunkt“ werden könnte. Man muss dazu wissen, dass es wohl um ca. 30% geförderten Wohnraum geht, mehr nicht. Von 10 Wohnungen wird es also etwa 3 Stück geben die an finanziell Schwache gehen. Wenn das einen Ort zum „sozialen Brennpunkt“ macht, dann war das Problem schon vorher da.

Es ist jetzt also nicht mehr „die bösen Asylanten bekommen was, was Deutsche nicht bekommen“. Jetzt ist es „die anderen Deutschen bekommen was, was mir so nicht passt!“. Und die AfD ist wieder: Mittendrin. Laut Webseite der Bürgerinitiative (ohne Impressum) unterstützt die AfD BaWü deren Anliegen, keine weiteren Sozialwohnungen in Wiblingen zu bauen.

Das ist nicht das erste Mal, dass ersichtlich wird, welches Menschenbild die AfD hat und wie sie sich positionieren, aber es ist halt wieder ein Beispiel, dass die AfD zwar gerne Stimmen bei denen sammelt, denen es nicht gut geht, für sie aber keine Politik macht. Die AfD macht keine Politik für den Bürger, für denjenigen, der von seinem Lohn nicht leben kann, für denjenigen, der nicht weiß wie er mit seiner Rente seine Miete bezahlen soll. Die AfD macht Politik für sich selber, für Neonazis und die oberen 2%. Ekelhaft.

Und die Wiblinger „Bürgerinitiative“? Die wollen vielleicht schon bezahlbarenWohnraum, aber halt bitte irgendwo, wo man selber ihn nicht sehen muss. Not in my backyard. Wie es halt immer ist.

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Landtagswahlen im März

Es ist wieder soweit, morgen stehen wieder Landtagswahlen an. Diesmal betrifft es Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Wie so oft wird die Wahlbeteiligung eher gering ausfallen, dennoch (oder auch deswegen!) möchte ich jeden einzelnen von euch dazu aufrufen: Nehmt euer Recht (und eure Pflicht!) zu Wählen war! Viele viele Menschen haben für ein Wahlrecht gekämpft und tun es teilweise heute noch. Wenn ihr auch nicht glaubt, dass ihr es diesen Menschen schuldet wählen zu gehen, dann wenigstens euren Töchtern, Söhnen, Enkeln, Nichten, Neffen und Patenkindern!

Es liegt an jedem einzelnen von uns, dass der Wahltag morgen nicht dafür in Erinnerung behalten wird, dass er den neuen Nazis den Weg frei gemacht hat! Es liegt an uns, dass 2016 nicht das neue 1933 wird!

Und wer übrigens immer noch nicht glaubt, dass die AfD tatsächlich so schlimm ist, der kann sich hier und hier anschauen, was die (aussichtsreichsten) Landtagskandidaten dieser Partei so für Menschen sind.

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Kandidatenvorstellung in Staig

Da in Staig am Sonntag Bürgermeisterwahl ist, war ich gestern dort auf der Kandidatenvorstellungsveranstaltung (tolles Wort, was?).

Aktuell kandidieren drei Personen: Martin Jung, der aktuelle Amtsinhaber, Michael Eckard von der Nein-Idee (der gestern nicht anwesend war) und Jochen Schmidberger, der für die PARTEI kandidiert. Jochen kenne ich, sowohl von den Piraten als auch von der PARTEI, weswegen ich mich im Vorfeld auf der Veranstaltung kurz im Bürgersaal mit ihm unterhalten habe – das zur Erklärung um vielleicht den späteren Aufruhr zu verstehen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von einer Stellvertreterin des Bürgermeisters. Sie bat zu Beginn, dass derjenige Kandidat der sich nicht vorstellt, den Raum verlassen sollte und erklärte außerdem, dass jeder Kandidat 20 Minuten zur Vorstellung bekäme. Zuerst sollte sich Martin Jung vorstellen und Jochen Schmidberger den Raum verlassen. Jochen meinte dazu, dass ihm das sehr recht wäre, weil er so die Rede des Amtsinhabers „nicht mit anhören“ müsse. Hinter mir kamen die ersten „Arrogantes Arschloch!“-Ausrufe.

Nach 20 Minuten wurde der Amtsinhaber durch seine Stellvertreterin vorsichtig darauf hingewiesen, dass die 20 Minuten rum seien, 5 Minuten später kam er dann zum Ende seiner Rede. Etwas inkonsequent aus meiner Sicht, aber ich weiß nicht wie es gewesen wäre wenn Jochen auch überzogen hätte.

Dann kam Jochen an die Reihe und man konnte der Versammlung deutlich anmerken, dass sie mit dem satirischen Stil der PARTEI nichts anfangen konnten. Die ersten zwei Minuten vergingen relativ unaufgeregt, doch spätetens als Jochen anfing das Lorem ipsum „zu improvisieren“ verließ ein Großteil der Anwesenden unter lautem Getöse den Raum. Andere begannen schon vorher immer wieder reinzurufen, wir seien „in Staig, nicht in Dings“ und „was soll der Scheiß?“. Die Stellvertreterin des Bürgermeisters schwieg hierzu, am Ende erklärte sie nur lapidar, die Bürger Staigs verstünden „halt kein Latein“.

Das war der Punkt an dem ich weitestgehend fassungslos war. Man kann Satire verstehen, oder auch nicht. Man kann einen Kandidaten gut finden, oder auch nicht. Aber ein demokratischer Kandidat – und ich halte die PARTEI nunmal für demokratisch – hat in einer Demokratie das Recht sich vorzustellen. Wem das nicht passt, der kann diskret den Raum verlassen, aber unterbrechen, reinrufen und beschimpfen geht gar nicht. Und als Moderatorin einer Veranstaltung nicht einzugreifen wenn genau das passiert halte ich für noch verwerflicher. Ja, die Dame war als Stellvertreterin des Amtsinhabers nicht neutral, genau das ist eben mit ein Problem.

Als nächstes kam die Fragerunde. Es fing mit sehr persönlichen Fragen an Jochen an, die Leute wollten wissen was er „überhaupt arbeite“ und was er „eigentlich beruflich gelernt habe“. Als Jochen erklärte er sei derzeit arbeitssuchend weil es nicht ganz trivial sei in seinem Alter eine Festanstellung zu finden, riefen Leute, in Ulm gäbe es „Vollbeschäftigung“ und wenn er keinen Job hätte läge das „ja wohl“ daran, dass er nicht arbeiten wolle. Bei einer Kandidatenvorstellung fremde Personen derart persönlich anzugehen…respektlos, once again.

Bevor ich meine Frage stellen konnte musste ich genau das loswerden. Dass ja wohl beide Kandidaten verdienen, angehört zu werden, fair behandelt zu werden und nicht persönlich angegangen zu werden. Dass man Satire verstehen kann, oder auch nicht, aber dass Respekt ja wohl ein Grundsatz ist. Und das ich fassungslos bin. Im weiteren Verlauf der Fragerunde meldete sich ein Mann, der sich dann an mich gewendet hat: Was ich mir einbilde, Jochen könne ja wohl keinen Respekt erwarten, wenn er Staig „so respektlos als Dings“ bezeichnet. Er wurde immer lauter, woraufhin ich versucht habe ihn zu unterbrechen um ihm zu sagen, dass es hier gerade nicht um ihn und mich, sondern um die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl ginge und wir unsere Differenzen ja später draussen ausdiskutieren könnten. Daraufhin schrie mich sein Nebensitzer an, ich solle jetzt „gefälligst den Mund halten“, wofür er von der Versammlung Applaus bekam. Die Moderatorin meinte auf meine, an sie gerichtete, Frage, ob das hier tatsächlich der Ort für Gespräche zwischen dem Mann und mir wäre, nur, ich solle ihn ausreden lassen. Als er fertig war habe ich beide noch einmal darauf hingewiesen, dass sie das doch nach der Veranstaltung mit mir persönlich besprechen sollen. Haben sie übrigens nicht und ich habe mich noch eine ganze Weile geärgert bis ich verstanden habe, was das für arme Würste waren.

Der Rest der Veranstaltung lief dann relativ vernünftig und ohne größere Zwischenfälle, was wohl auch daran lag, dass Jochen die Fragen relativ humorlos und ernsthaft beantwortete und niemand sich weiter an den Karren gepisst fühlt.

Irgendwann kam noch die Frage, nach dem mangelnden Respekt von Flüchtlingen Frauen gegenüber („jahrtausende alte Tradition der Frauenunterdrückung“) und wie man „in Staig Kölner Verhältnisse“ vermeiden wolle (ja, ernsthaft!)*. Ich habe mir gespart zu erklären, dass wohl in Staig einige Einheimische diese Lektion noch zu lernen haben.

*Um das noch kurz aufzugreifen: In Staig sind derzeit etwa 20 Flüchtlinge untergebracht, bei ca. 3200 Einwohnern, der Helferkreis umfasst dabei mehr Helfer und solche die gerne helfen würden, als Flüchtlinge da sind.

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OB-Wahlkampf in Ulm

In Ulm findet nächsten Monat die Oberbürgermeisterwahl statt. Das erste Mal seit 24 Jahren wird Ulm damit ein neues Stadtoberhaupt bekommen, weil Ivo Gönner nicht mehr antritt. Natürlich macht das die Wahl deutlich interessanter, konnte man ja die letzten Male eigentlich davon ausgehen, dass der Amtsinhaber wiedergewählt wird.

Aktuell gibt es acht Bewerbungen für das Amt: Gunter Czisch (unterstützt von der CDU), Martin Rivoir (unterstützt von der SPD), Birgit Schäfer-Oelmayer (unterstützt von den Grünen und den Linken), Anja Hirschel (unterstützt von den Piraten), Ivo Dommer und mich (unterstützt von Die PARTEI), eine parteilose Kandidatin namens Sevda Caliskan von der niemand viel weiß und ein(e) Kandidat(in) deren (dessen) Namen bisher nicht bekannt ist.

Bei sämtlichen Veranstaltungen kann man vier dieser Kandidaten derzeit treffen. Die einzige Einladung die z.B. Ivo und ich bisher bekommen haben war von Radio FreeFM, die fairerweise erwähnt werden sollten. Außerdem wird es eine Art Wahl-O-Mat von UlmAPI geben, der ebenfalls alle Kandidaten abdeckt. Ansonsten ignoriert gerade die Presse, aber auch sämtliche Veranstalter, die Tatsache, dass es eigentlich acht Kandidaten gibt, nicht nur vier. Aber das soll hier gerade nicht das Thema sein, eigentlich geht es mir um was anderes: Die Wahlkampfbudgets (PDF).

Gunter Czisch führt seinen Wahlkampf mit dem Budget von 120.000 Euro (Spenden und Eigenkapital, Aufteilung unbekannt). Martin Rivoir führt seinen Wahlkampf mit einem Budget von 70.000 Euro (ein Drittel privat, zwei Drittel Spenden). Birgit Schäfer-Oelmayer führt ihren Wahlkampf mit einem Budget von 24.000 Euro (10.000 Euro Spende von den Grünen, 14.000 Euro Spenden und Eigenkapital). Anja Hirschel führt ihren Wahlkampf mit einem Budget von 950 Euro (Geld der Piraten). Ivo und ich führen einen Wahlkampf mit einem Budget von…naja, null. Insgesamt sind das 214.950 Euro fürn Arsch. Von diesem Geld bleibt nur ein Haufen Papiermüll, Umweltbelastung und sonst nichts.

Die einzige Person (abgesehen von Ivo und mir) in der obigen Auflistung die einen finanziell akzeptablen Wahlkampf führt, ist Anja. Dieses Geld dass die anderen Kandidaten so ins Leere blasen wäre so viel besser angelegt wenn man es spenden würde und genau das werfe ich den Kandidaten auch vor: Wenn es euch ernst wäre hättet ihr die Kohle gespendet, euch meinetwegen in der Presse dafür feiern lassen, aber eben gespendet.

Die Bürger hätten solche Taten sicherlich ernster genommen als einen aufgeblasenen Budget-Wahlkampf von dem am Ende keiner was hat. Oder glaubt wirklich irgendjemand dass das Wahlergebnis durch eine Materialschlacht im Wahlkampf nennenswert beeinflusst wird?

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