Besichtigung im AKW Gundremmingen – Atomkraft? Nein, Danke!

Dass Atomkraft sicherlich nicht zukunftsweisend ist, weiß meine Generation quasi schon von klein auf. Aber wissen wir wirklich genug, um kategorisch abzulehnen? Oder sollten wir noch ein paar Erkundigen einziehen um eine fundiertere Basis für unsere Ablehnung zu haben?

Ich bin nun wirklich niemand der leichtsinnig Dinge ablehnt ohne sie zu kennen, also haben wir uns letzte Woche zu Dritt aufgemacht um das AKW Gundremmingen im Rahmen einer Führungstour (inklusive Kontrollbereich) zu besichtigen. Zuerst möchte ich auf die Tour und den Riesenhaufen Propaganda eingehen – ich bitte schonmal um Verzeihung dass mir dies leider nicht ganz objektiv gelingen wird.

Im Besucherzentrum des AKW angekommen wurden wir freundlich in ein Besprechungszimmer gebeten und mit Kaffee und kalten Getränken versorgt. Erstmal wurde uns erklärt wie so ein AKW im Allgemeinen und Gundremmingen im Speziellen funktioniert, dann hat man – auf unsere Fragen hin – versucht uns zu verdeutlichen, dass es eine „Geschmacksfrage“ sei, ob man Siedewasserreaktoren oder Druckwasserreaktoren toller findet. Die eindeutigen Vorteile eines Druckwassereaktors wurden runtergeredet, das schlagende Argument war hier, der Bau und die Wartung seien wesentlich aufwändiger als beim Siedewasserreaktor. Das Sicherheitsargument scheint hier vernachlässigbar.

Weiter gings dann durch die Sicherheitskontrollen: Ausweiskontrolle, Ganzkörper-Abtasten, Metalldetektor, dann mit Besucherausweis zum „Ausrüsten“. Dosimeter und Schutzkleidung für alle, dazu schicke Schuhe, Überschuhe, Helme, Handschuhe. Volles Programm.

Die allgemeine Aufregung nutze ich für Fragen: Wie schauts mit Reaktor A aus? Ob er mir erzählen könnte, was genau dort vorgefallen ist, da er Reaktor A vorhin nur knapp erwähnt hat (O-Ton des Angestellten bei der Einführung:“Reaktor A war bis 1977 im Betrieb und wird seitdem rückgebaut.“). Knappe Antwort, er hätte dazu nichts zu sagen, ich könne alles auf der Homepage nachlesen, kleinerer Zwischenfall, es sei wirtschaftlich nicht rentabel gewesen Reaktor A wieder instand zu setzen. Aber die Atomkraftgegner sähen sowas ja immer sehr übertrieben. Mehr nicht.

Gut, dann schauen wir doch mal, was auf der Homepage nachzulesen ist. Ich zitiere hier mal von hier: http://www.kkw-gundremmingen.de/kkw_t9.php

„Anfang 1977, nach einem wetterbedingten Kurzschluss im außerhalb der Anlage befindlichen Hochspannungsnetz, führte ein Fehler in der Regelung der Turbine zu einem erheblichen Schaden in der Anlage. Durch Ansprechen eines Sicherheitsventils kam es zu einem Dampfaustritt in den Sicherheitsbehälter. Es kam zu keiner Freisetzung von radioaktiven Stoffen nach außen. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt gab es durch diesen Störfall nicht.
Da zu dieser Zeit bereits die Blöcke B und C als Großkraftwerke im Bau waren, wurde 1980 beschlossen, die Anlage Block A aus wirtschaftlichen Gründen endgültig stillzulegen.“

So ist das also? Im Klartext, für alle, die nicht Bescheid wissen: Nachdem es im Januar 1977 zu zwei Kurzschlüssen kam (soweit ich informiert bin aufgrund von Raureif auf den Leitungen) wurde eine Schnellabschaltung des Reaktors eingeleitet, welche zu Fehlsteuerungen führte. 10 Minuten später stand im Reaktor A drei Meter hoch radioaktives Wasser bei einer Temperatur von ca 80°C. Erst sollte der Reaktor nach wenigen Wochen wieder ans Netz gehen, nachdem Politik und Behörden Modernisierungsarbeiten am Reaktor gefordert hatten, wurde von Seiten des Betreibers allerdings drauf verzichtet Reaktor A nochmal in Betrieb zu nehmen.

Also, weiter im Programm. Die Führung ging also erstmal ins Maschinenhaus zu den großen Turbinen. Hier haben wir auch tatsächlich die meiste Strahlung abbekommen, trotz allem laut Dosimeter jedoch nur etwa 4µSv. Nach kurzem Aufenthalt ging es von hier aus weiter ins Reaktorgebäude und zum Abklingbecken, wo laut Dosimeteranzeige eine Strahlung von 1µSv dazukam. Also weiterhin unbedenklich. Mehr kam auch im weiteren Verlauf der Tour nicht mehr dazu. Am Abklingbecken angekommen stellte sich mir die Frage, woher das blaue Leuchten im Becken selber kommt…unsere Führer beantwortete mir die Frage etwas laienhaft mit dem Lichteinfall der Neon-Beleuchtung in der großen Halle. Mittlerweile weiß ich, dass es sich hierbei wohl tatsächlich um den Tscherenkow-Effekt handeln. Nur schade, dass der Herr vom Fach das nicht wusste.

Am Ende der (zugegeben doch interessanten) Tour mussten wir durch 2 Schleusen den Kontrollbereich verlassen und wurden beim Verlassen noch auf Kontamination untersucht. Da es hierbei keine Komplikationen gab, hatten wir alle die Ehre, unserem sachkundigen Führer den gesamten Rückweg über zu lauschen, als er es zu seiner Hauptaufgabe gemacht hatte, uns davon zu überzeugen wie furchtbar erneuerbare Energien eigentlich wirklich sind. Erst wollen sie mit Windkrafträdern unsere Aussicht versauen, am Ende sollen die Solarzellen noch auf unsere Dächer!1!!

Der gesamte Nachmittag war immer wieder mit einem Haufen Propaganda geschmückt, der uns verdeutlichen sollte, dass es sich bei Atomkraft um die einzig richtige Variante zur Energiegewinnung handeln kann. Windkrafträder versauen unsere Aussicht, Solarenergie kann nur bei strahlendem Sonnenschein gewonnen werden (korrigiert mich: Geht das mittlerweile nicht auch wenns bewölkt ist?), erneuerbare Energien können nicht gespeichert werden und vor allem wurde uns immer und immer wieder verdeutlicht, wie wahnsinnig teuer der Strom für uns alle bald werden würde.

Was mir persönlich allerdings am Meisten gestunken hat ist das da: Uns wurde vorgerechnet, dass im Rahmen des Moratoriums von 17 AKWs derzeit 7 abgeschaltet sind. Da nun nur noch 10 Meiler am Netz hängen, müssen wir Atomstrom aus Frankreich importieren um unseren Strombedarf zu decken. Würden wir tatsächlich alle unsere AKWs abschalten, würden wir also lediglich Atomstrom woanders herholen und deswegen sind Atomkraft-Gegner unrealistisch und leben eine Doppelmoral.

Was ist daran falsch?
Mai diesen Jahres: Im Rahmen des Moratoriums befinden sich 7 Meiler vom Netz, Krümmel ist sowieso raus. 5 weitere sind für Wartungsarbeiten ebenfalls…vom Netz! Unser Strom wird von 4 Atomkraftwerken geliefert: Brokdorf, Isar 2, Gundremmingen C und Neckarwestheim. Der Strom geht – oh Wunder! – nicht aus. Und importiert wird auch nicht.

Zum Schluss – da ich langsam müde werde und morgen früh raus muss^^ – noch eben zwei Fakten, die ich persönlich nicht unerwähnt lassen möchte:

~ Bei der Überprüfung durch die RSK am 16.05.11 waren die nicht in der Lage festzustellen ob Gundremmingen gegen Hochwasser gesichert wäre…gut, ist auch kein Kriterium, immerhin sind beide Reaktoren fast einen ganzen Kilometer von der Donau weg, wenn man von dem kleinen Kanal absieht, denn sie sich abgezwackt haben um an ihr Wasser ranzukommen!1!!

~ Seit Inbetriebnahme der Reaktoren 1984 (B) bzw 1985 (C) gab es 209 MELDEPFLICHTIGE Zwischenfälle.

Links zum Thema:

Liste der Meldepflichtigen Ereignisse aller 17 AKWs (PDF)

Greenpeace 365 Gründe gegen Atomkraft


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Ein Kommentar zu “Besichtigung im AKW Gundremmingen – Atomkraft? Nein, Danke!

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