One Billion Rising – Gewalt in unserer Gesellschaft

Am Valentinstag ist es so weit: Der „One Billion Rising“ findet statt, eine Aktion, um auf die alltägliche Gewalt aufmerksam zu machen. Beim „One Billion Rising“ geht es zwar primär um Gewalt gegen Frauen, aber auch Gewalt gegen Männer, Kinder, Queer, Transgender, Migranten (…) ist an der Tagesordnung. Und wir müssen was tun!

Wenn man die Quellen mal durchstöbert, sind die Erkenntnisse die man dabei macht erschreckend:

Das BMFSFJ sagt, jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt, Frauen mit Migrationshintergrund haben ein um 38% erhöhtes Risiko von 38%, Gewalt zu erleben. Die Hälfte aller in Deutschland getöteten Frauen wird Opfer ihres aktuellen oder ehemaligen Lebenspartners. 25% der heterosexuellen Männer geben an, schonmal Gewalt in ihrer Beziehung erfahren zu haben, Schätzungen geben an, dass diese Zahl bei Homosexuellen zwischen 12% und 50% liegt. 3/4 aller Deutschen haben in ihrer Kindheit Gewalt erfahren, ca. 15% aller Eltern bestrafen ihre Kinder häufig und schwerwiegend. Nach Selbstangabe(!) haben 2,6% der Mädchen und 0,6% der Jungen sexuelle Gewalt erfahren – die Dunkelziffer dürfte deutlich(!) höher liegen, es gibt in Deutschland etwa 300.000 angezeigte Fälle von sexuellem Missbrauch jährlich. Misshandlungen an Kindern werden zu 60% von Frauen verübt, sexuelle Übergriffe zu 90% von Männern, sagt man.

Ist das erschreckend? Hell, ja! Jeder einzelne Teil davon ist für sich erschreckend, das Gesamtbild lässt einen zweifeln, ob wir als Gesellschaft je einen Status von annähernder Gewaltfreiheit erreichen können.

Soweit die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass jeder etwas ändern kann, jeder einzelne.

Gewalttätiges Verhalten wird in der Kindheit geprägt. Wir lernen in der Kindheit, wie wir mit Frust und Problemen umgehen, wie wir uns ausdrücken. Viel zuviele von uns haben selber Gewalt erfahren und wissen dadurch kaum, wie sie sich mit ihren Kindern anders helfen sollen. Gewalt ist oft Ausübung von Macht, noch viel öfter aber ist sie ein Zeichen von Hilflosigkeit.

Es liegt also an jedem einzelnen, seine Kinder zu besseren Menschen zu erziehen, ihnen beizubringen, dass sie „Nein!“ sagen sollen und müssen, ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen und ihnen Mut zu schenken. Genauso liegt es aber auch an jedem einzelnen von uns, einzuschreiten, wenn er Gewalt beobachtet und Opfer von Gewalt nicht zu verurteilen. Der erste Schritt zur gewaltfreien Gesellschaft ist der, dass Menschen die Gewalt erfahren haben wissen, dass sie darüber sprechen können. Dass sie ernst genommen werden, dass man ihnen hilft.

Mindestens genauso wichtig ist aber – und das ist der wirklich schwierige Teil! – dass jeder einzelne von uns lernt, dass man sich Hilfe holen kann und muss, ohne verurteilt zu werden. Dass es okay ist, überfordert zu sein. Dass es okay ist, nicht weiter zu wissen. Und dass es okay ist, das auch zuzugeben. Dass er nicht verurteilt wird und dass er Hilfe bekommt.

Ich werde am 14. Februar mit den Ulmer Piraten ein Zeichen setzen und den regionalen „One Billion Rising“ unterstützen. Und ihr?

edit: Grammatikfehler und falsch formulierten Inhalt gefixed.


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