Quotendiskussion

Dieser Artikel wurde in den Blogs von Lisa und Sven veröffentlicht.

In den letzten Tagen findet mal wieder eine Diskussion über Geschlechterquoten statt, an deren Entfachung wir auch nicht ganz unschuldig sind. Im Folgenden möchten wir unsere Position – die Ablehnung von Quoten – daher näher erläutern, Lisa hatte vor einer Weile auch schon detailliert über dieses Thema geschrieben

Warum wir Geschlechterquoten für kontraproduktiv halten

Unserer Meinung nach verdecken Quoten lediglich das Problem, anstatt die Ursache zu bekämpfen. Und wie es so bei versteckten Problemen ist: Sie werden nicht mehr oder nicht ausreichend in der Öffentlichkeit thematisiert und damit nicht nachhaltig gelöst. Im Kern also eine ähnliche Argumentation wie bei Internetsperren.
Wer den wahren Kern der Probleme sehen will muss sich nur umsehen:

  • Gehaltsdifferenzen zwischen den Geschlechtern, selbst bei identischen Tätigkeiten, werden einfach hingenommen.
  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiten 45,6% der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit.
  • Bastelspielzeug für die selbe Altersgruppe hat weniger Teile für Mädchen als für Jungs. Wie soll ein Interesse für Technik entstehen, wenn manche Kinder keine technischen Herausforderungen gestellt bekommen und sie somit in dem Bereich auch weniger Erfolgserlebnisse haben?
  • Erinnert ihr euch noch an die rosa Überaschungseier »für Mädchen«? Die Werbung dafür hat so ziemlich jedes Rollenklischee aus der Mottenkiste geholt. Hier bekommen Mädchen veraltete Rollenbilder vorgelebt.
  • Ungleichbehandlung in der Erziehung von Jungen und Mädchen, wie in der Vergangenheit oftmals kritisiert: Mit Jungen wird zum Beispiel eher gerauft, Mädchen sollen hübsch aussehen und lieb sein.
  • Kinderkleidung für Mädchen gibt es üblicherweise in rosa, hellblau, lila oder manchmal noch in gelb. Jungenkleidung gibt es in blau, rot, grün und braun. Nur sehr selten gibt es Abweichungen hiervon, von klein auf wird suggeriert, es gäbe »Mädchenfarben« und »Jungenfarben«.
  • Für Männer gestaltet es sich oftmals als sehr schwierig, ihr Recht auf Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Oftmals hat der Arbeitgeber ein Problem damit. Selbst wenn der Arbeitgeber positiv auf das Vorhaben reagiert, werden Männer gesellschaftlich unter Druck gesetzt und müssen mit vielen negativen Aussagen zurechtkommen.
  • Noch immer gibt es kaum Männer die sich beruflich in die Kinderbetreuung wagen. Hierfür sind nicht zuletzte Eltern verantwortlich, die beinahe jedem Erzieher potenzielles sexuelles Interesse an ihren Kindern unterstellen. Hierdurch fehlen den Kindern Vorbilder in diesem von der Gesellschaft als »frauentypisch« angesehenen Beruf.

Und das ist nur ein Bruchteil der Probleme!

Wir sind uns bewusst, dass es verführerisch erscheint das Problem durch Quoten oberflächlich »einfach zu erschlagen«. Aber: Gelöst wird es dadurch nicht. Eine richtige Lösung wird, so leid es uns tut, noch Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Wir können leider ein Problem, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat nicht von heute auf morgen lösen. Aber wir können den Grundstein legen und einen Teil dazu beitragen, diese Ungerechtigkeiten Stück für Stück abzubauen.
Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken und haben deshalb eine Reihe an Punkten, die sich auch teilweise schon im Programm befinden, gesammelt und gebündelt zum kommenden Landesparteitag eingereicht.

Unsere Anträge an den Landesparteitag

* Gemeinsamer Antrag zur Ablehnung von Quoten
* Svens Antrag zum gesetzlichen Lohnausgleich

Artikel der Jungle World

Von dieser Debatte hat auch die Jungle World erfahren. Wobei zumindest der zuständige Redakteur sie offenbar nicht verstanden hat. Und obwohl der Chefredakteur der Inlandsredaktion sich bei Svens Anruf Freitag abend entschuldigt hat und den zuständigen Redakteur gleich informieren wollte, hat sich bis jetzt nichts getan. Also muss er wohl hier richtig gestellt werden. Die Jungle World schrieb:

Die Reaktion kam prompt.Gerade hatte die Berliner Piratenpartei ihre Landesliste für die Bundestagswahl im September aufgestellt, da twitterte sich am Sonntag ihr baden-württember­gischer Parteifreund Sven Krohlas seinen Unmut von der Seele: »Quote war sexistische Kackscheiße, ist sexistische Kackscheiße und wird sexis­tische Kackscheiße bleiben.« Ihn empörte, dass auf der Berliner Liste Frauen auf den ersten vier Plätzen stehen und Männer insgesamt in der Minderheit sind. Im Ländle, wo Krohlas hinter dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz auf dem zweiten Listenplatz steht, wäre eine solche Ungeheuerlichkeit nicht möglich gewesen.

Hierzu stellt Sven fest:

  1. Die Berliner haben eine tolle Liste gewählt: unter den Geschlechtern ausgeglichen, und das ganz ohne eine Quotenregelung. So muss das sein!
  2. Ich hatte und habe keinen Unmut über diese Liste und auch keinen derartigen über Twitter oder sonstwo ausgedrückt.
  3. Da die Liste ohne Quoten zustande gekommen ist ergibt die Schlussfolgerung, dass ich wegen Quoten etwas gegen diese Liste habe absolut keinen Sinn. Nicht einmal ansatzweise.
  4. Zudem habe ich in Baden-Württemberg kein Recht dazu, diese Liste zu kritisieren. Wir haben als Lehre der Nazizeit um Machkonzentrationen zu vermeiden ein föderales System in Deutschland etabliert. Damit ist jedes Bundesland für die Entsendung eigener Vertreter in den Bundestag zuständig. Und das ist gut so.
  5. Auch in Baden-Württemberg haben wir Frauen auf der Landesliste. Leider werden diese aber in den Medien meist nicht namentlich genannt. Warum? An uns liegt das sicher nicht.

Und im weiteren Verlauf des Artikels:

Nur einen Tag zuvor war bereits Lars Pallasch, der Landesvorsitzende der baden-württember­gischen Piratenpartei, zurückgetreten. Er habe »Androhungen von körperlicher Gewalt« erhalten, »und das nicht nur gegen mich, sondern auch gegen meine Familie«, begründete er seine Entscheidung, sowohl vom Amt zurück- als auch aus der Partei auszutreten. Er müsse »leider davon ausgehen, dass diese Drohbriefe von Parteimitgliedern stammen«, da die Schreiben teilweise Interna enthielten. Um seine Nachfolge bewirbt sich nun der eingangs erwähnte Sven Krohlas.

Dieser Abschnitt erweckt den Eindruck, dass Sven etwas mit den Drohungen zu tun hätte oder diese gut heißen würde. Dazu stellt er fest:

  1. Ich habe mit diesen Drohungen nichts zu tun.
  2. Ich lehne jede Form von Gewalt oder Gewaltandrohungen, insbesondere aber nicht nur im politischen Kontext, klar ab! Das habe ich auch erst kürzlich live vor laufender Kamera (ab ca Minute 4:30) deutlich gemacht.
  3. Lars hat meine Kandidatur für den Landesvorstand (als politischer Geschäftsführer) selbst vorgeschlagen.
  4. Er hat auch meinen Tweet mit der Ankündigung, diese Aufforderung anzunehmen und (nach dem Rücktritt von Lars) auf den Vorsitz zu erweitern positiv aufgenommen.

Zum Abschluss eine persönliche Notiz an den Redakteur, der sich offenbar nicht bei Sven melden möchte und den Artikel nicht aktualisiert: Ein kurzer Anruf oder eine kleine Recherche hätten diese journalistische Katastrophe verhindern können. Schade.


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