Das Verhalten der Polizei bei der NPD-Gegendemo

Die NPD war da, um ihre menschenfeindliche Hetze in Neu-Ulm zu verbreiten. Klar, dass sich da etliche Menschen eingefunden haben, die der NPD das so schwer wie möglich machen wollten. Wie immer eigentlich. Das Gewaltpotenzial von Seiten der Gegendemonstranten war bei Null, die Polizei hatte sich Presseberichten zufolge aber wohl auf „mindestens 20 gewaltbereite Antifa-Mitglieder“ eingerichtet.

Als der NPD-Laster die Straße zum Rathaus hochfuhr, sind wir auf die Straße gegangen um uns hinzusetzen und das Vorankommen des Lasters zu blockieren. Die Polizei hat mit Sicherheit damit gerechnet und war etwa genauso schnell auf der Straße wie wir, um eine Kette zwischen uns und dem Laster der NPD zu bilden. Leider scheint die Polizei das recht schnell vergessen zu haben, denn sie bildeten keine Kette.

Stattdessen begannen sie, Demonstranten nach hinten zu schieben. Aus dem anfänglichen Schieben wurde ein Schubsen und selbst wenn man als Demonstrant ein paar Schritte zurückging, hörte die Polizei nicht auf. Sie begannen uns anzuschreien, wir sollen „verdammt nochmal endlich zurückgehen“ und irgendwann wurde ich im Tumult durch einen Beamten – der auf Fotos auch identifizierbar ist – in den Magen geboxt, während er mich am rechten Oberarm gepackt hielt. Ich habe das Gleichgewicht verloren und bin gestürzt, auf einen Freund, der hinter mir schon am Boden lag (und kurz darauf durch einen Beamten am Hals gepackt wurde). Etliche andere Leute fielen auf mich drauf, wir versuchten alle wieder hochzukommen. Ich habe die Polizei mehrfach angeschrien, ich wollte aufstehen, das wurde jedoch verhindert. Als ich endlich wieder hochkam, wurde ich durch die Polizei derart am linken Handgelenk gepackt, dass mir mein Armband vom Handgelenk gerissen wurde. Ich habe daraufhin versucht, mein Armband und ein Schild, dass ich mitgebracht hatte, aufzuheben. Mein Armband habe ich erreicht, bevor ich wieder gepackt und geschubst wurde. Ich habe dem Polizisten mehrfach entgegen gerufen, dass ich nur mein Schild aufheben will, woraufhin er das Schild außerhalb meiner Reichweite gebracht hat. Leider erinnere ich mich aufgrund meiner Aufregung nicht mehr, ob er es gekickt, geworfen oder was auch immer hat. Im Anschluss wurde ich von zwei Polizisten noch mehrfach an den Schultern gehalten und mit Wucht nach hinten geworfen. Zwischenzeitlich wurde mir mehrfach schwarz vor Augen und ich wollte mich setzen, was mir nicht gestattet wurde, die Polizei blieb weiter agressiv. Irgendwann kam der Tumult zur Ruhe und die Polizei stand zwischen uns und einer Sitzblockade, die sich im Tumult geformt hatte. Selbst die Gewalt der Polizei konnte also eine Sitzblockade nicht verhindern.

Und das Ende vom Lied? Rückenschmerzen, Schmerzen in der Wade und im rechten Fußknöchel, ein blauer Fleck am Oberarm und Schmerzen in der Magengegend. Und wer ist Schuld? Nazis in Polizeiuniform. Mein Glaube an die Beamten, die für Sicherheit für beide Seiten sorgen sollte, ist verloren. Und das obwohl nur eine Hand voll der Beamten agressiv und gewaltbereit waren. Wir brauchen dringend eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten im Einsatz, damit in solchen Fällen eine Strafverfolgung möglich ist.

edit: Ich habe Fotos der Hämatome hinzugefügt – man erkennt es leider nicht so deutlich wie es eigentlich zu sehen ist – und das Attest vom Tag nach der Demo.

Linker Oberarm:

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Rechter Oberarm:

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Hämatom an der Brust:

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Andere Seite:

IMAG0435

Attest:

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Das Bild hier kommt aus der Südwest Presse und zeigt deutlich, dass auf der Demo eben nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen war. Leider ist mir bisher kein Video bekannt geworden. Wenn jemand etwas weiß, gebt bitte Bescheid!

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12 Kommentare zu “Das Verhalten der Polizei bei der NPD-Gegendemo

  1. Und du hast dich natürlich völlig korrekt verhalten, gell …. Selten so einen Schwachsinn gelesen. Damit gehst du auf Wählerfang???

  2. Ja, ich habe mich korrekt verhalten. Ich bin ein sehr friedlicher Mensch und für mich ist es akzeptabel, Nazis friedlich zu blockieren. Gewalt ist für mich nie akzeptabel, nichtmal Nazis gegenüber!
    Auf Wählerfang gehen? Wieso sollte ich auf Wählerfang gehen? Ich schreibe auf dieser Seite über Themen, die mich beschäftigen. Das ist schon seit Jahren so.

  3. Kenne deinen Feind: [Link entfernt, Links auf „Politically Incorrect“ finden hier keinen Platz] Gewaltlosigkeit ist da nicht zu erwarten.

    #CDU- #CSU- sähen die Saat, aus der dieses Unkraut wächst, NeoNazis=Symptom, #Seehofer, #Koch, #Bouffier, #Friedrich, #Hermann sind die wahren Faschisten

  4. Als jemand, der die komplette Situation unmittelbar mitbekommen hat (hi, ich bin derjenige, der am Hals gepackt wurde) kann ich nur bestätigen, was Lisa geschrieben hat. An keiner Stelle habe ich von einem der Demonstranten irgend etwas gesehen, was auch nur im Entferntesten als Aggression interpretiert werden kann. Das Handeln der Polizei war unprovoziert und völlig unangemessen.

  5. es war nach meiner Info nicht (oder nicht nur) Aufgabe der Polizei, die beiden Gruppierungen voreinnader zu schützen, sondern eigentlich dafür zu sorgen, dass die Zufahrt zum Platz für die NPD frei gemacht wird, da diese eine angemeldete Veranstaltung auf zugewiesenem Platz durchführen wollten… So sehr ich es unterstütze und begrüße, dass sie daran gehindert wurden – ein wenig hätte man schon damit rechnen können, dass man von der Polizei nicht gerade zumm Kaffee trinken eingeladen wird, sondern mit mehr oder weniger Nachdruck versucht wird, den gestellten Auftrage auszuführen!

  6. Wer bei Anti-Nazi-Demos in der ersten Reihe steht hat Mut bewiesen (in Bezug auf die leider oft berichtetete Polizeigewalt) und Anerkennung für diese Zivilcourage verdient. Das haben in dem Fall beide Bürgermeister, aber besonders die Blockierer verdient! Klar kann man damit rechnen, das man bei Blockaden aus dem Weg geräumt wird. Aber das kann fair, bestimmt und mit Vorwarnung geschehen. Es kann einfach nicht sein, dass in der Stadt der Gebrüder Scholl nicht-gewaltbereite Blockierer von Polizisten derart hart und unkooperativ angegangen werden!

  7. Leider denken soviele, Gegendemonstranten hätten es sicherlich durch eigenes Verhalten „verdient“, wenn sie so behandelt werden. So naiv war ich auch einmal, bis es mir selbst passierte. Ähnlich muss es auch den bürgerlichen Demonstranten bei Stuttgart21 gegangen sein: Man verliert in diesem Moment einen Glauben, den man vorher so Blumenwiesenschmetterlingsmäßignaiv hatte…

  8. Kommt alles auf den Blickwinkel an. Viele haben auch mit den Polizisten nette Gespräche geführt. Wolltet ihr die Kette durchbrechen?

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