Mein (vorübergehender?) Rückzug

Dem ein oder anderen ist es schon aufgefallen: Ich habe mich seit der Bundestagswahl aus allen politischen Aktivitäten weitestgehend zurückgezogen. Ich habe mir die Ruhe genommen, die ich gebraucht habe, nachdem ich fast ein Jahr lang quasi auf ein Privatleben verzichtet habe. Ich bin sehr dankbar, dass jeder diese „Pause“ akzeptiert hat und keiner versucht hat mich zu drängen, politisch weiterzumachen.

Für mich waren die letzten Wochen seit der Wahl nicht nur Wochen der Ruhe, sondern auch Wochen der Veränderung. Ich habe mich erstmal auf meine Gesundheit konzentriert, meine Tochter ein wenig verwöhnt, mit meinem nicht-mehr-so-neuen Freund eine Routine und einen Alltag geschaffen. Ich habe mir aber auch unbequeme und schwere Gedanken zur Bundestagswahl, zu Politik in Deutschland und zu den Medien gemacht. Und ich habe festgestellt, dass ich verdrossen bin. Politikverdrossen, Demokratie Systemverdrossen. Ich hatte den Glauben lange aufgegeben, dass sich politisch was verändern könnte. Dann kamen die Piraten und mit ihnen meine Hoffnung. Ich wollte Teil davon sein, mithelfen, was bewegen. Und dann habe ich immer deutlicher gemerkt, wie eine Partei in Deutschland sein muss um eine Chance zu bekommen. Nämlich anders. Nicht authentisch. Nicht ehrlich. Nicht revolutionär.

Damit eine Partei eine Chance bekommt, muss sie etabliert sein. Die Medien müssen sie mögen. Sie muss taktieren, falsche Versprechen machen und schon lange existieren. Oder sie muss ein Alleinstellungsmerkmal haben, andere ausstechen. Nichts davon hat die Politik, die ich machen will zwangsläufig. Ich will Ehrlichkeit, unbequem sein wenn es muss und Ideale. Ich will, dass alle Parteien so weit möglich zusammenarbeiten, für den Bürger. Ich sehe nicht, dass eine Partei wie ich sie mir wünsche im aktuellen politischen Geschehen was bewegen kann und das stimmt mich traurig und nachdenklich.

Meine Konsequenz ist mein – vorübergehender? – Rückzug aus der aktiven Politik. Ich bleibe Pirat und ich helfe den Piraten weiterhin gerne, werde jedoch in absehbarer Zeit erstmal nicht mehr kandidieren oder auch nur auf Parteitage fahren. Noch bin ich überzeugt, dass die Piraten unterstützenswert sind und vor allem lokal will ich niemanden hängen lassen. So anstrengend das Bundestagswahljahr und auch meine Vorstandszeit für mich war, so gerne habe ich Wahlkampf gemacht und Erfahrungen gesammelt. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und viel Unterstützung und Rückhalt erfahren und dafür bin ich dankbar. Trotzdem wird meine Energie in nächster Zeit meiner Ausbildung und – noch wichtiger – meiner Familie gelten.

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