Eine neue politische Heimat

Schon seit ich die Piraten verlassen habe wollte ich wieder politisch aktiv werden. Anfangs war es mir genug, ohne Partei was zu tun. Ich war völlig ausgebrannt nach der Bundestagswahl und war weitestgehend resigniert was Parteipolitik anging. Nachdem einige Wochen und Monate ins Land gezogen waren, wurde aber immer deutlicher, dass ich irgendwann wieder einer Partei angehören möchte. Man kann als Parteimitglied mehr bewegen, man steht in einer Linie mit Menschen, die eine ähnliche Überzeugung wie man selber haben, man kämpft gemeinsam für die Sache an die man glaubt, man weiß, man ist nicht alleine.

Insgeheim hatte ich glaube ich, noch eine ganze Weile gehofft, dass es irgendwann einen Weg zurück zu den Piraten gibt. Die Piraten waren einfach meine erste politische Heimat, ich habe viel Zeit und Kraft in dieses Projekt gesteckt und es war kein leichter Schritt für mich auszutreten. Im Gegenteil: Ich habe die Piraten auch nach meinem Austritt nochmal gewählt, ich wollte einfach so sehr, dass die vielen (fähigen!) Menschen die noch dort geblieben sind eine Chance bekommen.

In den letzten Wochen wurde mir immer klarer, dass eine Rückkehr zu den Piraten keine Option ist. Die Positionen der Piraten kommen nur noch auf dem Papier – und auch da eher vage – an meine Positionen ran.

Ich hatte einen kurzen Blick in Richtung dieser neuen sozialliberalen Partei ehemaliger FDP-ler gewagt. Vielleicht wird da ja was Vernünftiges draus? Oder doch die Linken? Die wichtigste Fragen in meiner Entscheidung wie es weitergeht waren dabei, wie das Programm einer Partei sein muss, damit ich mich damit identifzieren kann und wie die Partei selber sein muss. Mir war von Anfang an klar, welche Parteien für mich absolut nicht in Frage kommen und das war glücklicherweise die Mehrzahl: Konservativ bis rechtspopulistisch geht gar nicht, die SPD hat leider nur einen kleinen Teil vernünftiger Linker, die FDP hat einen Dachschaden, die Grünen würden meiner Meinung nach alles verraten um regieren zu dürfen. Was bleibt da noch?

Programmatisch muss ich klar sagen, dass ich bei den Linken zufrieden bin. Die Linken waren die Partei die ich vor den Piraten gewählt habe und das nicht grundlos. Die neue sozialliberale Partei hat noch kein Programm, das meine Entscheidung beeinflussen kann. Das Selbstverständnis der Partei klingt gut, aber die Sache mit den ehemaligen FDPlern macht mir Bauchweh. Und: Eine zweite Linke braucht irgendwie auch kein Mensch, wozu denn?

Und die Partei selber? Ich will nicht nochmal Zeit und Kraft in etwas investieren, was am Ende in Scherben liegt weil es keine Zukunft hat. Ich sehe, wieviel ich bei den Piraten getan habe und wieviel davon durch andere eingerissen wurde. Ich möchte eine Partei mit etablierteren Strukturen. Eine Partei, die sich ein kleines Stück weit selbst gefunden hat. Eine Partei, die ihren Weg und ihre Ausrichtung kennt. Ich möchte nicht noch einmal von vorn anfangen und am Ende sehen wie mein „Baby“ an irgendwelchen Idioten scheitert bevor es eine realistische Chance hatte.

Meine Zeit bei den Piraten war toll, ich habe viel gelernt, politisch und persönlich. Ich habe (leider) viele fähige Menschen zurückgelassen, von denen ich nach wie vor hoffe, dass sie den Karren aus dem Dreck ziehen können und politisch was bewegen. Menschen von denen ich denke, diesem Land würde es mit ihnen in politischen Positionen deutlich besser gehen. Meine Zeit bei den Piraten hat mir aber auch verdeutlicht, wo meine politische Heimat wirklich liegt: Ziemlich weit links.

Ich habe gestern, am 15. September 2014, meinen Mitgliedsantrag an DIE LINKE ausgefüllt um mit ihnen zusammen die Welt ein bisschen besser zu machen 😉

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10 Kommentare zu “Eine neue politische Heimat

  1. Auch wenn die Linke sicher nicht meine Partei sein wird: Ich wünsche Dir viel Glück und alles Gute in der neuen politischen Heimat. Und wir sehen uns ja (hoffentlich) spätestens am 4.10. 😉

  2. Freut mich, das du wieder eine politische Heimat hast. Den Piraten fehlt dein Engagement und vor allem dein scharfes Mundwerk 😉 Hoffentlich kannst du deine Ziele gegen die alten Betonköppe bei den Linken durchsetzen!

    Wir sehen uns wieder, wir haben ja viele Gemeinsamkeiten 🙂

  3. Die haben mMn auch nen Dachschaden. Die Linke will mit nem Fünfer den Monatseinkauf machen um deren politisches Programm mal in meine Worte zu fassen aber es gibt tatsächlich schöne Ideen auch wenn manches einfach nur blauäugig ist gefällt mir der soziale Gedanke daran ganz gut. ich wünsche dir viel erfolg und vor allem Spaß an deiner politischen Arbeit.

    Grüße Enno

    • Danke dir!

      Ich denke von allen Parteien haben die Linken das menschenfreundlichste Programm…und wenn wir bei den Piraten was gelernt haben dann dass man auch im Programm mal Träume festhalten muss die sich nicht in 2 Jahren umsetzen lassen aber dafür richtig sind 🙂

  4. Herzlich Willkommen bei uns.
    Auch in der Linken ist nicht alles toll. Ich bin seid 2005 dabei.
    Aber sie hat ein gutes Programm und wird dringend gebracht in einer Gesellschaft wo nur noch das Geld zählt.

    • Danke!
      In keiner Partei ist „alles toll“, das geht gar nicht an einem Ort wo so viele verschiedene Menschen auf einem Fleck sitzen. Und ein paar völlige Doofköpfe gibt es auch immer. Aber das ist okay, der Großteil der Leute ist gut und das Parteiprogramm spricht für sich 🙂

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