Das Leben in einer Asylbewerberunterkunft

Immer wieder höre und lese ich, wie gut es Asylbewerber in Deutschland haben und dass sie in Luxusunterkünften untergebracht sind. Der erste Teil dieser Annahme stimmt: Verglichen mit ihrem Heimatland aus dem sie geflohen sind haben Asylbewerber es hier (meist) gut. Sie müssen nicht unbedingt um ihr Leben fürchten, bekommen etwas zu essen und haben ein Dach über dem Kopf. Natürlich gibt es – nicht gerade wenige – Ausnahmen hiervon, nämlich dann wenn rechte Spinner diesen Menschen das Leben schwer machen. Aber darum solls hier ausnahmsweise mal nicht gehen.

Mir geht es heute um Asylbewerberunterkünfte und den angeblichen Luxus dort. Ich habe in einer dieser Unterkünfte gewohnt. Nein, ich war dort nicht zu Besuch und hatte auch keine Option wieder zu gehen wenn mir was nicht passt. Für die kurze Spanne eines Monats war die Asylbewerberunterkunft in der Ulmer Römerstraße mein Zuhause. Mein Kind war damals gerade zehn Monate alt und wir kamen aus einem anderen Land nach Deutschland. Aus Mangel an einer Unterkunft bekamen wir kurzerhand ein Zimmer in der Römerstraße zugeteilt, dass eben gerade frei war mit der Zusage dass wir hier bleiben könnten bis sich eine Wohnung für uns findet. Wir waren keine Flüchtlinge, hatten also abgesehen von der Unterkunft keine größeren Sorgen. Ich hatte mein eigenes Bargeld, konnte Essen für uns kaufen, wir hatten ein bisschen was an Kleidung, ein paar Spielsachen, eine Busfahrkarte und vor allem Freunde und Familie. Im Vergleich zu den Asylbewerbern dort waren wir reich.

Unser Zimmer war in einer 3-Zimmer-Wohnung mit einer Küche und zwei Waschräumen im 5. Stock. Wir hatten das große Glück das größte Zimmer mit ca. 15qm zu bekommen. Normalerweise sind in diesem Zimmer mehrere Leute untergebracht, wir hatten es für uns allein. Im Zimmer waren zwei Einzelbetten mit einem Drahtgeflecht als Lattenrost, ein Metallspind für unsere Habseligkeiten, ein Tisch und zwei Stühle. Auch die Küche war sehr einfach, nicht besonders sauber, aber ansich benutzbar, wenngleich kaum Geschirr da war. Im Bad drückte nach jedem zweiten oder dritten Toilettengang die Sch**** nach oben, sodass wir bis in den Flur die Brühe stehen hatten und jemand zum Abpumpen kommen musste. Putzen musste ich das natürlich selber, es wurden nur die Rohre frei gemacht. Wer schonmal Waschmaschinen von unten geputzt hat während er bis zum Knöchel in Fäkalien stand weiß, wie nett das ist, vor allem mit einem Baby dass nebenbei durch die Räume krabbelt und gerne wissen will was Mama macht.

Wie schon erwähnt war das Zimmer im 5. Stock. Von Anfang an wurde mir erklärt, dass ich auf keinen Fall meinen Kinderwagen unten stehen lassen darf, das sei nicht gestattet, das Treppenhaus biete keinen Platz dafür. Entweder müsse ich ihn im Schnee draussen lassen oder ihn mit ins Zimmer nehmen. Ich habe also jeden Tag Kind und Kinderwagen in den 5. Stock getragen. Geht schon irgendwie, klar, machen andere Leute ja auch.

Die Heizung durften wir nicht selbst regulieren. Sie war prinzipiell in allen Räumen auf Stufe 5. Wer wollte dass die Heizung runtergedreht wird musste im Büro Bescheid geben dass der Hausmeister kommt, der kam dann im Laufe des Tages und hat die Heizung mit dem dafür benötigten Schlüssel runtergedreht. Wollte man es wieder warm haben musste man das Gleiche nochmals tun. Was die praktische Lösung war? Die Heizung stand halt auf Stufe 5 und alle Fenster waren offen. Was sonst? Ich mein, wer rennt mehrfach zum Hausmeister weil zu heiß, zu kalt, zu…?

Von mir wurde erwartet, dass mein Kind und ich diverse Untersuchungen bei diversen Ärzten wahrnehmen um ansteckende Krankheiten von vornherein zu vermeiden. Nachweise und Ergebnisse dieser Untersuchungen mussten selbstverständlich beim Büro abgegeben werden, nix mit Privatsache.

Gekostet hat dieses Zimmer übrigens etwa 800 Euro im Monat, dazu kamen ca. 80 Euro für Heizkosten. Die Kosten wurden in unserem Fall zum Großteil vom Jobcenter übernommen und an die Stadt bezahlt.
(edit: Kein Tippfehler. Ich finde die Rechnung leider gerade nicht, sonst hätte ich sie hier eingestellt.)

Ja, ich bin dankbar dass wir ein Dach über dem Kopf hatten bis wir eine Wohnung gefunden haben und ich weiß, wie privilegiert wir waren, dass wir dort nur einen Monat wohnen mussten. Ich kann aus erster Hand bestätigen dass diese Unterkünfte KEIN LUXUS sind, im Gegenteil! Es fehlt an allen Ecken und Enden um das Leben dort lebenswert zu gestalten. Man darf nie vergessen, dass Asylbewerber dort Monate, manchmal Jahre verbringen und das ohne Perspektive. Ohne zu wissen wann sie da rauskommen und wohin es für sie geht. Wir sollten diesen Menschen keine Ablehnung entgegenbringen, sondern Respekt und Unterstützung.

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Ein Kommentar zu “Das Leben in einer Asylbewerberunterkunft

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