Rat an einen „besorgten Vater“

Gestern wurde in sozialen Netzwerk eine Kolumne des Westfalen Blattes verbreitet, in der eine Diplom-Psychologin einem ratsuchenden Vater rät, seine Kinder nicht an der Hochzeit seines Bruders – der einen Mann heiraten wird – teilnehmen zu lassen, um die Kinder nicht zu verwirren. Die Antwort, die besagte Psychologin geschrieben hat war sowas von nicht tragbar, dass das Blatt erst eine halbherzige Erklärung veröffentlicht hat, die Kolumne jetzt aber abgesetzt wurde.

Damit der arme ratsuchende Vater nicht länger überlegen muss wie er mit seinen Töchtern umgeht, möchte ich seinen Leserbrief an das Westfalen Blatt hier beantworten:

Guten Tag Bernhard,

die Antwort, die du in der Kolumne „Guter Rat am Sonntag“ erhalten hast war so zweifelhaft, dass ich – deinen Kindern zuliebe – diesen Text hier schreibe.

Ich finde es großartig, dass dein Bruder und sein Zukünftiger deine Kinder als Blumenmädchen an ihrer Hochzeit einbinden möchten. Kinder lieben es, wenn ihnen an einem wichtigen Ereignis verantwortungsvolle Rollen zugedacht werden und man sie aktiv in das Geschehen einbindet. Weniger großartig finde ich, dass du bisher versäumt hast deine Kinder zu weltoffenen, toleranten jungen Mädchen zu erziehen. Kinder sehen Homosexualität als etwas völlig normales an, sofern Erwachsene ihnen nichts Gegenteiliges erzählen. Da heiratet die Barbie eine andere Barbie und Ken küsst Ken, völlig normal. Wenn nun aber Erwachsene dazwischen kommen und versuchen Kindern das auszureden, dann gerät dieses natürliche Verständnis ins Wanken. Genau das hast du scheinbar getan, sonst wären deine Sorgen deine Töchter könnten durch die Hochzeit deines Bruders verwirrt werden völlig unbegründet. Wenn DU eine Ehe deines Bruders unpassend findest – warum eigentlich? – ist das deine Sache. Du warst vielleicht früher auch nicht gut im Mathe-Unterricht, vielleicht spielst du nicht gerne Basketball oder Basteln ist nicht dein Ding…würdest du das deshalb deinen Kindern aufdrücken? Nein? Warum dann eine Weltsicht von der du weißt, dass sie im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß ist? Vor allem wo dein eigener Bruder homosexuell und offensichtlich konservativ genug ist, die Liebe seines Lebens zu einem „ehrlichen Mann“ machen zu wollen. Du sagst, die Ehe sei eine „ernsthafte Angelegenheit“, womit du völlig Recht hast, umso mehr solltest du dich freuen dass dein Bruder und sein Zukünftiger diese ernsthafte Angelegenheit eingehen und füreinander einstehen wollen!

Und wenn du dich schon nicht deinem Bruder zuliebe mit deinen Kinder zusammensetzen willst um ihnen das Ganze zu erklären, dann tu es deinen Kindern zuliebe. Irgendwann wird vielleicht eine deiner Töchter merken, dass sie selbst homosexuell ist und dann ist es wichtig, dass sie das Bewusstsein hat, dass mit ihr alles in wunderbarster Ordnung ist. Keine Sorge, du musst deinen Kindern nicht die sexuelle Aktivitäten zwischen zwei Männern erläutern (würdest du doch bei Heteros auch nicht!), ein einziger Satz reicht:

„Man kann sich nicht aussuchen wen man liebt und manchmal verliebt man sich in eine Frau, manchmal in einen Mann, das ist normal und völlig in Ordnung so.“

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