„Flüchtlinge? Nicht da wo ich sie sehen muss…“

Jetzt ist es soweit. In der Nähe meines Wohnortes wird eine Flüchtlingsunterkunft gebaut und Bürger machen dagegen mobil.

Also, nicht in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes, nein. Ich wohne in einem Dorf, dass schon vor Monaten Flüchtlinge aufgenommen hat. Die Dorfbewohner hier im katholischen Hinterland haben die Flüchtlinge mit einer groß angelegten Spendenaktion empfangen um ihnen Kleidung, Spielsachen, Möbel und andere Dinge zur Verfügung zu stellen. Hier wurden Hilfen angeboten, unsere Kindergartenkinder haben den Flüchtlingen Spenden gebracht und von ihren Erziehern in der Kita erklärt bekommen warum diese Leute jetzt hier leben und wir ihnen helfen müssen. Unsere Kindergartenkinder haben ihre eigenen Spielsachen und Kleidung aussortiert weil sie helfen wollten! So empfängt man Flüchtlinge, mit offenem Herzen und wie Freunde, die man noch nicht kennt.

In Ulm – genauer in Wiblingen – soll jetzt eine Unterkunft entstehen. Für 72 Personen auf einer Wiese die aktuell ungenutzt ist, der Ort bietet sich also an. Nicht nur weil er ungenutzt ist, auch die Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten, die öffentlichen Verkehrsmittel und noch viel wichtiger andere Menschen ist hier gewährleistet.

Und was machen die Anwohner? Sie sorgen sich um den Wertverlust ihrer Immobilien und wollen Unterschriften sammeln, glauben es würde an allen Ecken zu Vergewaltigungen kommen, es wird allerorts gegen „die Asylanten“ gehetzt. Was kümmert mich der Wertverlust eurer Immobilien, wenn es um die menschenwürdige Unterbringung von Menschen geht die vom Tode bedroht sind? Was bitte ist eine Immobilie im Vergleich zu einem Menschenleben? Und wenn euch der Wertverlust der Immobilie so große Sorgen bereitet…warum sorgt ihr nicht durch gelungene Integration dafür, dass er ausbleibt? Warum sollte der Wert eurer Immobilie sinken nur weil nebenan Menschen leben, die dank euch jetzt fließend Deutsch sprechen und ein halbwegs angenehmes Leben fernab ihrer Heimat führen? Einen Wertverlust gibt es nur dann, wenn ihr euch dagegen wehrt, diese Leute ausgrenzt und gegen sie Stimmung macht. Der wertverlust ist also EURE Schuld, nicht die der Flüchtlinge.

Wie damals schon die Elchinger leidet ihr unter massivem NIMBY-Syndrom. Flüchtlinge? Ja meinetwegen. Ne, aber nicht da wo ich sie sehen muss! Was ist das bitte für eine Einstellung? Glaubt mir, diese Menschen würden sicherlich auch lieber irgendwo wohnen wo sie willkommen sind. Nur dank Menschen wie euch SIND SIE FAST NIRGENDS WILLKOMMEN! Ihr solltet euch so sehr schämen.

Ich bin wirklich kein böser Mensch, aber ich wünsche euch dass ihr irgendwann mal flüchten müsst und genauso behandelt werdet, wie ihr andere jetzt behandelt. Für einige von euch wird das nicht gut ausgehen.

Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Meißen, Freital (…) – das kann überall sein.

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