Bezahlbarer Wohnraum – und die AfD

Vielleicht erinnert sich die Ein oder Andere noch daran. Es ist noch kein Jahr her, da habe ich darüber geschrieben, dass in Ulm-Wiblingen Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden sollen. Der Aufschrei damals war groß, die Anwohner fürchteten um den Wert ihrer Immobilien und die Sicherheit ihrer Frauen und Kinder (echt jetzt!). Aber das war nicht alles.

Das weitläufigste Argument damals war, – und das nicht nur in Wiblingen! – dass man für „die Asylanten“ hier Häuser bauen würde, die Deutschen aber seit Jahren keine bezahlbaren Wohnungen im Stadtgebiet finden würden. Es war  ist „wir gegen die“, wohin man auch hörte. Das Ganze betrifft wie schon erwähnt nicht nur Wiblingen, es betrifft eigentlich ganz Deutschland. Fast überall wird Stimmung gemacht, weil „die“ was bekommen, was „wir“ nicht kriegen: Wohnraum, den man sich leisten kann, der gefördert wird. Und mittendrin die AfD (und andere rechtsextreme Parteien), die schön ins selbe Horn geblasen hat.

Ich bin soweit bei euch, dass die Kommunen über Jahre verpasst haben, sozialen Wohnungsbau zu fördern. Den Vorwurf kann (und muss!) man ganz klar machen.

Jetzt ist es aber zumindest soweit, dass in Wiblingen „nachverdichtet“ werden soll. Das heisst im Klartext, dass an Stellen wo schon Wohnraum ist, weiterer Wohnraum geschaffen wird, wodurch aber natürlich an diesen Stelle weniger Freifläche bleibt und alles etwas enger wird. Oftmals ist das allerdings in einer stadtnahen Umgebung die einzige Möglichkeit, Wohnraum zu schaffen, den ja alle – inklusive der AfD, angeblich – so dringend wollen und brauchen. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

Jetzt gibt es allerdings schon in der Planungsphase der Nachverdichtung eine Bürgerinitiative, die sich Sorgen macht, dass aus ihrem schicken Wohngebiet – das wohlgemerkt seit Jahrzehnten keinen allzu guten Ruf hat, wovon diese Leute preislich durchaus profitieren! – ein „sozialer Brennpunkt“ werden könnte. Man muss dazu wissen, dass es wohl um ca. 30% geförderten Wohnraum geht, mehr nicht. Von 10 Wohnungen wird es also etwa 3 Stück geben die an finanziell Schwache gehen. Wenn das einen Ort zum „sozialen Brennpunkt“ macht, dann war das Problem schon vorher da.

Es ist jetzt also nicht mehr „die bösen Asylanten bekommen was, was Deutsche nicht bekommen“. Jetzt ist es „die anderen Deutschen bekommen was, was mir so nicht passt!“. Und die AfD ist wieder: Mittendrin. Laut Webseite der Bürgerinitiative (ohne Impressum) unterstützt die AfD BaWü deren Anliegen, keine weiteren Sozialwohnungen in Wiblingen zu bauen.

Das ist nicht das erste Mal, dass ersichtlich wird, welches Menschenbild die AfD hat und wie sie sich positionieren, aber es ist halt wieder ein Beispiel, dass die AfD zwar gerne Stimmen bei denen sammelt, denen es nicht gut geht, für sie aber keine Politik macht. Die AfD macht keine Politik für den Bürger, für denjenigen, der von seinem Lohn nicht leben kann, für denjenigen, der nicht weiß wie er mit seiner Rente seine Miete bezahlen soll. Die AfD macht Politik für sich selber, für Neonazis und die oberen 2%. Ekelhaft.

Und die Wiblinger „Bürgerinitiative“? Die wollen vielleicht schon bezahlbarenWohnraum, aber halt bitte irgendwo, wo man selber ihn nicht sehen muss. Not in my backyard. Wie es halt immer ist.

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