Familie und Beruf

Eigentlich wollte ich schon Anfang der Woche was zum Thema Familie und Beruf schreiben, aber wie das immer so ist, wenn die erste Wut verraucht ist kommt die Resignation und man spart sich die Buchstaben am Ende erstmal bis zur nächsten Wut, die je nach Rahmenbedingungen mal früher kommt, mal später.

Angefangen hat die Wut diesmal damit, dass ich am Montag – zugegeben aus eigener Dummheit – vor der geschlossenen Grundschule stand. Schulbeginn in Bayern ist erst Dienstag, das hab ich wohl verplant. Normalerweise weiß ich immer wer aus meiner Familie an welchem Tag zu welcher Uhrzeit wo ist oder sein muss, ich habe den totalen Überblick. Spätestens einen Tag vorher, oft aber schon Sonntags für die ganze Woche. Da bleibt eigentlich kein Platz für Unvorhergesehenes. Ich weiß wer in welcher Ferienwoche für welches Kind „zuständig“ ist, wer wann wo geholt oder hingebracht werden muss, wann ich welchen Dienst habe, wann mein Mann Kunden hat, etc.

Am Montag lief mir das wohl raus, Ende vom Lied war dass ich noch vor der Arbeit rumtelefonieren musste wo mein großes Kind jetzt hin kann während ich arbeite. Ganz kurz habe ich überlegt mich notfalls krank zu melden oder das Kind mit zur Arbeit zu nehmen, aber hey, man ist ja ein gewissenhafter Arbeitnehmer und will auch nicht ständig „die Kinder als Ausrede nehmen“ (bewusst provokant formuliert). Letzten Endes habe ich das Kind zur Ur-Oma gebracht, wo sie dann auch übernachtet hat.

Nach kurzer Überlegung habe ich sicherheitshalber noch in der Schule angerufen um mich zu vergewissern, dass die restliche Woche Unterricht und Betreuung nach Plan ist. Fehlanzeige: Dienstag ist um 12 Uhr Schulschluss, ohne anschließende Betreuung. Informiert wurden die Eltern nicht, angeblich erklärt sich das ja am ersten Schultag von selbst. Bitte? Mein Kind hat gerade 6 verdammte Ferienwochen hinter sich (bitte wer kann so viel Urlaub nehmen?!) und dann soll es selbsterklärend sein dass ich meinem Arbeitgeber klarmachen soll, dass da jetzt halt spontan nochmal n halber Tag dazukommt? Wäre die Ur-Oma nicht netterweise nochmal eingesprungen wärs schwierig geworden. Ein ähnliches Problem hatten wir schon im Juli, wo der Nachmittagsunterricht in der Ganztagesschule an fünf(!) Tagen ausgefallen ist und das sind keine Ausnahmen. Als arbeitender Elternteil muss ich mich doch auf Schule und Mittagsbetreuung verlassen können!?

Ich will ja eigentlich gar nicht jammern, ich habe mich ja selber entschieden arbeiten zu gehen (wenn auch aus niederen Beweggründen: Geld und die Freude an meinem Job) aber mich kotzt an, dass eine ohnehin schwierige Situation noch so künstlich verschlimmert wird, wenn es eigentlich anders ginge. Und dann liest du nichtsahnend SPON-Kommentare (ja, ich weiß, macht man nicht) mit klugen Ratschlägen a la „Frauen sind selber Schuld wenn sie vor der Ausbildung Kinder kriegen“ und „Frauen sollen sich halt vorher überlegen ob sie Kinder kriegen“ und „Frauen sollten sowieso 3 Jahre mit den Kindern zuhause bleiben“ und was Frauen noch alles sollen. Jeder weiß es ganz offensichtlich besser als die betroffene Frau selber, vor allem andere Frauen. Denn bekannterweise ist ja der größte Feind des Feminismus die Frau und wie wahr das ist verstehe ich jetzt erst. Ich mein, wie kommt man auf die Idee andere über ihre Lebensführung zu belehren, nur weil die äußern, dass sie sich das alles anders vorgestellt haben, dass die Situation so nicht zufriedenstellend ist?

Ich liebe meine Kinder, würde sie niemals hergeben, habe niemals bereut sie bekommen zu haben und genau deswegen habe ich an jedem Arbeitstag meinen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen weil uns wenig Zeit bleibt, weil ich morgens auch mal sagen muss „trödel nicht, wir haben heute echt keine Zeit“ und weil ich das in manchen Wochen auch jeden Tag sage. Ein schlechtes Gewissen weil mein kleines Kind nicht jeden Morgen auf dem Weg in den Kindergarten alle Blätter umdrehen kann. Ein schlechtes Gewissen weil wir ein Zweitauto haben weil ich wirklich nach dem Dienst keine Nerven mehr hab Bus zu fahren. Ein schlechtes Gewissen weil ich mit meiner Großen immer noch nicht den Schulweg so abgelaufen habe dass sie ihn alleine meistern kann, obwohl wir schon seit März hier wohnen. Ein schlechtes Gewissen weil ich gerne arbeiten gehe, weil ich meinen Job liebe, denn genau das tu ich! Ich würde gerne meine Stunden reduzieren, aber das geht aktuell nicht, aber aufgeben würde ich meinen Job nicht. Vor allem – um meinen Mann zu zitieren – sind die Kinder irgendwann aus dem Haus und dann bin ich froh meinen Beruf zu haben und nicht x Jahre nicht gearbeitet zu haben. Und nachdem mein Mann seinen Job finanziell nicht aufgeben (oder auch nur reduzieren) kann bleibt die Situation halt jetzt wie sie ist. Dennoch kommt die Wut manchmal wenn es schwieriger ist, mal nicht so läuft wie geplant. Vor allem wenn man von aussen Steine in den Weg gelegt bekommt, sei es durch unrealistische Erwartungen Dritter, verfehlter Familienpolitik die einen ohne Kitaplatz zurücklässt, verpflichtende Elternabende die erst zwei Tage vorher angekündigt werden oder auch einfach nur 12 Wochen Schulferien im Jahr (und Ferienbetreuung die pro Woche 100 Euro kostet). Manchmal ist die Situation einfach scheiße und das muss man auch so äußern (dürfen)!

Bitte, liebe Mütter, lasst euch nie-nie-nie das Jammern und die Wut verbieten! Egal ob ihr jammert weil ihr manchmal überarbeitet seid, weil ihr keinen Job findet weil ihr Kinder habt, weil ihr vor der Ausbildung Kinder bekommen habt oder warum auch immer. Niemand hat das Recht euch zu sagen, dass ihr die Klappe halten müsst weil euch nicht an jedem Tag die Sonne aus dem Arsch scheint vor Freude über Familie und Beruf. Nur weil ihr euch eure Situation ausgesucht habt müsst ihr sie noch lange nicht uneingeschränkt gut finden!

Kopf hoch, Muttis, ihr macht das super!

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Rat an einen „besorgten Vater“

Gestern wurde in sozialen Netzwerk eine Kolumne des Westfalen Blattes verbreitet, in der eine Diplom-Psychologin einem ratsuchenden Vater rät, seine Kinder nicht an der Hochzeit seines Bruders – der einen Mann heiraten wird – teilnehmen zu lassen, um die Kinder nicht zu verwirren. Die Antwort, die besagte Psychologin geschrieben hat war sowas von nicht tragbar, dass das Blatt erst eine halbherzige Erklärung veröffentlicht hat, die Kolumne jetzt aber abgesetzt wurde.

Damit der arme ratsuchende Vater nicht länger überlegen muss wie er mit seinen Töchtern umgeht, möchte ich seinen Leserbrief an das Westfalen Blatt hier beantworten:

Guten Tag Bernhard,

die Antwort, die du in der Kolumne „Guter Rat am Sonntag“ erhalten hast war so zweifelhaft, dass ich – deinen Kindern zuliebe – diesen Text hier schreibe.

Ich finde es großartig, dass dein Bruder und sein Zukünftiger deine Kinder als Blumenmädchen an ihrer Hochzeit einbinden möchten. Kinder lieben es, wenn ihnen an einem wichtigen Ereignis verantwortungsvolle Rollen zugedacht werden und man sie aktiv in das Geschehen einbindet. Weniger großartig finde ich, dass du bisher versäumt hast deine Kinder zu weltoffenen, toleranten jungen Mädchen zu erziehen. Kinder sehen Homosexualität als etwas völlig normales an, sofern Erwachsene ihnen nichts Gegenteiliges erzählen. Da heiratet die Barbie eine andere Barbie und Ken küsst Ken, völlig normal. Wenn nun aber Erwachsene dazwischen kommen und versuchen Kindern das auszureden, dann gerät dieses natürliche Verständnis ins Wanken. Genau das hast du scheinbar getan, sonst wären deine Sorgen deine Töchter könnten durch die Hochzeit deines Bruders verwirrt werden völlig unbegründet. Wenn DU eine Ehe deines Bruders unpassend findest – warum eigentlich? – ist das deine Sache. Du warst vielleicht früher auch nicht gut im Mathe-Unterricht, vielleicht spielst du nicht gerne Basketball oder Basteln ist nicht dein Ding…würdest du das deshalb deinen Kindern aufdrücken? Nein? Warum dann eine Weltsicht von der du weißt, dass sie im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß ist? Vor allem wo dein eigener Bruder homosexuell und offensichtlich konservativ genug ist, die Liebe seines Lebens zu einem „ehrlichen Mann“ machen zu wollen. Du sagst, die Ehe sei eine „ernsthafte Angelegenheit“, womit du völlig Recht hast, umso mehr solltest du dich freuen dass dein Bruder und sein Zukünftiger diese ernsthafte Angelegenheit eingehen und füreinander einstehen wollen!

Und wenn du dich schon nicht deinem Bruder zuliebe mit deinen Kinder zusammensetzen willst um ihnen das Ganze zu erklären, dann tu es deinen Kindern zuliebe. Irgendwann wird vielleicht eine deiner Töchter merken, dass sie selbst homosexuell ist und dann ist es wichtig, dass sie das Bewusstsein hat, dass mit ihr alles in wunderbarster Ordnung ist. Keine Sorge, du musst deinen Kindern nicht die sexuelle Aktivitäten zwischen zwei Männern erläutern (würdest du doch bei Heteros auch nicht!), ein einziger Satz reicht:

„Man kann sich nicht aussuchen wen man liebt und manchmal verliebt man sich in eine Frau, manchmal in einen Mann, das ist normal und völlig in Ordnung so.“

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Warum eine Ohrfeige noch jedem Kind geschadet hat

Gestern wurde in meiner Timeline ein Bild gepostet, in dem es darum ging, dass wir ja alle Helden sind weil wir Kassetten von Hand zurückgespult haben, ohne Helm Rad gefahren sind, die Ohrfeigen unserer Eltern akzeptiert und trotzdem überlebt haben. Mir dreht sich immer der Magen um wenn jemand „harmlose“ Dinge wie das Zurückspulen einer Kassette mit einem Stift in einen Topf wirft mit den Ohrfeigen der Eltern. Ersteres ist „Früher-war-alles-besser“-Nostalgie. Halte ich für Unsinn, aber ungefährlichen Unsinn. Letzteres ist Verherrlichung von Gewalt an Kindern. Wenn man dem gegenübertritt kommen dann meistens Sätze wie „eine Ohrfeige schadet nicht, uns hat es ja auch nicht geschadet“. Ich konnte meine Klappe gestern nicht halten und bin dem gegenüber getreten, eigentlich nur um darauf hinzuweisen, dass man solche Dinge nicht in einen Topf werfen sollte. Die Reaktion die darauf kam…damit konnte ich nicht rechnen. Nicht im Jahr 2015, wo körperliche und psychische Gewalt gegenüber Kindern seit 15 Jahren GESETZLICH verboten ist.

Erstmal zum allgemeinen Verständnis warum ich gerade so fassungslos bin und diesen Beitrag gerade schreibe ein Screenshot der Diskussion:

Diskussion

Worüber wir überhaupt gar nicht diskutieren müssen ist die Tatsache, dass psychische Gewalt NIE in Ordnung ist. Man darf Kinder nicht unter Druck setzen, sie ignorieren, ihnen die Liebe entziehen oder ihnen auch nur damit drohen. Damit macht man so viel kaputt, was man niemals wieder gutmachen kann. Trotzdem ist eine Ohrfeige, „den Hintern voll“ oder auch nur ein Klaps nicht weniger schlimm, richtet nicht weniger Schaden an.

Durch Gewalt lernen Kinder keinen Respekt!

Kinder lernen Respekt zu haben, indem man ihnen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet. Gewalt trägt keinen Teil dazu bei, oder schlagt ihr eure Lebenspartner und Menschen im Supermarkt, um ihnen Respekt beizubringen oder weil sie euch nerven?! Ein Kind zu schlagen ist (genau wie bei jedem anderen Menschen übrigens auch) respektlos. Man zeigt dem Kind damit, dass man am längeren Hebel sitzt und nicht davor zurückschreckt das auszunutzen. Man zeigt dem Kind, dass Gewalt in Ordnung ist, wenn man der Stärkere ist.

Man bringt Kindern damit nicht bei, Situationen zu verstehen, zu verstehen was sie nicht so gemacht haben wie Erwachsene es gerne gehabt hätten. Im Gegenteil, man bringt Kindern bei aus Angst zu gehorchen und nicht etwa aus Verständnis. Gewalt ist demütigend für die Kinder und ein Armutszeugnis für die Eltern!

Und „verdient“ hat schon gar kein Kind Ohrfeigen, Klapse oder was auch immer. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Kinder keine Nervensägen um uns Erwachsene auf die Palme zu bringen, sondern einfach nur Kinder, die noch nicht alles auf der Welt bis ins Genaueste gelernt haben. Sie brauchen Geduld unsererseits, Liebe, wir müssen ihnen den Rücken stärken und immer offene Arme geben, egal wie sie sich verhalten haben. Und wenn ein Kind die gesamte Wand angemalt hat, dann vielleicht nicht weil es schauen will ob es dafür Prügel bekommt oder nicht, sondern einfach nur weil der große Kirchturm vielleicht nicht auf ein normales Blatt Papier gepasst hat. Kinderlogik ist anders als Erwachsenenlogik und es liegt in unserer Verantwortung Kindern das vernünftig zu erklären und dafür zu sorgen, dass sie – als Erwachsene – auch bei Erwachsenenlogik angekommen sind und der Kirchturm aufs Papier passt wenn man ihn kleiner malt.

Keiner sagt, dass Kindererziehung einfach ist und Kinder immer lieb und nett sind. Sind wir ehrlich: Kinder können verdammtnochmal nerven bis zum Umfallen und jeder Elternteil der sagt er käme nie an seine Grenzen lügt wie gedruckt! Und gerade deshalb ist es unsere Aufgabe diese nervenden kleinen Quälgeister dabei zu begleiten zu wunderbaren Erwachsenen zu werden,  ohne wie-auch-immer-geartete Gewalt.

Früher haben wir Ohrfeigen bekommen. Wir sind aber auch ohne Gurt und ohne Fahrradhelm gefahren…wir wissen heute, dass das falsch ist und machen es deshalb anders. Wird Zeit, dass wir auch bei körperlicher Gewalt im Hier und Heute ankommen.

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Wie die Sache mit Vöckt weitergeht

Unter dem Titel „Wie Vöckt auf dem rechten Auge blind ist“ habe ich letzte Woche den größten Coup für meine Mediengeilheit gelandet darüber berichtet, dass die Geisinger Spedition Vöckt unter anderem die Parteilosung der NSDAP auf einem LKW spazieren fährt. Mittlerweile gibt es hierzu ein paar Updates, die ich euch nicht vorenthalten will.

Sowohl die Südwestpresse als auch die Schwäbische Zeitung hatten das Thema aufgegriffen und Vöckt dazu kontaktiert. Der Geschäftsführer sprach der Presse gegenüber von einem einzigen LKW der derartige Aufkleber rumfährt. Ein anonymer Informant hat der Presse daraufhin die Information zugespielt, dass es sich um mehrere Autos handelt, woraufhin Vöckt auf nochmaliges Nachfragen der Presse dann zwei Autos und zwei Fahrer bestätigt hat. Beide hätten schon Abmahnungen erhalten. Das war an einem Mittwoch.

An einem Donnerstag bekam ich einen Anruf der Polizei, die bereits vor Ort war und in der Sache ermittelt. Dabei wurde mir die Information gegeben, dass der eine(!) Fahrer um den es sich handelt am Donnerstagmorgen im Beisein der Polizei eine Abmahnung bekommen hat. Also nicht am Mittwoch. Vom zweiten Fahrer wusste die Polizei bis dahin nichts, die Firma Vöckt hat es auch nicht für nötig gehalten, der Polizei diese Information weiterzugeben. Ich schon.

Ein weiterer Kommentar zu meinem letzten Beitrag kam heute von einem Ex-Mitarbeiter der Firma Vöckt, mit der Information, dass es sich immer noch um mehrere Autos handelt, die in der Region Breisach unterwegs sind. Zudem müssen Mitarbeiter scheinbar bei der Geschäftsführung fragen, wenn sie ihren LKW mit Aufklebern versehen wollen. Beide Informationen deuten noch einmal darauf hin, dass die Geschäftsführung hier ihre Finger im Spiel hat, falls jemand das noch immer nicht glauben will.

Ein Statement der Firma Vöckt gibt es bis heute nicht. Wer das nicht glauben mag kann den Geschäftsführer durchaus selber nochmal anmailen (*hint*): michael.voeckt@voeckt-transporte.de

Der gute Herr Vöckt ist übrigens für die CDU im Ortschaftsrat Gutmadingen.

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Wie Vöckt auf dem rechten Auge blind ist

Als wir vor 3 Wochen auf der Autobahn unterwegs waren, sahen wir einen LKW an uns vorbeifahren. Erst dachte ich, ich seh nicht richtig, aber als wir nochmal etwas langsamer machten konnten wir noch einmal „bestaunen“, dass besagter LKW hinten am Auto mehrere Aufkleber angebracht hatte. „Kolonnenführer“, „Brigade Saar“ und eben auch ein Eisernes Kreuz mit dem Text „100% Deutsch“. Ich habe daraufhin schnell ein Foto gemacht:

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Danach habe ich die Firma gegoogelt. Aha, Transportunternehmen, erstmal nichts was darauf hindeutet, dass es sich dabei um Neonazis handelt. Also gut, im Zweifel für den Angeklagten. Keine zehn Minuten später ging eine E-Mail an die Firma, ob sie eigentlich Bescheid wissen und ihnen klar ist, welche Ideologie dahinter steckt?

Überraschung: Antwort habe ich bis heute keine bekommen. Mehrere Versuche dort jemanden an die Strippe zu kriegen schlugen fehl. Ich habe das Ganze relativ sofort auch getwittert, aber ohne weitere Reaktionen. Nachdem ich der Firma bis vorgestern Zeit gelassen hatte sich zu melden, kam immer noch nichts. Ich habe meine Mail also nochmal geschickt und das Ganze nochmal auf Twitter rausgehauen.

Und dann kam der Aufschrei mit dem ich nicht (mehr) gerechnet hatte. Das Ganze hat eine ziemliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen und @fairlight0815 hat dort angerufen, der Chef wusste scheinbar von nichts, er kümmert sich drum. Heute erreichte mich dann ein Tweet von @svannakreativ mit folgendem Foto (das wohl von @meistergolo gemacht wurde):

LKW

Für diejenigen die es nicht glauben können (oder wollen), da steht ganz deutlich: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“. Diese Parole ist nicht nur nicht lustig und ganz klar rechtsextrem, sie ist zudem noch verboten. Wir reden hier also nicht mehr nur noch vom Imageschaden für die Firma Vöckt, wir reden hier über eine Straftat.

Ich griff sofort zum Handy und – oh Wunder – mit unterdrückter Nummer erreichte ich jemanden. Der Chef sei am Telefon, worum es gehe. Ich habe mein Anliegen kurz erklärt, daraufhin meinte sie, ein Kollege von mir habe deshalb schon angerufen. Nachdem sie mich damit nicht abwimmeln konnte meinte sie, ich solle nochmal anrufen. Das habe ich getan und wurde diesmal durchgestellt.

Der Chef war mir gegenüber dann sehr ungehalten. Wer ich überhaupt sei, er wolle sofort meinen Namen wissen und warum ich solche Dinge behaupte. Habe ihm recht knapp gesagt, dass ich meinen Namen schon genannt habe und der zudem auch für die Sache nicht wichtig ist. Er war schon drauf und dran aufzulegen und war ziemlich pampig, bis ich ihm ins Wort fiel und meinte, ich habe Fotos von den Autos und es gebe ein Weiteres, auf dem ein strafrechtlich relevanter Spruch zu sehen sei. Das wollte er nicht glauben, das könne nicht sein. Das Ende vom Lied war, ich soll ihm die Fotos per Mail schicken, er erwarte aber, dass ich meinen Namen in der Mail veröffentliche.

Warum ich meinen Namen nicht unbedingt an ihn herausgeben möchte sollte jedem Antifaschisten klar sein. Jemand der mehrere Firmenautos mit Neonazi-Sprüchen beklebt hat kann mir nicht erklären, er wisse von nichts. Ich jedenfalls hätte nicht den Arsch in der Hose politische Aufkleber auf ein Auto meiner Firma zu kleben ohne dass mein Chef davon weiß. Vielleicht stinkt der Fisch doch vom Kopf her…

edit: Es laufen mehrere Strafanzeigen gegen die Spedition, es gibt mittlerweile 2 Artikel in der Presse (Südwestpresse und Schwäbische Zeitung) und die Fotos hier habe ich ausgetauscht, um sie mit besserer Qualität nochmal hochzuladen.

edit2: Es gibt ein Update zu der Sache: Ein anonymer Informant hat sich scheinbar bei der Südwestpresse gemeldet und mitgeteilt, dass es sich um mehrere Autos handelt. Der Chef der Spedition hat daraufhin zwei LKWs und Fahrer bestätigt.

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Meine Rede auf der Demo gegen Nazis & Polizeigewalt

Ich wurde heute auf der Demo gegen Nazis & Polizeigewalt gebeten, spontan ein paar Worte zu sagen. Das hier ist mein Redebeitrag soweit ich mich an ihn erinnern kann:

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ca. 180 Todesopfer rechter Gewalt zusammenzutragen. Ich werde euch nicht alle davon vorlesen, das würde den Rahmen sprengen, aber um nur mal auf die aus dem Oktober einzugehen:

03. Oktober 1999 – Patrick Thürmer wird von Neonazis attackiert und stirbt
06. Oktober 1999 – Kurt Schneider wird von vier Neonazis zu Tode misshandelt und mit einem Messer erstochen
07. Oktober 1990 – Andrzej Fratczak wird verprügelt und mit einem Messer niedergestochen
07. Oktober 2003 – Hartmut Nickel, Alja Nickel und Mechthild Bucksteeg werden mit einer Pumpgun erschossen
08. Oktober 1999 – der geistig behinderte Hans-Werner Gärtner wird gefangen gehalten, geschlagen, in Eiswasser getaucht und Stunden lang gequält bis er seinen Verletzungen erliegt
11. Oktober 1992 – Waltraud Scheffler wird mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen und stirbt knappe 2 Wochen später
14. Oktober 1997 – Josef Anton Gera wird in Bochum mit einem Stahlrohr schwere innere Verletzungen beigefügt, drei Tage später stirbt er
15. Oktober 1982 – Adrian Maleika wird von Skinheads zusammengetreten, mit Steinen beworfen und stirbt am Folgetag in Hamburg
23. Oktober 1995 – Achmed Bachir wird durch einen Messerstich ins Herz geötet als er zwei Angestellten eines Gemüseladens helfen will
24. Oktober 2010 – Kamal Kilade wird auf offener Straße attackiert und mit einem Messerstich in den Bauch getötet
27. Oktober 1991 – Nachdem er versucht hatte zu schlichten wird Mete Ekşi mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen und stirbt etwa 2 Wochen später

All diese Menschen wurden von Neonazis auf brutale Art und Weise umgebracht.

Es ist wichtig, dass jeder einzelne sich vor Augen hält, dass kein einziger Tag in keinem einzigen Jahr ohne Gewalt von Rechts abläuft. Diese Gewalt verläuft nicht immer tödlich, aber sie ist da und wir sehen sie!

Ich sage nicht, dass der Staat oder die Polizei diese Menschen getötet haben, das waren eindeutig Neonazis. Aber ich sage, der Staat und die Polizei sind mitverantwortlich für diese Toten solange sie auf dem rechten Auge blind sind.

Genau deshalb müssen wir immer wieder aufs Neue auf die Straße gehen.

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