To cut or not to cut?

Da ist es also: Die Entscheidung des Landesgerichtes Köln, die besagt, dass eine Beschneidung bei Kindern aus religiösen Gründen strafbar ist.

Und die Empörung ist riesig! Der Zentralrat der Juden und die Religionsgemeinschaft des Islam wittern Religionsfeindlichkeit und Diskriminierung und werden nicht müde, uns allen zu erklären, dass die Beschneidung nunmal gottgewollt ist und seit Jahrhunderten zur Tradition gehört. Es ist die Rede von einem Eingriff in das „Elternrecht“ und Volker Beck spuckt große Töne, weil er darüber nachdenken will, ob die Religionsfreiheit der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften nicht besser geschützt werden müsste.

Ich bin ein wirklich toleranter Mensch. Obwohl ich selber keiner Religionsgemeinschaft angehöre, finde ich, jeder soll seinen Glauben (aus)leben und damit glücklich werden. Mich stören weder Kirchen, noch Moscheen, oder was auch immer. Frauen (und auch Lehrerinnen!) dürfen meiner Meinung nach gerne Kopftuch tragen, wenn sie das möchten und jeder darf für sich entscheiden, in welchem Glauben er seine Kinder erzieht. Mir ist das egal, völlig!

Was mir nicht egal ist, sind unnötige medizinische Eingriffe bei Säuglingen und Kindern die sich nicht wehren oder selber dafür/dagegen entscheiden können. Das gilt auch für einen medizinischen Eingriff, der seit Jahrhunderten Tradition ist. Meiner Meinung nach hat das Landesgericht hier die richtige Entscheidung getroffen. Es geht hier um einen unnötigen, schmerzhaften Eingriff und jeder der schonmal einen frisch-beschnittenen Säugling oder Kleinkind erlebt hat weiß, wie sehr die Kleinen sich danach plagen, bis endlich alles verheilt ist.

Dazu kommt, dass das Kind gar nicht in der Lage ist, sich bewusst für oder gegen die Religion der Eltern zu entscheiden, auch wenn die Eltern sie in diesem Glauben erziehen. Wenn sie im Teenager- oder Erwachsenenalter das Bedürfnis verspüren, sich durch eine Beschneidung zum Glauben zu bekennen, dann ist es ihre Entscheidung die sie voll und ganz selbst verantworten. Aber ungefragt, einfach so?

Ich habe ja schon meine Probleme mit der christlichen Taufe bei Säuglingen und Kleinkindern, aber da wird wenigstens keiner körperlich verletzt. Ich finde auch das ist etwas, was die Kinder selber entscheiden sollten wenn sie alt genug dafür sind. Eine bewusste Entscheidung für einen Glauben sollte doch viel mehr Gewichtung haben, als eine Entscheidung, die die Eltern getroffen haben?

Ja, ich finde die Entscheidung des Gerichts gut. Eine Beschneidung ist etwas, was die betroffenen Personen selber für sich entscheiden müssen. Nicht die Eltern, nicht die Glaubensgemeinschaft. Und wie die Religionsfreiheit über das Recht auf Unversehrtheit gestellt werden soll, ist mir auch völlig unklar! Ich finde auf der anderen Seite aber auch, dass Aufklärungsarbeit betrieben werden muss, damit die Leute die Entscheidung verstehen können und nicht ins Hinterzimmer eines Pfuschers gehen, um ihre Kinder da verstümmeln zu lassen.

Und bevor einer fragt: Mein Kind ist nicht getauft und Ohrringe hat sie auch keine, denn das sind Entscheidungen, die sie selber für sich treffen muss 😉


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