Landtagswahl 2011 – die Zweite: Einheitsschule vs dreigliedriges Schulsystem

Aufgrund einer aktuellen und hitzigen Diskussion will ich das Thema hier auch nochmal aufgreifen.

Ich verstehe nicht ganz, welchen Sinn es haben soll, unser traditionelles, dreigliedriges Schulsystem beizubehalten. Warum stehen so viele Menschen weiter bedingungslos hinter einem System, dass schon von klein auf sondiert, wer es zu was bringen könnte und wer nicht? Erwarten wir tatsächlich von unseren 10-jährigen, dass sie schon wissen, was später aus ihnen werden soll? Wie fair kann es sein, an den Leistungen eines KINDES zu messen, wofür es später im Berufsleben taugen könnte?

In meiner Kindheit hieß es immer, wer etwas handwerklicheres machen will, der sollte am Besten auf die Haupt- oder Realschule gehen, das Gymnasium eigne sich für Leute die lieber trockene Theorie machen wollen. Diese Aussage ist allerdings schon lange überholt. Heute reicht für viele Berufe – in denen man früher oft Hauptschüler antreffen konnte – nur noch die Mittlere Reife. Am Liebsten wäre es vielen Arbeitgebern, sie könnten gleich direkt Azubis mit Abitur für ihre Stellen bekommen.

Mir ist wirklich nicht klar, wie die Leistungen eines 10-jährigen in Mathe, Deutsch und Heimat- und Sachkunde darüber urteilen können, ob derjenige als Erwachsener Arzt oder eher Bäcker werden sollte. Vor allem, solange es so läuft, dass die Mehrheit der Kinder mit Gymnasialempfehlung aus intakten, gutsituierten, deutschen Familien stammen und Kinder aus sozial schlechteren (Wohn-)Gegenden, oder familiär schwierigen Umfeldern eine geringere Chance auf so eine Empfehlung haben.

Was ich auch nicht einsehen kann (und will) ist dass es in Deutschland 16 verschiedene Ideen zum Thema Schule geben kann. Mir ist schleierhaft, wie Bildung Ländersache sein kann! Was bringt es uns, wenn in manchen Bundesländern nach der 4. Klasse sondiert wird, in anderen nach der 6. Klasse. Mir so passiert: Meine Heimatstadt liegt direkt an der Grenze von Baden-Württemberg und Bayern. Nach dem Abbruch des Gymnasiums in Württemberg kam ich auf die Realschule in Bayern…und dort ging die Grundschule bis zur 6. Klasse. Als ich später umzugsbedingt wieder zurück auf eine Württembergische Realschule kam, „durfte“ ich 2 Jahre Chemie nachholen und hing in etlichen anderen Fächern ebenfalls hinterher. Sowas darf einfach nicht passieren, nicht in einem angeblich fortschrittlichen Land wie Deutschland!


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