Rede zum CSD 2014

Da ich darum gebeten wurde, habe ich die Rede für die (Neu-)Ulmer Piraten zum diesjährigen CSD mit dem Motto „Colours of the Danube“ geschrieben. Leider gab es wohl Missverständnisse in der Kommunikation mit dem Verein CSD, weshalb die Rede nicht wie geplant von mir und Jochen gehalten werden konnte. Sehr ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern…hier habt ihr den Redebeitrag also einmal zum Nachlesen:

Hallo CSD-ler,

wir haben gute Nachrichten aus anderen Ländern:

In Slowenien hat es die Regierung – anders als bei uns ohne die Beteiligung eines Bundesverfassungsgerichtes – von alleine(!) geschafft, sich auf die Stiefkindadoption zu einigen. Auch  eine eingetragene Lebenspartnerschaft ist hier erlaubt. Ähnlich ist es in Österreich – dem Land, dass zwar spät dran war, aber heute zu den aufgeschlossensten EU-Ländern gehört.

Leider gibt es aber auch schlechte Nachrichten:

In Serbien, Moldawien, Bulgarien und Rumänien ist die Ehe und sogar die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle nicht erlaubt. In Kroatien ist zumindest eine eingetragene Lebenspartnerschaft seit Juli diesen Jahres möglich.

In der Ukraine wurde 2012 die Gay Parade aufgrund gewaltsamer Übergriffe abgesagt. 2013 wurde sie direkt erstmal gerichtlich verboten.

In Ungarn hat die rechtsextreme Jobbik 2012 Anträge eingebracht, die Homosexualität mit bis zu 8 Jahren Gefängnis bestrafen sollen. 2013 wurde der „Schutz der Familie“ durch eine Verfassungsänderung ausdrücklich auf heterosexuelle Paare beschränkt.

In fast allen dieser Länder ist Diskriminierung dennoch gesetzlich verboten. Die Realität sieht aber – wie so oft – anders aus.

Es ist wichtig, dass wir in die anderen Donauländer schauen. Dass wir aus Deutschland den nötigen Druck aufbauen, um die Situation von Homo-, Bi-, Transsexuellen und Transgender in den anderen Donauländern zu verbessern. Dafür ist es aber auch unerlässlich, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen und vor unserer eigenen Haustüre kehren!

Die politische Akzeptanz ist dabei die eine Sache. Ja, es ist wichtig, dass Homosexuelle richtig heiraten dürfen! Aber viel wichtiger ist, die gesellschaftliche Akzeptanz! Die Tatsache, dass auch Homosexuelle, Transmenschen und was es sonst noch so gibt GENAUSO normal sind wie alle anderen.

In Deutschland, selbst in diesem „Land des Fortschritts“, haben Menschen, die nicht in das gesellschaftliche Muster passen schwierige Aussichten. Wir reden von Sportlern, die nicht zu ihrer Homosexualität stehen können, weil sie sonst das Ende ihrer Karriere befürchten müssen. Wir reden von Menschen, die sich eine Scheinidentität aufgebaut haben und hoffen, dass ihr „wahres Ich“ niemals von Freunden und Familie erkannt wird. Wir reden von Jugendlichen, die Angst haben, sich ihren Eltern gegenüber zu outen, weil sie Angst vor deren Reaktion haben. LSBTTIQ heißt in Deutschland erschreckenderweise immer noch: Du kannst deinen Job verlieren. Deine Freunde. Deine Familie. Dein Leben.

Wir reden von einem Land, in dem ein schwuler Bundestagsabgeordneter nicht an der Abstimmung über die Ehe für homosexuelle teilnimmt.

Wir reden von einem Land, in dem Menschen auf die Straße gehen, weil sie nicht wollen, dass ihre – UNSERE! – Kinder in der Schule darüber informiert werden, dass es auch andere Sexualität und Identität als „Hetero, weiblich“ und „Hetero, männlich“ gibt. Diese Menschen demonstrieren gegen  – wörtlich! – „Pornounterricht“ an Schulen.

Diese Menschen, die da zum Beispiel in Stuttgart auf die Straße gegangen sind, sind christlich fundamentalistische Vereine, Vereine von Beatrix von Storch und mit ihr die AfD, katholische Diözesen und andere – teilweise rechte – Organisationen. All diese Menschen hatten kein Problem, Seite an Seite mit Nazis zu demonstrieren. Auch Teile der CDU und der FDP hatten scheinbar kein Problem damit. So hat Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke von der FDP an eben dieses Aktionsbündnis aus Menschenfeinden Grußworte zur Demonstration mitgegeben und bedauerte es, dass er aufgrund eines Parteitages „leider nicht selber teilnehmen“ konnte. Auch vom Fraktionschef der CDU, Peter Hauk, gab es Grußworte. Allein das zeigt, wie tief menschenverachtende Anti-Queer-Propaganda in unserer Gesellschaft verankert ist.

Wir wünschen euch und uns, dass wir noch lange die Energie haben werden, diesen andauernden Kampf fortzuführen. Wir wünschen uns aber auch, dass es irgendwann nicht mehr nötig sein wird, weil es endlich Normalität geworden ist.

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Meine geplante Rede zum CSD Ulm/Neu-Ulm 2013

Ehrlich gesagt nervt es mich. Ich meine, ich stehe gerne hier, feier mit euch allen und quatsch euch die Ohren voll. Aber wenn ich ehrlich sein darf: Dass ich überhaupt hier stehen muss, weil manche Menschen immer noch nicht begreifen wie normal Homosexualität ist…das nervt mich. Ich kann nicht glauben, dass wir im 21. Jahrhundert über eine Gleichstellung der Ehe oder ein Adoptionsrecht für Homosexuelle überhaupt noch diskutieren. Das passt höchstens ins Mittelalter und nichtmal da war es angemessen!

Was geht es den Staat an, was du oder ich in der Hose haben? Warum wird das Geschlecht überhaupt staatlich erfasst? Warum werden Kinder von klein auf in eine bestimmte Geschlechterrolle gepresst? Warum müssen Eltern bei Kindern mit beiden Geschlechtsmerkmalen entscheiden, welchem Geschlecht sie zugehörig „gemacht werden“? Was soll dieser Irrsinn?

Im 21. Jahrhundert sollte auch der letzte endlich begriffen haben, dass Homosexualität etwas völlig normales ist. Jedem steht es frei, sich als Lesbe, als Schwuler, als Mann, als Frau, als Transgender, Eichhörnchen oder was auch immer zu bezeichnen und diese Bezeichnung nach Belieben täglich zu verändern. Dieser Irrsinn muss ein Ende haben!

Daher meine Bitte an euch: Geht wählen. Es sind Menschen wie ihr, deren Stimme so wichtig ist, weil ihre Rechte nicht anständig vertreten werden! Eure Stimme zählt und gemeinsam können wir was bewegen!

Ich möchte außerdem eine Nachricht nach Russland schicken, wo es den Menschen seit einiger Zeit nicht mehr gestattet ist, überhaupt im Beisein Minderjähriger über Homosexualität zu sprechen. Den Menschen dort will ich sagen: Wir stehen auch für eure Rechte auf, bleibt stark! Und Putin, fick dich für deine homophobe Propaganda! Idi na hui! Za prapagandu gomofobii!

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