Liebe Piraten

Die gute Nachricht ist: Die Welt braucht euch eigentlich. Die Schlechte ist: So nicht!

Ich hatte jetzt einige Monate Zeit, mich in die Sicht eines politisch-interessierten (Netz-)Bürgers zu versetzen. Ich sehe die Piraten nicht mehr von innen, ich bekomme keine Details mehr mit. Ich sehe nur noch, was in der Presse über die Piraten kommuniziert wird, was über Twitter los ist und ich erlebe die Piraten hier vor Ort bei politischen Aktionen.

Letzteres ist erstklassig. Wenn ich die Motivation der Ulmer Piraten sehe, den Elan, was sie rocken und wie ihre Treffen ablaufen, dann juckt es mich in den Fingern mitzumachen! Da wird zusammen angepackt und für die gemeinsame Sache gekämpft. Und ich glaube nicht, dass der örtliche Kreisverband da eine Ausnahme bildet. Ich glaube es läuft in den allermeisten Untergliederungen so.

Wenn ich Twitter lese will ich heulen. Heulen, weil ich so viel Zeit in ein Politikprojekt investiert habe, dass andere Leute mit dem Arsch einreißen. Heulen, weil ich sehe wie völlig respektlos der Umgang untereinander stattfindet. Heulen, weil ich mich daran erinnere wie sehr mich das damals(tm) verletzt hat.

Ähnlich geht es mir, wenn ich sehe was öffentlich von den Piraten rüberkommt. Ja, es ist ein Problem wenn jemand sich totalen Bullshit auf die Brüste schmiert. Ja, es ist ein Problem wenn ein Bundesvorstand der keiner ist einen außerordentlichen Bundesparteitag einberuft der keiner ist. Ja, es ist ein Problem wenn Person x eine Sache y gesagt hat die so nicht okay ist. Aber das bleibt langfristig nicht beim Bürger hängen!

Was hängen bleibt sind die Reaktionen darauf. Die völlig respektlose Art mit diesen Dingen umzugehen. Was hängen bleibt ist der „Shitstorm“, die „Gates“, die verletzten Gefühle. Beim Bürger bleibt das Gefühl:“Wie wollen die Politik machen, wenn sie nichtmal mit sich selber klarkommen?“ Was bleibt ist das Bild vom zerstrittenen Haufen. Und die verletzten Gefühle der betroffenen Personen.

Ja, es ist wichtig dass man sich wehrt wenn der außerordentliche Parteitag um Monate verschoben wird. Aber Twitter ist nicht das Medium sich zu wehren, da passiert nichts! Und wenn man andere MENSCHEN(!) auf Twitter anpöbelt passiert auch nichts. Twitter verändert nichts, vor allem nicht die Welt! So wird sich nie was ändern und so braucht die Welt euch nicht.

Und ihr dürft nicht jeden Bundesvorstand als „den Schlechtesten aller Zeiten“ deklarieren. Auch wenn das seit mindestens 5 Jahren Tradition hat. IHR wählt diese Leute, also gebt ihnen eine faire Chance und vergrault euch nicht jeden Einzelnen der sich dieser knallharten Aufgabe freiwillig stellt. Wenn ihr nach einem Jahr mit diesen Leuten nicht glücklich wart wählt ihr Andere, ganz einfach. Aber lasst ihnen dieses eine Jahr die Chance, sich zu beweisen. Und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, nicht auf eure Twittereien und „Wir wollen dass Johannes zurücktritt“-Petitionen.

Wenn ihr politisch noch eine Chance haben wollt, braucht ihr nicht den Messias als Bundesvorsitzenden, der den Karren aus dem Dreck zieht. Ihr braucht euch alle, jeden Einzelnen, der sein Bestes gibt sich nicht mehr auf Shitstorms und Gates einzulassen. Ihr braucht einen vernünftigen Umgang untereinander und vor allem einen vernünftigen Umgang mit Problempersonen, die es IMMER IMMER IMMER geben wird. Ihr dürft übers Programm streiten, gerne, aber im Umgang untereinander braucht ihr – ich hätte nie gedacht dass ich das mal sagen würde – mehr Geschlossenheit.

Und jetzt zieht doch bitte endlich los und rettet die Welt. Nötig hat sie es.

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