Blutspenden

Für mich ist es heute wieder soweit: Ich geh mal wieder Blut spenden. Weil das Thema wirklich wichtig ist, will ich heute ein bisschen was dazu schreiben. Ich hoffe, dass sich langfristig viel mehr Leute entscheiden, Blut zu spenden.

Wieso soll man Blut spenden?

Vollblut kann nach wie vor nicht wirklich künstlich hergestellt werden, es werden aber ca. 15.000 Blutspenden täglich allein bei den DRK-Blutspendediensten gebraucht. Mit einer einzigen Blutspende – 500ml Blut – kann bis zu drei Patienten geholfen werden. Das sind Unfallopfer, Organempfänger, werdende Mütter, ungeborene Babies, aber auch Krebspatienten.

Das ist der eine Aspekt: Helfen. Uneigennützig anderen Menschen etwas geben, was mit Geld nicht zu bezahlen ist.

Der andere Aspekt, völlig eigennützig, ist, dass man nebenbei die eigene Blutgruppe erfährt und das Blut auf Krankheiten wie Hepatitis, HIV oder auch einfachen Eisenmangel untersucht wird. Man hat also auch was davon. Oftmals gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung für die Fahrt und einen Snack.

Was kann man denn spenden?

Der Standard ist die Vollblutspende. Das darf man alle 8 Wochen machen, Männer bis zu sechs Mal im Jahr, Frauen vier Mal. Dabei werden dem Spender 500ml abgezapft, im Anschluss untersucht und bei Eignung haltbar gemacht und eingelagert. Die Vollblutspende dauert meist ca. 20 Minuten, plus Voruntersuchung und Ausfüllen des Fragebogens.

Daneben gibt es die Plasmaspende. Dazu muss man sich – zumindest beim DRK – erstmal registrieren, weil ein Test vorab nötig ist. Eignet man sich zum Plasmaspender, macht man einen Termin aus und kommt zur Spende. Dabei wird das Plasma vom Rest abgetrennt und man bekommt den Rest sofort wieder. Das Plasma wird dann für ein halbes Jahr eingelagert, in dieser Zeit erfolgen weitere Untersuchungen beim Spender. Wenn alles okay ist, wird das Plasma verwendet. Blutplasma darf man alle 3 Tage spenden, bis zu 45 Mal im Jahr.

Ähnlich läuft es bei der Thrombozytenspende ab. Ein Zellseparator separiert die Thrombozyten vom Rest, den man behalten darf. Thrombozyten darf man bis zu 26 Mal im Jahr spenden, mit einem Mindestabstand von 26 Tagen. Haltbar sind Thrombozyten allerdings nur ca. 4 Tage, daher sind diese Spenden kurzfristig für einen bestimmten Patienten. Man bekommt also einen Anruf und geht noch am selben oder folgenden Tag zum Spenden.

Wer darf denn Blut spenden?

  • Man muss über 18 sein
  • Erstspender müssen unter 60 sein
  • Man muss mindestens 50kg wiegen
  • Man muss sich gesund fühlen und darf kein Fieber haben
  • 24 Stunden vorher darf kein Alkohol konsumiert werden
  • Kein Drogenkonsum innerhalb der letzten 4 Wochen
  • Keine OPs, Piercings oder Tattoos in den letzten 4 Monaten
  • Keine bestehende Schwangerschaft

Es gibt dazu noch ein paar mehr oder weniger sinnvolle Ausschlusskriterien, z.B. Promiskuität, Homosexualität, Drogenabhängigkeit oder Einnahme mancher Medikamente.

Welche Blutgruppen gibt es und wie verbreitet sind sie?

  • A Rhesus positiv haben etwa 37 % der Bevölkerung
  • A Rhesus negativ haben etwa 6 % der Bevölkerung
  • 0 Rhesus positiv haben etwa 35 % der Bevölkerung
  • 0 Rhesus negativ haben etwa 6 % der Bevölkerung
  • B Rhesus positiv haben etwa 9 % der Bevölkerung
  • B Rhesus negativ haben etwa 2 % der Bevölkerung
  • AB Rhesus positiv 4 %
  • AB Rhesus negativ 1 %

„Ich kann aber nicht spenden, weil…

„…ich Medikamente nehme!“
Es kommt darauf an, was für welche. Viele Medikamente bedeuten keinen allgemeinen Ausschluss vom Spenden. In so einem Fall hilft: Beim DRK-Blutspendedienst anrufen und fragen. Die Ärzte wissen es entweder auf Anhieb, oder rufen einen mit der Antwort zurück.

„…ich Angst vor Nadeln habe!“
Ring dich durch und versuch es. Wenns gar nicht geht, tust du es eben nicht wieder. Aber halt dir vor Augen: Du kannst damit ein Leben retten. Das hilft zumindest mir, meine Angst zu überwinden. Und: Es tut wirklich nicht weh, ich zumindest finde normales Blut abnehmen schlimmer!

„…ich bestimmt umkippe!“
Ausprobieren. Du bist beim Spenden überwacht, wenn dir schwummerig wird, wird sofort abgebrochen. Du solltest in jedem Fall nicht auf leeren Magen spenden und genug getrunken haben an dem Tag.

„…ich homosexuell bin!“
Dass du deshalb ausgeschlossen bist ist zwar eine Tatsache, aber scheiße! Der Petitionsausschuss des Bundestages berät aktuell eine Petition zu dem Thema, um diese Ungerechtigkeit endlich abzuschaffen.

„…ich nicht will, dass andere mein Blut bekommen!“
Äh…? Du möchtest aber, dass du oder deine Lieben Blut bekommen, wenn nötig, ja? Denk nochmal drüber nach. Bitte!

Ich will helfen, was kann ich sonst noch alles spenden?

Jeder der im Notfall eine Spende von jemand anderem erwarten würde, sollte wenigstens versuchen zu spenden wenn keine Ausschlusskriterien vorliegen!

Give the gift of life.

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Sterbehilfe

Ich wollte schon länger mal auf das Thema eingehen, aber mir fehlte bisher ein wenig die Zeit. Wird also hiermit noch eilig nachgeholt.

Mir ist es wichtig, vorab klarzustellen, dass ich zu diesem Thema ganz sicher keine objektive Aussage treffen kann, ganz im Gegenteil: Für mich ist das ein sehr emotionales Thema, da ich damit schon die ein oder andere Erfahrung gemacht habe und genau deswegen möchte ich was dazu schreiben. Eigentlich war mir noch wichtig, was über den Sterbehilfe-Antrag (PA015) für den Bundesparteitag 12.2 der Piraten in Bochum zu schreiben, aber mir läuft die Zeit weg. Daher nur kurz und knapp: Ich werde den Antrag unterstützen und ich finde auch, er ist ausreichend gut formuliert.

Erstmal den theoretischen Löwenanteil zur Sterbehilfe:

Sterbehilfe kann grundlegend erstmal in vier Formen unterteilt werden: Indirekte Sterbehilfe, Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid), passive Sterbehilfe und aktive Sterbehilfe.

Es handelt sich um indirekte Sterbehilfe, wenn Ärzte einem Patienten ein schmerzlinderndes Medikament verabreichen und dabei in Kauf nehmen, dass dieses das Leben des Patienten verkürzen könnte. Das ist z.B. in der Krebstherapie im Endstadium absolut gang und gäbe und stellt rechtlich eigentlich kein Problem dar.

Die Beihilfe zur Selbsttötung liegt vor, wenn ein Arzt einem Patienten beispielsweise ein Medikament besorgt das ihn töten wird, der Patient das Mittel aber selbstständig, ohne Hilfe eines Aussenstehenden einnimmt. Dieser Fall ist in Deutschland grundsätzlich straffrei, Ärzte haben aber meist ihre Probleme damit (u.a. weil oft nicht ganz klar ist, dass der oben genannte Fall tatsächlich keine aktive Sterbehilfe darstellt).

Angenommen, ein Arzt stellt lebenserhaltende Maschinen ab oder unterlässt lebensverlängernde Maßnahmen (z.B. Reanimation), dann handelt es sich dabei um passive Sterbehilfe. Auch die passive Sterbehilfe ist in Deutschland straffrei und kommt sehr häufig zur Anwendung. Wenn ein Arzt aber entgegen des Patientenwunsches solche Maßnahmen unterlässt, dann erfüllt das den Straftatbestand des Totschlags.

Und jetzt zur heißen Kartoffel in der Erklärung: Die aktive Sterbehilfe. Aktiv ist Sterbehilfe dann, wenn man einen Menschen – deutlich gesagt – gezielt auf dessen Wunsch hin tötet. Das ist natürlich ein schwieriger Fall, den man sehr vorsichtig anfassen muss. Aus rechtlicher Sicht ist die aktive Sterbehilfe in Deutschland nach wie vor verboten.

Bei der aktiven Sterbehilfe verabreicht der Helfer dem Patienten in den meisten Fällen eine Überdosis eines Schmerz- oder Beruhigungsmittel oder Insulin. Das ist meistens dann der Fall, wenn der Patient selber nicht mehr in der Lage ist, ein Medikament zu nehmen (z.B. bei Querschnittslähmung, aber auch bei Komapatienten, etc). Und da liegt das Problem: Es scheint auf den ersten Blick schwer verständlich, aktive Sterbehilfe – also Tötung auf Verlangen – von Totschlag, oder sogar Mord, zu differenzieren. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig: Aktive Sterbehilfe ist, wenn der Patient wirklich sterben möchte. Wenn er das deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Zum Beispiel in einer Patientenverfügung.  Ohne Vorliegen einer solchen Willenserklärung ist es ganz klar Totschlag. Oder Mord.

Aktive Sterbehilfe ist mittlerweile beispielsweise in den Niederlanden oder Belgien erlaubt. Bei der Tagesschau gabs mal einen Beitrag dazu, in dem es u.a. heißt:

Ob das Leiden nicht mehr zu ertragen ist, das kann natürlich nur der Kranke wissen – und davon muss er seinen Arzt überzeugen. Außerdem muss klar sein, dass es keine Aussicht auf Linderung oder Heilung gibt – oder der Kranke entscheidet sich klar gegen eine weitere Therapie. Erst wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander alle Kriterien erfüllt sehen, kann die tödliche Spritze gesetzt werden. Im Nachhinein überprüft noch eine Kommission, ob alle Vorschriften eingehalten wurden.

Man sieht also, „einfach so ohne Weiteres“ geht die aktive Sterbehilfe auch nicht. Es ist auch nicht so, dass eine ganze Gesellschaft sich plötzlich ihrer Alten und Kranken entledigt. Dazu ist Sterbehilfe nicht da und 10 Jahre Sterbehilfe-Erlaubnis in den Niederlanden sprechen auch ganz klar ein anderes Bild! Und sind wir ehrlich: Nur weil aktive Sterbehilfe erlaubt wird, heißt das noch lange nicht, dass Menschen uns wie die Lemminge über die Planken hüpfen um der Gesellschaft keine Last zu sein.

Was ich persönlich als große Problematik ansehe, ist dass unheilbare kranke Deutsche, die nichts sehnlicher wollen als ihr Leiden zu beenden, als „Sterbetouristen“ in andere Länder gehen, weil ihnen das Sterben in Würde in ihrem eigenen Land untersagt wird. Das verstehe ich nicht. Wir wollen mündige Bürger, wir wollen persönliche Freiheit, aber wenn es um die Sterbehilfedebatte geht werden dann plötzliche christliche Werte und Moralvorstellungen aus dem Hut gezaubert?

Ich habe im Laufe meines Lebens sowohl in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr, als auch im Sanitätsdienst und in meinem Krankenhaus-Job so viele Menschen gesehen, die einfach nur ein kleines bisschen früher sterben wollten, um ein kleines bisschen weniger zu leiden. Menschen, die ohnehin unheilbar krank waren, bei denen der Unterschied nur darin lag, ob sie ein paar Wochen/Monate weniger leiden, oder mehr. Ich wünsche mir, dass jeder Sterbehilfe-Gegner sich einen Nachmittag mit sterbenskranken, leidenden Menschen in ein Hospiz setzt, um mit ihnen über Sterbehilfe zu sprechen. Mich würde interessieren, wieviele christliche Argumente dann noch übrig bleiben.

Weiterführende Informationen:
Sterbehilfe Info – Was ist Sterbehilfe eigentlich?
FAZ – Mehr Fälle von aktiver Sterbehilfe

P.S.:Übrigens ist es nie zu früh, eine Patientenverfügung anzufertigen, damit im Ernstfall klar ist, was man selber sich wünscht und erwartet. Ich habe meine seit etlichen Jahren und schaue regelmäßig drüber ob noch alles in Ordnung ist oder sich für mich Dinge geändert haben.


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