Familie und Beruf

Eigentlich wollte ich schon Anfang der Woche was zum Thema Familie und Beruf schreiben, aber wie das immer so ist, wenn die erste Wut verraucht ist kommt die Resignation und man spart sich die Buchstaben am Ende erstmal bis zur nächsten Wut, die je nach Rahmenbedingungen mal früher kommt, mal später.

Angefangen hat die Wut diesmal damit, dass ich am Montag – zugegeben aus eigener Dummheit – vor der geschlossenen Grundschule stand. Schulbeginn in Bayern ist erst Dienstag, das hab ich wohl verplant. Normalerweise weiß ich immer wer aus meiner Familie an welchem Tag zu welcher Uhrzeit wo ist oder sein muss, ich habe den totalen Überblick. Spätestens einen Tag vorher, oft aber schon Sonntags für die ganze Woche. Da bleibt eigentlich kein Platz für Unvorhergesehenes. Ich weiß wer in welcher Ferienwoche für welches Kind „zuständig“ ist, wer wann wo geholt oder hingebracht werden muss, wann ich welchen Dienst habe, wann mein Mann Kunden hat, etc.

Am Montag lief mir das wohl raus, Ende vom Lied war dass ich noch vor der Arbeit rumtelefonieren musste wo mein großes Kind jetzt hin kann während ich arbeite. Ganz kurz habe ich überlegt mich notfalls krank zu melden oder das Kind mit zur Arbeit zu nehmen, aber hey, man ist ja ein gewissenhafter Arbeitnehmer und will auch nicht ständig „die Kinder als Ausrede nehmen“ (bewusst provokant formuliert). Letzten Endes habe ich das Kind zur Ur-Oma gebracht, wo sie dann auch übernachtet hat.

Nach kurzer Überlegung habe ich sicherheitshalber noch in der Schule angerufen um mich zu vergewissern, dass die restliche Woche Unterricht und Betreuung nach Plan ist. Fehlanzeige: Dienstag ist um 12 Uhr Schulschluss, ohne anschließende Betreuung. Informiert wurden die Eltern nicht, angeblich erklärt sich das ja am ersten Schultag von selbst. Bitte? Mein Kind hat gerade 6 verdammte Ferienwochen hinter sich (bitte wer kann so viel Urlaub nehmen?!) und dann soll es selbsterklärend sein dass ich meinem Arbeitgeber klarmachen soll, dass da jetzt halt spontan nochmal n halber Tag dazukommt? Wäre die Ur-Oma nicht netterweise nochmal eingesprungen wärs schwierig geworden. Ein ähnliches Problem hatten wir schon im Juli, wo der Nachmittagsunterricht in der Ganztagesschule an fünf(!) Tagen ausgefallen ist und das sind keine Ausnahmen. Als arbeitender Elternteil muss ich mich doch auf Schule und Mittagsbetreuung verlassen können!?

Ich will ja eigentlich gar nicht jammern, ich habe mich ja selber entschieden arbeiten zu gehen (wenn auch aus niederen Beweggründen: Geld und die Freude an meinem Job) aber mich kotzt an, dass eine ohnehin schwierige Situation noch so künstlich verschlimmert wird, wenn es eigentlich anders ginge. Und dann liest du nichtsahnend SPON-Kommentare (ja, ich weiß, macht man nicht) mit klugen Ratschlägen a la „Frauen sind selber Schuld wenn sie vor der Ausbildung Kinder kriegen“ und „Frauen sollen sich halt vorher überlegen ob sie Kinder kriegen“ und „Frauen sollten sowieso 3 Jahre mit den Kindern zuhause bleiben“ und was Frauen noch alles sollen. Jeder weiß es ganz offensichtlich besser als die betroffene Frau selber, vor allem andere Frauen. Denn bekannterweise ist ja der größte Feind des Feminismus die Frau und wie wahr das ist verstehe ich jetzt erst. Ich mein, wie kommt man auf die Idee andere über ihre Lebensführung zu belehren, nur weil die äußern, dass sie sich das alles anders vorgestellt haben, dass die Situation so nicht zufriedenstellend ist?

Ich liebe meine Kinder, würde sie niemals hergeben, habe niemals bereut sie bekommen zu haben und genau deswegen habe ich an jedem Arbeitstag meinen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen weil uns wenig Zeit bleibt, weil ich morgens auch mal sagen muss „trödel nicht, wir haben heute echt keine Zeit“ und weil ich das in manchen Wochen auch jeden Tag sage. Ein schlechtes Gewissen weil mein kleines Kind nicht jeden Morgen auf dem Weg in den Kindergarten alle Blätter umdrehen kann. Ein schlechtes Gewissen weil wir ein Zweitauto haben weil ich wirklich nach dem Dienst keine Nerven mehr hab Bus zu fahren. Ein schlechtes Gewissen weil ich mit meiner Großen immer noch nicht den Schulweg so abgelaufen habe dass sie ihn alleine meistern kann, obwohl wir schon seit März hier wohnen. Ein schlechtes Gewissen weil ich gerne arbeiten gehe, weil ich meinen Job liebe, denn genau das tu ich! Ich würde gerne meine Stunden reduzieren, aber das geht aktuell nicht, aber aufgeben würde ich meinen Job nicht. Vor allem – um meinen Mann zu zitieren – sind die Kinder irgendwann aus dem Haus und dann bin ich froh meinen Beruf zu haben und nicht x Jahre nicht gearbeitet zu haben. Und nachdem mein Mann seinen Job finanziell nicht aufgeben (oder auch nur reduzieren) kann bleibt die Situation halt jetzt wie sie ist. Dennoch kommt die Wut manchmal wenn es schwieriger ist, mal nicht so läuft wie geplant. Vor allem wenn man von aussen Steine in den Weg gelegt bekommt, sei es durch unrealistische Erwartungen Dritter, verfehlter Familienpolitik die einen ohne Kitaplatz zurücklässt, verpflichtende Elternabende die erst zwei Tage vorher angekündigt werden oder auch einfach nur 12 Wochen Schulferien im Jahr (und Ferienbetreuung die pro Woche 100 Euro kostet). Manchmal ist die Situation einfach scheiße und das muss man auch so äußern (dürfen)!

Bitte, liebe Mütter, lasst euch nie-nie-nie das Jammern und die Wut verbieten! Egal ob ihr jammert weil ihr manchmal überarbeitet seid, weil ihr keinen Job findet weil ihr Kinder habt, weil ihr vor der Ausbildung Kinder bekommen habt oder warum auch immer. Niemand hat das Recht euch zu sagen, dass ihr die Klappe halten müsst weil euch nicht an jedem Tag die Sonne aus dem Arsch scheint vor Freude über Familie und Beruf. Nur weil ihr euch eure Situation ausgesucht habt müsst ihr sie noch lange nicht uneingeschränkt gut finden!

Kopf hoch, Muttis, ihr macht das super!

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Das Problem kommt von links

Ich mag nicht mehr. Ich fand Politik schon lange nicht mehr so ermüdend wie jetzt aktuell. Da prügeln sich Neonazis durch die Städte, Asylbewerber werden umgebracht, Flüchtlingsunterkünfte brennen, Moslems leben in Angst vor Gewalt…aber das Problem das alle zu sehen meinen kommt von links. Hauptsache man ist auf dem rechten Auge schön blind und kann den Linken unterschieben sie seien gewalttätig, gefährlich und arbeitslos. Und natürlich vom Staat finanziert, falls ich das vergessen hatte zu erwähnen.

Mir ist vor einiger Zeit aufgefallen, dass in sozialen Netzwerken unheimlich viele Gewaltandrohungen von „Patrioten, aber keine Nazis“ gegen Ausländer, Politiker und Linke kommen. Erst saß ich kopfschüttelnd da und habe den Rotz weggeklickt, dann habe ich angefangen, diese Beiträge zu sammeln. Aber wirklich nur die, die mir zufällig irgendwie angespült werden, ich wollte nicht gezielt nach diesen Sachen suchen. Seit November sind das 90 Screenshots mit Gewaltandrohungen, Volksverhetzung, Ausländerhass, Beleidigungen und Antisemitismus. Einen Höhepunkt hat das Ganze erreicht, als der aus Eritrea stammende Khaled Idris Bahray letzte Woche in Dresden tot aufgefunden wurde. Die harmloseren Sachen waren da noch Sätze wie: „Einer weniger für den wir zahlen müssen!“ Aber das Problem kommt ja von links und ist staatlich finanziert, falls ich das vergessen hatte zu erwähnen.

Ich war immer jemand, der Gewalt abgelehnt hat. Ich wollte gegen Neonazis aufstehen, Rassisten blockieren, dafür sorgen, dass Antisemiten keine Plattform kriegen. Ich wollte dabei nie Gewalt anwenden. Nichts am letzten Satz hat sich geändert, ich sehe das heute noch so. Was sich geändert hat ist meine Reaktion auf Gewalt die Andere gegen Neonazis, Rassisten, „besorgte Bürger“ und Antisemiten verüben. Früher hätte ich das mal verurteilt, wenn ich heute lese, dass es Morddrohungen gegen den Pegida-Organisator und Neonazi Lutz Bachmann gibt dann zucke ich mit den Schultern und innerlich grinse ich vielleicht auch ein bisschen und denke mir, dass es um den Kerl wirklich nicht schade wäre. Ich will nicht so sein, aber ich bin so geworden. Gegen rechte Mühlen anzulaufen die noch dazu durch die Polizei gedeckt und durch die Politik gekuschelt werden („Wir müssen in den Dialog mit Pegida treten“) hat mich radikalisiert.

Ich glaube immer noch nicht, dass diese Trottel die Mehrheit sind – die Pegida-Gegendemonstrationen zeigen das auch ganz klar – aber diese Trottel sind laut, so verdammt laut. Manchmal mache ich mir noch die Mühe mit Fakten gegen solche Leute vorzugehen, aber eigentlich bin ich resigniert und habe aufgegeben.

Und dann sehe ich, was für mediale Aufmerksamkeit diese Leute kriegen. Da werden AfD und Pegida zu Jauch eingeladen. Da bringen Spiegel, Stern und Focus tolle „Wie gefährlich ist der Islam wirklich?“-Titelthemen. RTL schmuggelt einen Reporter zu Pegida und lässt ihn Nazi-Parolen brüllen. Da streut die BILD-Zeitung ausländerfeindliche Saat und wundert sich, wenn diese aufgeht. Da kommt die Polizei-Gewerkschaft an und meint, alle Antifa-Aktivisten hätten ihr Recht auf Versammlungsfreiheit verwirkt weil sie gewalttätig sind. Und die Rechten kraulen sich gegenseitig die Eier weil das Problem ja von links kommt und staatlich finanziert ist.

Toll macht ihr das.

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Der Umgang mit der Linken

Seit die Koalitionsverhandlungen in Thüringen begonnen haben, steht die Welt ein bisschen Kopf. Bodo Ramelow könnte der erste linke Ministerpräsident werden, was eine echt tolle Sache ist. Endlich bekommt jemand anderes als die CDU die Chance, was zu verändern. Und das Volk die 52,7% des Volkes die gewählt haben wollten es so, immerhin kommt Rot-Rot-Grün auf 46,3%. Davon fallen 28,2% allein auf die Linke ab. Im Vergleich: Die CDU liegt bei 33,5%, also nicht gerade weit drüber. Man kann sich also ruhig mal so weit aus dem Fenster lehnen zu sagen, die Mehrheit der Wähler möchte die CDU nicht mehr in der Landesregierung sehen.

Die CDU sieht das anders. Die CDU demonstriert am 9. November – in der Reichskristallnacht! – mit Kerzen, Neonazis, der AfD und Fackeln gegen Rot-Rot-Grün. Oder übersetzt: Die CDU demonstriert gegen eine demokratisches Mehrheitsentscheidung. Kann man machen, ist aber halt scheiße. Nicht genug damit, dass die CDU gemeinsam mit Neonazis das Andenken an die Reichskristallnacht beschmutzt, nein. Das Ganze wurde begleitet von „Wir sind das Volk“-Rufen, also genau dem Schlachtruf der damals gegen das Unrecht in der DDR genutzt wurde. Man setzt also eine demokratisch gewählte mögliche Regierung mit dem Unrecht des DDR-Regimes gleich. Kann man auch machen, ist aber halt auch scheiße.

Aber das mit Abstand allerschlimmste an dieser ganzen Sache, ist wie – übrigens nicht erst jetzt! – mit Politikern und Sympathisanten der Linken umgegangen wird. Bodo Ramelows Frau erhält Drohanrufe, Mitglieder werden an Infoständen beschimpft und bedroht, eine Stadträtin der Linken musste morgens feststellen, dass Arschlöcher ihr Auto angezündet haben, etc. Die Liste lässt sich endlos fortführen. Die Linken sind eine der beliebtesten Zielscheiben für Gewalt und Agressionen. Viele dieser Bedrohungen gehen von Neonazis aus, die sind ja sowieso der Meinung sich nicht an geltende Gesetze halten zu müssen, aber etliche dieser Beschimpfungen kommen von Politikern demokratischer Parteien. Und nicht nur das! Da wird toleriert wie Wolf Biermann im Bundestag(!) die Linke beschimpft. Es wird gejubelt wie sich Kanzlerin und Bundespräsident über die Linke auslassen. Da gehen Menschen mit Neonazis auf die Straße nur um gegen die Linke zu demonstrieren. Merkt ihr das eigentlich noch?!

Ich kann damit leben, wenn Menschen eine Partei nicht unterstützen oder gut finden, aber wir leben in einer Demokratie und wenn nach jeder Wahl mit Sieg für die CDU die Rede von einer „großartigen demokratischen Entscheidung“ ist, dann kotze ich im Strahl, wenn das Selbe nicht für die Linken gelten darf. Die Linke ist nämlich eben NICHT die SED und sie will keine Mauer bauen und Deutschland auch nicht teilen. Im Gegenteil. Und keine Partei in diesem Land geht so bewusst mit ihrer Geschichte um wie die Linke. Oder hat die CDU jemals ihre ganzen Ex-NSDAP-Mitglieder aufgearbeitet bevor sie diejenigen in Ministerposten geschachert haben?

Die Wahlentscheidung in Thüringen ist gelebte Demokratie und jeder der daraus „Ich mach mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt“ macht ist alles nur kein Demokrat.

[Disclaimer: Ja, ich bin Mitglied der Linken. Taschentuch?]

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Von Transparenz und Datenschutz

Das Ganz hier wurde sicherlich schon hunderte Male von verschiedensten Leuten erklärt, aber ich mache das jetzt halt heute nochmal, aus aktuellen Gründen.

Seitdem die Piraten an Relevanz gewonnen hatten, wurde plötzlich von allen Parteien der Schrei nach „Transparenz“ laut. Ist ja an und für sich eine tolle Sache, wobei nicht jeder unter Transparenz das Selbe versteht. Für einige Gliederungen der Grünen ist der Ruf nach Transparenz zum Beispiel nicht damit verbunden, ihre Fraktionssitzungen öffentlich abzuhalten. Für einige Abgeordnete der SPD heißt Transparenz nicht, dass sie Nebeneinkünfte die sich aus politischen Tätigkeiten ergeben öffentlich machen. Die Piraten dagegen haben es mit der Transparenz bisher fast immer sehr genau genommen. Nebeneinkünfte, Fraktionssitzungen, Meinungsfindung, Diskussionen, alles öffentlich. Von allen Parteien die „Transparenz“ predigen setzen die Piraten das meines Erachtens nach am ehrlichsten und konsequentesten um.

Das könnte man jetzt loben. Oder man könnte es so machen, wie die Presse es tut.

Man könnte Daniel Düngel vorwerfen, dass er politisch Transparenz fordert, aber persönlich auf Datenschutz bezüglich seiner Person pocht.

Man könnte den Piraten vorwerfen, dass sie politisch Transparenz fordern, aber nicht wollen, dass die Monitore ihrer persönlichen Laptops gefilmt werden.

Die Liste ließe sich noch weiter führen, führt aber ja zu nix. Des Pudels Kern ist: Es geht um politische(!) Transparenz. Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne alles was ihn betrifft öffentlich machen muss. Das bedeutet nicht, dass die Presse das Recht hat, Bildschirme abzufilmen nur weil der Besitzer Parteimitglied ist. Das bedeutet verdammt nochmal nicht, dass die Person kein Recht mehr auf Privatsphäre und Datenschutz hat!

Liebe Presse (und alle anderen die seit Jahren verweigern es zu begreifen):

Jedes Parteimitglied ist auch eine Privatperson. Als Parteifunktionär kann die Person verlangen, dass andere Parteifunktionäre transparent (also nachvollziehbar) handeln und Nebeneinkünfte offenlegen. Das muss betreffendes Parteitier, dass das fordert, auch vorleben. Ganz klar. Passiert das nicht, dürft ihr drauf rumreiten.

Selber Parteifunktionär hat aber auch ein Privatleben. Er muss euch weder Arbeitgeber, Gehalt, sexuelle Vorlieben, Religion oder ähnliches bekannt geben und er muss euch auch keinen Zugang zu seinen privaten Daten auf seinem PC geben. Das gilt auch für Parteitage. Ihr habt kein Recht den privaten Bildschirm eines Menschen in der Öffentlichkeit zu filmen. Egal wer dieser Mensch ist, egal ob er auf einem Parteitag oder am Strand sitzt.

Könnte ihr das jetzt bitte endlich begreifen? Datenschutz und Transparenz widersprechen sich nicht. Sie sind beide Grundbedingungen für vernünftige Politik.

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Über die AfD

Am Samstag auf der Demonstration gegen Beatrix von Storch kam ein älterer AfD-Anhänger auf mich zu, um mich mit einem Flyer davon zu überzeugen, dass die AfD weder rechtspopulistisch, noch homophob ist. Als ich ihn auf die Fehltritte der AfD hingewiesen habe wollte er mir erklären, dass es sich dabei um „einzelne Idioten“ handle, wie „alle Parteien sie haben“.

Ja, alle Parteien haben diese Idioten, ganz klar. Aber nicht jede Partei unterstützt diese Idioten und wählt sie in Parteiämter oder auf Kandidatenposten für Parlamente.

Die AfD ist also weder rechts, noch homophob? Menschenfeindlich? Widerwärtig in ihren Aussagen? Nein?

Eine lustige kleine Zitatesammlung gefällig?

„Welche Vorkehrungen trifft unsere Verfassung, um die Leistungseliten vor der Mehrheit zu schützen?“
(Roland Vaubel)

„Gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung verläuft unter Protektion der etablierten Machtzirkel in kleinen Schritten ein Prozeß der Islamisierung. Integration heißt dabei, daß Deutschland sich islamischen Befindlichkeiten anpaßt.“

„Dagegen halte ich fest: Der Islam ist eine uns fremde Religion, die eben deshalb nicht die gleichen Rechte wie das Christentum einfordern kann, das tief mit unserer Kultur verwachsen ist.“
(Hans-Thomas Tillschneider)

„Wer im Gleichstellungswahn die Homoehe fordert, muss auch die Gleichstellung der Lesbenehe zulassen. Dann dürfen auch Geschwister heiraten.“
(Raimund Guldner)

„Multi-Kulti-Gen führt zu Mutationen und damit zu Krankheiten, die vorher bei Reinrassigkeit nicht vorhanden waren. Wissenschaftlich erwiesen.“
(Stefan Milkereit)

„Das Problem sind eher Randgruppen wie Sinti und Roma, die leider in großer Zahl kommen und nicht gut integrationsfähig sind.“
(Bernd Lucke)

„Demokratie heißt Herrschaft des Volkes. Demokratie erfordert ein Volk und eine Öffentlichkeit zur Kontrolle der Regierung. Es gibt kein europäisches Volk und keine europäische Öffentlichkeit.“
(Beatrix von Storch)

„Die Menschenrechte werden in der Türkei und in allen islamischen Ländern mit Füßen getreten.“
(Hans-Olaf Henkel)

„Andere Parteien wollen Zuwanderung nur, damit die Deutschen in einem großen europäischen Brei aufgehen.“
(Armin Paul Hampel)

Das ist nur ein winzig kleiner Auszug an Zitaten von AfD-Mitgliedern, Gründungsmitgliedern, Kandidaten und Amtsträgern. Aber das sind sicherlich nur Einzelfälle, ja?

Wie sieht es mit den Leuten von der örtlichen AfD aus? Schauen wir doch mal auf die Facebookseite vom Kreisverbandssprecher, da wird von einem „national-konservativen“ Freund des Sprechers eine Demonstration gegen die AfD kommentiert:

„Die linke SWP hegt Sympathien für diesen Haufen verblendeter bzw. verblödeter Jugendlicher. Qualitätsmedien sehen anders aus!“

Oder auch:

„Die Grünen/Linken sollten des Dreck selbst ablecken müssen. Dann würde ihnen der „Spaß“ vergehen!“

afdraus_ablecken

Ist das die feine Englische? Dafür mag der Kreisverbandssprecher selbst die Gruppe „Solidarität mit Marco Trauten“ gern. Ja, denkt ihr jetzt, der Trauten…das war doch der mit dem Judenstern-Vergleich? Genau, der. Und als ich der AfD mitgeteilt habe, dass ich nicht auf ihren Fotos im Internet landen will wurde mir gesagt:“Die Bilder stellen wir in SA-Foren!“. Aber ja, ihr seid nicht rechts, deshalb kennt ihr euch damit ja so gut aus, was?

Schauen wir dann doch mal auf die Seite des Kreisverbandes selbst. Da heißt es:

„Eine gelungene Veranstaltung! Vielen Dank an alle Helfer, Gäste und an unsere Polizei die die Antifanten gut im Griff hatte.“

Moment. „Antifanten“? Das Wort hab ich schonmal gehört! Das benutzen doch hauptsächlich…ah, genau, die Rechtsextremen. Mehr Information?

„Der Begriff Antifant beziehungseise Antifanten wird seit den frühen 2000er Jahren vorwiegend im Sprachgebrauch des rechtsextremen Spektrums verwendet und gehört zu ihrem Sprachschatz.“

Ahja. Okay. Aber vielleicht mag der Kreisverband hier in Ulm sich ja doch noch dazu äußern, dass ihr Bundestagskandidat sich über mich lustig gemacht hat, weil ich alleinerziehend und in Ausbildung bin? Aber was erwarte ich da eigentlich.

Lassen wir das mal so stehen. Wie sieht es mit den Wahlplakaten aus? Die AfD bedient sich der selben Sprüche wie die NPD. Bei den einen heißt es:“Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“, die anderen schreiben:“Wir sind nicht das Weltsozialamt.“ Unterschied? Marginal.

Wie sieht es aber nun mit dem „Mut zur Wahrheit“ aus, den die AfD propagiert? Immerhin wurden den armen AfD-lern in Geretsried quasi alle Plakate geklaut! Das ist schlimm. Wie, der Bauhof hat die entfernt, nachdem die AfD auf Aufforderungen die Dinger abzuhängen nicht reagiert hat?

Vielleicht sollten andere Parteien auch anfangen lautstark rumzuheulen, wenn ihnen Plakate geklaut oder beschädigt werden. Ach ne, lieber nicht, der Lärm wäre unerträglich laut.

Wie war das mit dem Angriff auf Lucke auf der Waldbühne? 20-25 Vermummte aus dem linksextremen Spektrum mit Waffen! Die Info wurde von der AfD an die Polizei und von da an die Presse gegeben. Und was war? Die Polizei rudert mittlerweile zurück:

„Unsere Erstmeldung fußte auf den Angaben der Veranstalter”, gab Polizeipräsident Lutz Müller gestern in der Innendeputation zu. Das ist umso überraschender, als die Polizei schon vor Beginn des Gerangels mit erheblichen Kräften vor Ort war, wie Müller gleichzeitig betont. Aussagen aus eigener Anschauung wären den BeamtInnen demnach durchaus möglich gewesen.

Gestern stellte Müller klar: “Ein Messer war keineswegs im Spiel.” Die leichte Handverletzung eines AfD-Anhängers, der einen der Störer verfolgte und festhielt, müsse andere Ursachen haben.

Auch die Anzahl der Vermummten muss Müller zu Folge deutlich korrigiert werden. Gesichert sei lediglich, dass zwei Störer maskiert waren. Das zeige ein Video. Allerdings seien noch nicht alle Aufnahmen ausgewertet worden. Müller schätzt: “Vielleicht waren acht bis zehn Personen vermummt.” Auf die Bühne wiederum seien nur drei bis vier Protestierer gelangt, die Lucke hinunter schubsten. Im Übrigen, so Müller, habe bislang lediglich einer der Festgenommenen ins linke Spektrum eingeordnet werden können.“

Alles klar soweit? Wen wundert es da noch, dass die AfD nicht nur am Samstag in Blaustein Ausweiskontrollen bei denjenigen durchführte, die die Veranstaltung besuchen wollten, sondern das scheinbar öfter der Fall ist, dass Anmeldungen mit Ausweisnummer verlangt werden? Man will eben doch nicht jeden da haben, was?

Aber, liebe AfD, wenn ihr euch schon so gegen Sachbeschädigung einsetzt: Wie wäre es wenn mir jemand von euch den Scheibenwischer erstatten würde, den ihr mir letztes Jahr im Bundestagswahlkampf abgerissen habt?

Update: Zwei Dinge müssen hier noch hinzugefügt werden!

Erstens: Der Kreisverbandssprecher, von dem schon oben die Rede ist, ist seit Neuestem im Vorstand der „Patriotischen Plattform Baden-Württemberg“, die sich gegen „massenhafte Einwanderung” und „gegen die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft” richtet. Aber nicht rechts, nein, klar nicht.

Zweitens: Hier gibt es eine schicke kurze Zusammenfassung von Gewalttaten, die von Seiten der AfD ausgegangen sind in den letzten Monaten. Die AfD ist nämlich nicht lediglich das arme arme Opfer, wer hätte das gedacht.

edit 14.09.2014:

Dieser Post wird zur Neverending-Story, da die AfD immer noch mehr Kanonenfutter liefert. Neuigkeiten gefällig?

Am „Zwischentag“ der rechten, vom Verfassungsschutz beobachteten Burschenschaft „Raczeks“ zum Beispiel – wo alle möglichen rechtsextremen Verbände und Gemeinschaften ihr Infomaterial auslegen konnten fand man mittendrin…na, ratet mal? Genau, etliche AfD-ler, unter anderem Hans-Thomas Tillschneider, ehemaliger Listenkandidat zur Bundestagswahl und Vorstandsmitglied in Leipzig. Ja, ihr habt Recht, dass ist der selbe Tillschneider, der das hier gesagt hat:

„Gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung verläuft unter Protektion der etablierten Machtzirkel in kleinen Schritten ein Prozeß der Islamisierung. Integration heißt dabei, daß Deutschland sich islamischen Befindlichkeiten anpaßt.“

Oder mal was anderes: Da schreibt zum Beispiel Petra Federau (Vorstandsmitglied in Mecklenburg-Vorpommern) auf ihrer Facebook-Seite:

„Werden wir demnächst zwangsverpflichtet, Flüchtlinge zuhause aufzunehmen? Wir holen uns nicht nur Religionskriege, sondern auch alle Krankheiten der Welt ins Land!“

Und dann wäre da noch der Höcke, der keine Berührungspunkte mit den Neuen Rechten hat. Der gibt ja gerne der „Blaueh Narzisse“ Interviews und haut allerhand rechten Müll von „Identität“ raus, was wohl bei den Neuen Rechten die „Rasse“ abgelöst hat. Aber: „Solche Leute braucht die AfD“, findet der Kreisverbandssprecher der Ulmer AfD.

fb_blauenarzisse

Ich habe aber noch ein paar hübsche Screenshots für euch. Für einen Moment habe ich überlegt Namen unkenntlich zu machen, habe mich dann aber dagegen entschieden. Zum einen verdienen die menschenfeindlichen Kackbratzen der AfD diesen Welpenschutz meiner Meinung nach nicht, zum anderen ist das Zeug alles öffentlich im Netz gepostet.

lucke_moscheen

Alternativ könnten wir über die „Linksradikalen Politiker von den Gründen und der NPD“ sprechen:

linksradikale npd

Oder darauf, wie die AfD oder ihre Mitglieder sich auf Twitter benehmen:

linkeratte_afd

antiantifa_afd

Sollte jemand weitere nette Screenshots einsenden veröffentliche ich sie gerne.

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Persönlicher Rant

Wie eigentlich allgemein bekannt ist, bin ich im letzten Ausbildungsjahr. Meine Prüfungen finden im Mai und Juli statt, am 10. Juli bin ich dann planmäßig fertig. Meine Tochter hat seit über 2 Jahren einen Platz in einer Ganztageskita, was mir meine Ausbildung überhaupt erst ermöglicht hat. Soweit, so gut.

Jetzt sind wir umgezogen. Wir haben eine ganze Weile nach einer Wohnung im Stadtgebiet Ulm gesucht und wurden letztlich in Blaustein fündig. Unser Teil von Blaustein ist 2km von Ulm entfernt. Am dichtesten Punkt liegen jedoch zwischen Blaustein und Ulm nur 50 Meter. Es ist also wirklich Teil der Stadt, so gesehen. Leider ist Blaustein politisch nicht Teil der Stadt Ulm. Wir haben also in der Kita unsere neue Festnetznummer durchgegeben, damit sie möglichst viele Möglichkeiten haben, mich im Notfall zu erreichen. Jetzt hat diese Festnetznummer aber eine Blausteiner Vorwahl, was der Leiterin direkt aufgefallen ist. Sie hat mir also dann erklärt, dass ich ja dann gar keinen Anspruch mehr auf einen Kitaplatz in Ulm habe und es durchaus sein kann, dass mein Kind – das in einem Jahr ohnehin zur Schule gehen wird – ab den Sommerferien nicht mehr in Ulm zur Kita darf. Sie hat sich uns zuliebe nochmal erkundigt welche Möglichkeiten wir haben und es hat sich leider bestätigt, dass es keinen Weg drumrum geben wird. Damit habe ich zugegeben nicht gerechnet, ehrlich gesagt kam mir der Gedanke es könnte Probleme mit dem Kitaplatz geben nicht ein einziges Mal.

Daraufhin habe ich angefangen zu telefonieren und hatte etliche Termine. In Ulm ist das Familienbüro für die Vergabe der Kitaplätze zuständig. Der Termin mit der zuständigen Dame war dann der erste Schreck: Der Kitaplatz wird zum 01.05. neu vergeben, wir haben also ab Anfang nächsten Monats keinen Platz mehr. Trotzdem, dass ich mitten in meinen Prüfungen bin. Ihr tut es leid – und das glaube ich ihr auch – aber ihr sind die Hände gebunden, sie hat selber etliche dringende Fälle die einen Platz brauchen. Gut, wir haben also eine definitive Aussage.

Mit dieser Aussage habe ich bei der Gemeinde Blaustein angerufen. Die sind für eine Platzvergabe oder -verwaltung nicht zuständig, das machen die Kindergärten hier selber. Also habe ich alle abtelefoniert. Muss ja alles schnell gehen, immerhin machen auch viele Kitas über Ostern eine Woche zu. Und Blaustein hat ja auch nur zwei Ganztageskindergärten…

Kita1 hat zwei Leiterinnen, die gemeinsam über die Platzvergabe entscheiden. Beide sind krank. Die Eine seit dieser Woche, die Andere seit ein paar Wochen. Aus „wir geben Ihnen am 11.04. Bescheid“ wurde ein „…wenn die Leiterinnen beide(!) wieder da sind und das besprochen haben“. Wann das ist weiß keiner. Vielleicht nächste Woche. Vielleicht aber auch erst in ein paar Wochen.

Kita2 hat mir vor einer Woche einen umgehenden Rückruf zugesagt. Heute habe ich noch einmal dort angerufen, wieder wurde mir das Selbe versprochen.

Kita3 kann mir einen Platz anbieten. Juhu! Ich könnte mein Kind dort von 08.15 – 13.30 Uhr hinbringen. Doch kein Juhu, das reicht mir nicht annähernd zeitlich. Wem reicht das überhaupt?

Kita 4 hat mir einen Rückruf versprochen, bisher keine Meldung.

Kita 5 muss nachrechnen, wann ihr nächstes Kind 3 wird, da sie ab dann wieder ein Kind mehr aufnehmen dürfen. Ich soll Freitag nochmal anrufen, sie kümmert sich drum. Die beste Aussage bis hierhin!

Gut, ich mache den Kitas in Blaustein da jetzt auch keine Vorwürfe, ich stehe wirklich SEHR kurzfristig da und rufe um Hilfe. Da können die nichts dafür, auch wenn ich schon erwarte, dass Rückrufversprechen gehalten werden! Die eigentliche Schuld trifft hier zum Einen die Stadt Ulm, die mir den Platz so kurzfristig wegnimmt, obwohl sie wissen in welche Situation sie mich damit bringen und dass sie damit 3 Jahre Ausbildung gefährden, die eh fast zu Ende sind. Die „Restschuld“ trifft „das System“. Wie kann man, gerade im städtischen Umfeld wo der Übergang einzelner Gemeinden ineinander so fließend ist, sich weigern zusammen zu arbeiten? Wie kann man im pädagogischen Bereich, wo es angeblich um unsere Kinder geht, Geld zur Priorität machen?

Ich habe vor unserem Umzug lange mit meiner Tochter geredet, sie hat sich gefreut, vor allem auf das neue Zimmer, in dem sie nun so viel mehr Platz hat und sich die Wandfarben selbst aussuchen durfte. Ich habe alles getan, damit sie sich hier wohlfühlt und das hat sie. Und heute hat sie zu mir gesagt, dass sie lieber wieder in die alte Wohnung will, weil sie es gemein findet, dass wir hier keinen Kindergartenplatz bekommen und dass sie von ihren Freunden weg muss. Ich könnte heulen.

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Frau Lewitscharoff, Sie sind ekelhaft!

Da sagt die Sibylle Lewitscharoff in einer Rede so richtig strunzdämliche Sachen. Onanie solle man am Besten verbieten, Kinder die aus künstlicher Befruchtung bestehen seien „Halbwese“ für die sie nur Abscheu empfinden könne und außerdem hat sie gleich noch schnell aktuelle Fortpflanzungsmethoden mit den Kopulationsheimen der Nazis verglichen. Was die Gutste da verbreitet ist nicht nur ekelhaft, sondern auch gefährlich.

Jetzt ist die Dame mit den bekloppten Aussagen nicht Irgendjemand, sondern eine mit etlichen Preisen (14…vierzehn!) ausgezeichnete Autorin. Da hat sich der Spiegel dann mal damit beschäftigt, rauszufinden, was denn die Preisgeber dazu sagen. Und – Überaschung! – entweder kam keine Äußerung, oder es kam die Aussage:

Der Preis galt und gilt der literarischen Qualität des Werkes. Eine Qualität, die unabhängig von den Meinungsäußerungen der Autorin ausgezeichnet und damit preiswürdig ist.

Achso, jetzt habe ich das verstanden. Man trennt also zwischen Person und Werk. Wenn jetzt also Anders Breivik ein gutes Buch schreibt, oder Marc Dutroux, dann ist das vollkommen in Ordnung das Buch auszuzeichnen obwohl der Mensch ein Arschloch ist. Klar, habe verstanden.

Frau Lewitscharoff: Ich empfinde nur Abscheu für Sie.

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