Meine Rede auf der Demo gegen Nazis & Polizeigewalt

Ich wurde heute auf der Demo gegen Nazis & Polizeigewalt gebeten, spontan ein paar Worte zu sagen. Das hier ist mein Redebeitrag soweit ich mich an ihn erinnern kann:

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ca. 180 Todesopfer rechter Gewalt zusammenzutragen. Ich werde euch nicht alle davon vorlesen, das würde den Rahmen sprengen, aber um nur mal auf die aus dem Oktober einzugehen:

03. Oktober 1999 – Patrick Thürmer wird von Neonazis attackiert und stirbt
06. Oktober 1999 – Kurt Schneider wird von vier Neonazis zu Tode misshandelt und mit einem Messer erstochen
07. Oktober 1990 – Andrzej Fratczak wird verprügelt und mit einem Messer niedergestochen
07. Oktober 2003 – Hartmut Nickel, Alja Nickel und Mechthild Bucksteeg werden mit einer Pumpgun erschossen
08. Oktober 1999 – der geistig behinderte Hans-Werner Gärtner wird gefangen gehalten, geschlagen, in Eiswasser getaucht und Stunden lang gequält bis er seinen Verletzungen erliegt
11. Oktober 1992 – Waltraud Scheffler wird mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen und stirbt knappe 2 Wochen später
14. Oktober 1997 – Josef Anton Gera wird in Bochum mit einem Stahlrohr schwere innere Verletzungen beigefügt, drei Tage später stirbt er
15. Oktober 1982 – Adrian Maleika wird von Skinheads zusammengetreten, mit Steinen beworfen und stirbt am Folgetag in Hamburg
23. Oktober 1995 – Achmed Bachir wird durch einen Messerstich ins Herz geötet als er zwei Angestellten eines Gemüseladens helfen will
24. Oktober 2010 – Kamal Kilade wird auf offener Straße attackiert und mit einem Messerstich in den Bauch getötet
27. Oktober 1991 – Nachdem er versucht hatte zu schlichten wird Mete Ekşi mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen und stirbt etwa 2 Wochen später

All diese Menschen wurden von Neonazis auf brutale Art und Weise umgebracht.

Es ist wichtig, dass jeder einzelne sich vor Augen hält, dass kein einziger Tag in keinem einzigen Jahr ohne Gewalt von Rechts abläuft. Diese Gewalt verläuft nicht immer tödlich, aber sie ist da und wir sehen sie!

Ich sage nicht, dass der Staat oder die Polizei diese Menschen getötet haben, das waren eindeutig Neonazis. Aber ich sage, der Staat und die Polizei sind mitverantwortlich für diese Toten solange sie auf dem rechten Auge blind sind.

Genau deshalb müssen wir immer wieder aufs Neue auf die Straße gehen.

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Rede zum CSD 2014

Da ich darum gebeten wurde, habe ich die Rede für die (Neu-)Ulmer Piraten zum diesjährigen CSD mit dem Motto „Colours of the Danube“ geschrieben. Leider gab es wohl Missverständnisse in der Kommunikation mit dem Verein CSD, weshalb die Rede nicht wie geplant von mir und Jochen gehalten werden konnte. Sehr ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern…hier habt ihr den Redebeitrag also einmal zum Nachlesen:

Hallo CSD-ler,

wir haben gute Nachrichten aus anderen Ländern:

In Slowenien hat es die Regierung – anders als bei uns ohne die Beteiligung eines Bundesverfassungsgerichtes – von alleine(!) geschafft, sich auf die Stiefkindadoption zu einigen. Auch  eine eingetragene Lebenspartnerschaft ist hier erlaubt. Ähnlich ist es in Österreich – dem Land, dass zwar spät dran war, aber heute zu den aufgeschlossensten EU-Ländern gehört.

Leider gibt es aber auch schlechte Nachrichten:

In Serbien, Moldawien, Bulgarien und Rumänien ist die Ehe und sogar die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle nicht erlaubt. In Kroatien ist zumindest eine eingetragene Lebenspartnerschaft seit Juli diesen Jahres möglich.

In der Ukraine wurde 2012 die Gay Parade aufgrund gewaltsamer Übergriffe abgesagt. 2013 wurde sie direkt erstmal gerichtlich verboten.

In Ungarn hat die rechtsextreme Jobbik 2012 Anträge eingebracht, die Homosexualität mit bis zu 8 Jahren Gefängnis bestrafen sollen. 2013 wurde der „Schutz der Familie“ durch eine Verfassungsänderung ausdrücklich auf heterosexuelle Paare beschränkt.

In fast allen dieser Länder ist Diskriminierung dennoch gesetzlich verboten. Die Realität sieht aber – wie so oft – anders aus.

Es ist wichtig, dass wir in die anderen Donauländer schauen. Dass wir aus Deutschland den nötigen Druck aufbauen, um die Situation von Homo-, Bi-, Transsexuellen und Transgender in den anderen Donauländern zu verbessern. Dafür ist es aber auch unerlässlich, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen und vor unserer eigenen Haustüre kehren!

Die politische Akzeptanz ist dabei die eine Sache. Ja, es ist wichtig, dass Homosexuelle richtig heiraten dürfen! Aber viel wichtiger ist, die gesellschaftliche Akzeptanz! Die Tatsache, dass auch Homosexuelle, Transmenschen und was es sonst noch so gibt GENAUSO normal sind wie alle anderen.

In Deutschland, selbst in diesem „Land des Fortschritts“, haben Menschen, die nicht in das gesellschaftliche Muster passen schwierige Aussichten. Wir reden von Sportlern, die nicht zu ihrer Homosexualität stehen können, weil sie sonst das Ende ihrer Karriere befürchten müssen. Wir reden von Menschen, die sich eine Scheinidentität aufgebaut haben und hoffen, dass ihr „wahres Ich“ niemals von Freunden und Familie erkannt wird. Wir reden von Jugendlichen, die Angst haben, sich ihren Eltern gegenüber zu outen, weil sie Angst vor deren Reaktion haben. LSBTTIQ heißt in Deutschland erschreckenderweise immer noch: Du kannst deinen Job verlieren. Deine Freunde. Deine Familie. Dein Leben.

Wir reden von einem Land, in dem ein schwuler Bundestagsabgeordneter nicht an der Abstimmung über die Ehe für homosexuelle teilnimmt.

Wir reden von einem Land, in dem Menschen auf die Straße gehen, weil sie nicht wollen, dass ihre – UNSERE! – Kinder in der Schule darüber informiert werden, dass es auch andere Sexualität und Identität als „Hetero, weiblich“ und „Hetero, männlich“ gibt. Diese Menschen demonstrieren gegen  – wörtlich! – „Pornounterricht“ an Schulen.

Diese Menschen, die da zum Beispiel in Stuttgart auf die Straße gegangen sind, sind christlich fundamentalistische Vereine, Vereine von Beatrix von Storch und mit ihr die AfD, katholische Diözesen und andere – teilweise rechte – Organisationen. All diese Menschen hatten kein Problem, Seite an Seite mit Nazis zu demonstrieren. Auch Teile der CDU und der FDP hatten scheinbar kein Problem damit. So hat Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke von der FDP an eben dieses Aktionsbündnis aus Menschenfeinden Grußworte zur Demonstration mitgegeben und bedauerte es, dass er aufgrund eines Parteitages „leider nicht selber teilnehmen“ konnte. Auch vom Fraktionschef der CDU, Peter Hauk, gab es Grußworte. Allein das zeigt, wie tief menschenverachtende Anti-Queer-Propaganda in unserer Gesellschaft verankert ist.

Wir wünschen euch und uns, dass wir noch lange die Energie haben werden, diesen andauernden Kampf fortzuführen. Wir wünschen uns aber auch, dass es irgendwann nicht mehr nötig sein wird, weil es endlich Normalität geworden ist.

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Meine geplante Rede zum CSD Ulm/Neu-Ulm 2013

Ehrlich gesagt nervt es mich. Ich meine, ich stehe gerne hier, feier mit euch allen und quatsch euch die Ohren voll. Aber wenn ich ehrlich sein darf: Dass ich überhaupt hier stehen muss, weil manche Menschen immer noch nicht begreifen wie normal Homosexualität ist…das nervt mich. Ich kann nicht glauben, dass wir im 21. Jahrhundert über eine Gleichstellung der Ehe oder ein Adoptionsrecht für Homosexuelle überhaupt noch diskutieren. Das passt höchstens ins Mittelalter und nichtmal da war es angemessen!

Was geht es den Staat an, was du oder ich in der Hose haben? Warum wird das Geschlecht überhaupt staatlich erfasst? Warum werden Kinder von klein auf in eine bestimmte Geschlechterrolle gepresst? Warum müssen Eltern bei Kindern mit beiden Geschlechtsmerkmalen entscheiden, welchem Geschlecht sie zugehörig „gemacht werden“? Was soll dieser Irrsinn?

Im 21. Jahrhundert sollte auch der letzte endlich begriffen haben, dass Homosexualität etwas völlig normales ist. Jedem steht es frei, sich als Lesbe, als Schwuler, als Mann, als Frau, als Transgender, Eichhörnchen oder was auch immer zu bezeichnen und diese Bezeichnung nach Belieben täglich zu verändern. Dieser Irrsinn muss ein Ende haben!

Daher meine Bitte an euch: Geht wählen. Es sind Menschen wie ihr, deren Stimme so wichtig ist, weil ihre Rechte nicht anständig vertreten werden! Eure Stimme zählt und gemeinsam können wir was bewegen!

Ich möchte außerdem eine Nachricht nach Russland schicken, wo es den Menschen seit einiger Zeit nicht mehr gestattet ist, überhaupt im Beisein Minderjähriger über Homosexualität zu sprechen. Den Menschen dort will ich sagen: Wir stehen auch für eure Rechte auf, bleibt stark! Und Putin, fick dich für deine homophobe Propaganda! Idi na hui! Za prapagandu gomofobii!

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Inhalt meiner Rede zu #StopWatchingUs

Gestern war StopWatchingUs-Demo in Ulm. Leider gibt es – soweit mir bekannt – keine Videoaufnahmen der Redebeiträge. Wer trotzdem wissen möchte, was ich in etwa gesagt habe, findet hier eine kurze Zusammenfassung:

Im Juni wurde publik, dass wir alle überwacht werden und zwar noch viel mehr, als wir dachten. Ich arbeite in der Informatik, meine Berufsgruppe erzählt Menschen schon seit Jahren, dass alles überwacht wird, aber wir wurden lange für Spinner und Verschwörungstheoretiker gehalten. Spätestens jetzt haben viele verstanden, dass es keine Spinnereien waren.

Kurz nach dem Artikel im Guardian trat Edward Snowden ins Licht der Öffentlichkeit und gilt seitdem als Verräter. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir aufstehen und deutlich machen, dass Snowden kein Verräter ist, sondern ein Held. Er hat das nicht getan, weil er keine Lust auf einen gutbezahlten Job mehr hatte, oder weil er seine Familie und sein Zuhause nie wieder sehen wollte. Er hat das für uns getan! Es ist an der Zeit, dass wir etwas für ihn tun, indem wir unseren Unmut laut machen!

Unser Innenminister Friedrich hat gesagt, dass unter Umständen, ganz vielleicht, eventuell sogar schon 5 Terroranschläge durch Überwachung verhindert werden konnten. Ganze 5 Stück!! Friedrich hat auch gesagt, dass Snowden in Deutschland kein Asyl bekommt, weil die USA ein Rechtsstaat sind. Ich weiß ja nicht, wie es euch damit geht, aber ein Land in dem viele Staaten noch die Todesstrafe haben, ist für mich definitiv kein Rechtsstaat!

Ich stand vor 17 Monaten zweimal hier und vor 13 Monaten nochmal, jedes Mal wegen Acta. Wir hatten zur ersten Acta-Demo -13 Grad. Ich weiß, für euch klingt das aktuell in der Hitze verlockend, aber das war es wirklich nicht, es war arschkalt! Es kotzt mich an, dass ich schon wieder hier stehen muss und schon wieder gezwungen bin, für mein Recht und die Rechte anderer auf die Straße zu gehen, nur weil einige Politiker es scheinbar nicht begreifen!

Ich fordere Deutschland – und auch alle anderen Länder – auf, Edward Snowden Asyl zu gewähren. Snowden wird politisch verfolgt, das ist Grund genug! Und ich fordere alle Länder auf, diese hirnrissigen Überwachungsmaßnahmen verdammt nochmal endlich zu beenden!

Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich habe etwas zu verbergen: Meine Privatsphäre!

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Meine Rede für den OneBillionRising

Laut dem „Index  für menschliche Entwicklung“ zählt das Land in dem wir hier leben zu den „sehr hoch entwickelten Staaten“. In Deutschland darf fast jeder hier lebende Bürger wählen oder einen Führerschein machen, wir haben ein Sozialsystem, das zumindest in der Theorie dazu geeignet ist, jeden aufzufangen, der es nicht alleine schafft. Wir haben flächendeckend  Krankenversorgung und Krieg kennen die allermeisten von uns glücklicherweise nur noch aus Geschichtsbüchern und Erzählungen lang vergangener Tage.

Und trotz all dieser vermeintlich guten Nachrichten hat jeder von uns schonmal Gewalt erlebt. Jeder, es gibt keine Ausnahmen, keine Frau, kein Mann und auch kein Kind. Wer nicht selber Gewalt erfahren hat hat Gewalt gegen andere  erfahren, sei es körperliche oder psychische. Wir fangen erschreckend früh mit der Gewaltspirale an: Wir haben selber Gewalt erfahren, wir  geben sie an unsere Kinder weiter und finden keinen Weg raus aus dem Ganzen.

Es gibt trotzdem auch eine gute Nachricht: Jeder einzelne von uns kann etwas tun! Jeder sollte mit gutem Beispiel vorangehen und lernen, die Welt zu verändern. Lernen, dass es völlig in Ordnung ist, mal wütend zu sein. Lernen, dass es jedem so geht. Lernen, dass es keine Schande ist, darüber zu sprechen. Dass es keine Schande ist zu sagen „ich bin überfordert“ oder „ich weiß nicht weiter“, oder auch „ich habe Angst vor mir selber und dem, was ich vielleicht irgendwann einmal tun könnte“. Wir müssen darüber reden, anderen zuhören und mehr als alles andere die Menschen ernst nehmen, die sich uns anvertrauen, weil sie etwas erlebt  haben, das sie nicht hätten erleben dürfen. Wir dürfen nicht wegschauen! Wir müssen Angebote machen, den Menschen eine Anlaufstelle bieten, an die sie sich wenden können und  wo ihnen geholfen wird, ohne über sie zu urteilen.

Gewalt – ob psychisch oder physisch – darf NIE akzeptiert werden! Keiner Frau gegenüber, keinem Mann gegenüber und niemals gegenüber Kindern! Wir sind diejenigen mit Verantwortung. Wir sind diejenigen, die jetzt eine bessere Welt schaffen können! Ich bin verdammt stolz darauf, heute und in Zukunft Teil dieser Veränderung zu sein. Mein Name ist Lisa und ich bin Pirat.

(Die Folien für meinen morgigen Vortrag sind unter „Links“ zu finden)


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