Prostitution und Prostitutionsverbot

Erstmal Grundlegendes:

Entegegen vieler Behauptungen (Na, Zeit? Na, Cicero?) gibt es Frauen, die freiwillig als Prostituierte tätig sind. Warum auch nicht? Ist ja jedem selbst überlassen und es ist absolut nichts verwerfliches, für Geld andere glücklich zu machen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass man volljährig ist, weiß was man tut und es gerne macht. Wie bei anderen Jobs im Idealfall eben auch.

Dass jemand sich für den Beruf als Prostituierte entscheiden kann, ist für mich unter dem Stichwort „sexuelle Selbstbestimmung“ abzuhaken. Es steht absolut nicht zur Debatte, jemandem dieses Recht zu nehmen.

Und da wären wir auch schon beim Thema: Prostitution, aber vor allem das aktuell wieder heiß diskutierte Prostitutionsverbot.

Erstmal bringt ein Prostitutionsverbot allerlei Schwierigkeiten mit sich: Wie wir aus Erfahrung wissen, sorgt ein Verbot erstmal nicht dafür, dass $Sache nicht mehr passiert. Wir sehen also, es wird weiterhin Prostitution geben, nur eben dann illegal. Das bedeutet aber auch, dass niemand da ist, um die Arbeitsbedingungen zu prüfen, dass die Anbieter keine Möglichkeit mehr haben, zu ihrem Recht zu kommen, was das Machtgefälle natürlich beeinflusst. Ausserdem bedeutet es, dass man straffällig wird, wenn man als Erwachsener seine eigene Sexualität einvernehmlich ausleben will und dafür Geld nimmt.

In Schweden – wo das Prostitutionsverbot schon Alltag ist und Freier für den Gang zu einer Prostituierten bestraft werden – sieht man zwar oberflächlich, dass die Zahl der Prostutierten wohl zurückgegangen ist, aber was unter der Oberfläche brodelt, ist unklar. Und das Prostitutionsverbot wird durchaus nicht wenig kritisiert, auch in Schweden:

Frauen gegen Prostitutionsverbot in Schweden
Prostitution in Schweden

Jetzt kommen wir zum Hauptargument der Verfechter eines Prostitutionsverbotes: Zwangsprostitution. Ja, es werden Menschen dazu gezwungen, ihren Körper für Geld anzubieten, das kann nicht geleugnet werden. Was ist Zwangsprostitution? Im Klartext ist das Zwangsarbeit, Ausbeutung, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und Menschenhandel. All das steht bereits unter Strafe, ist also verboten. Zwangsprostitution passiert aber weiter. Wie kann man dann ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass ein generelles Verbot das ändert? Oder anders formuliert: Wollen wir konsequent einfach jeden Beruf verbieten, in dem es zu Zwangsarbeit kommt? Dann haben wir vor allem in der Pflege viel zu tun. Konsequent muss ich also sagen: Das ist Bullshit.

Ein weiteres Aspekt der Prostitution, der mir so nicht bewusst war und den ich unheimlich erschreckend finde, sind Sperrbezirksverordnungen. Nehmen wir München als Beispiel, das ist gerade greifbar:

Etwa 97% der Stadtfläche fällt in den Sperrbezirk. Innerhalb dieses Gebietes ist es für Prostituierte sogar in privaten Wohnungen (z.B. bei einem Kunden zuhause oder in ihrer eigenen) verboten(!), ihrer Arbeit nachzukommen, was z.B. Menschen die ihre Wohnung nicht verlassen können, jeder Möglichkeit beraubt, gegen Geld sexuelle Dienste in Anspruch zu nehmen. Es geht sogar einen Schritt weiter: Ein Treffen im Cafe zu einem unverbindlichen Kennenlernen ist ebenfalls verboten, das fällt unter „Anbahnung“. Naja, kontrolliert ja keiner, meint ihr? Nicht ganz. Es gibt scheinbar durchaus nicht wenige Fälle, in denen eine Buchung innerhalb des Sperrbezirkes stattfindet und beim Besuch bekommt der Sexarbeiter den Dienstausweis entgegen gehalten. Soviel dazu.

Um gegen Zwangsprostitution und schlechte Arbeitsbedingungen anzugehen, hilft also nur eins: Prostitution weiterhin erlauben, aufklären, helfen, die Arbeitsbedingungen kontrollieren und endlich dieses doofe Tabu aus den Köpfen der Leute kriegen. Sex ist eine völlig natürliche Sache und ob jemand es für Geld tut oder nicht, darf er bitte selber entscheiden.

Danke an @thehappywhore für den großartigen und ausführlichen Input zum Thema. Ich kann euch nur empfehlen, die Gutste auf Twitter zu lesen!

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