Milchkühe, Milchkonsum und andere Sauereien

Ich hatte zugesagt, zu dem Thema noch was ausführlicheres zu schreiben, daher hab ich mal ein paar Zahlen rausgesucht. Generell ging das Ganze damit los, dass ich erwähnt hatte, dass ich Milch zwar gerne trinke, aber versuche weitestgehend darauf zu verzichten. Auf die Hintergründe möchte ich hier nochmal eingehen.

In Deutschland gibt es etwa 4,2 Millionen Milchkühe, vielen davon noch immer in Anbindehaltung gehalten. Der Grund dafür ist recht einfach: Damit eine Milchkuh die Menge an Milch abgibt, die sie abgeben muss um dem Landwirt Geld einzubringen, muss sie u.a. genug Kraftfutter fressen. Und das tut sie am Besten, wenn sie angebunden davor steht und ohnehin nichts anderes tun kann. Außerdem ist das die zeitschonendste und einfachste Haltung für den Landwirt.

In Deutschland wird im Schnitt etwa 60 Liter Milch getrunken. Pro Kopf, pro Jahr. FIn den 50ern konnte man von so einer Kuh etwa 640 Liter Milch im Jahr erwarten, heute haben wir das ganze so weit optimiert (auch durch Züchtung), dass eine Kuh im Durchschnitt zwischen 5.000 – 10.000 Liter Milch pro Jahr abgibt. Die Probleme die das mit sich bringt sind klar: Euterentzündungen, die Fruchtbarkeit nimmt ab und die Tiere werden nicht mehr so alt. Meist ist das Leben einer Milchkuh mit 5-6 Jahren zu Ende. Und das wo eine Kuh eigentlich bis zu 20 Jahre alt werden kann!

Außerdem wissen wir ja: Milch gibt nur, wer Nachwuchs erwartet. Die Schwangerschaft einer Kuh dauert ca. 9 Monate. Die ganze Zeit über kann die Kuh gemolken werden, mit Ausnahme von 2 Monaten in denen sie „trockensteht“. Wenn das Kalb da ist, wird es nach kurzer Zeit (in der Regel nur ein paar Stunden) von der Mutter weggenommen. Anfänglich bekommt das Kälbchen noch die Muttermilch – die wäre für den Menschen eh ungenießbar, da es besonders fettreiche Milch für das Kalb ist – später wird die Milch weiter verdünnt, bis dann in den meisten Fällen auf billigere Ersatzmilch umgestellt wird. Spätestens drei Monate nach Geburt des Kälbchens wird die Kuh wieder besamt.

Und die Kälbchen? Die weiblichen Kälber brauchen etwa 2 Jahre bis sie geschlechtsreif sind und damit zu Milchkühen werden. Die männlichen Kälbchen werden gemästet und geschlachtet. Für sie ist kein weiterer Bedarf.

Übrigens ändert auch ein „Bio“-Siegel nichts daran. Auf Ausgemolken.net heißt es dazu:

Glückliche Biokühe auf grüner Wiese sind die Idealvorstellung des Vegetariers, der beim Einkauf penibel auf Produkte aus vermeintlich „artgerechter“ Tierhaltung achtet. Ein Blick nach Bayern verschafft Aufklärung: in 900 bayrischen Biobetrieben leben die Milchkühe in Anbindehaltung – und das ganz legal. Der Besuch eines Biobetriebs ist oft selbst für Verfechter des “artgerechten Einsperrens” und “tiergerechten Tötens” ernüchternd.

Und selbst, wenn die Unterschiede zur konventionellen Haltung tatsächlich so groß wären, wie die Bio-Werbung suggeriert: Das Grundproblem bleibt bestehen. Tiere sind auch in “bio” nur Waren, Gegenstände und Produktionsmaschinen. Sie dienen auch in “bio” uns Menschen, sind angeblich für uns da. Für Kühe heißt das konkret: Für die Erzeugung von Milch müssen sie zwangsgeschwängert, eingesperrt, von ihren Neugeborenen getrennt und nach einigen Jahren wegen wirtschaftlicher Unrentabilität getötet werden. Ebenso wie ihre männlichen Nachkommen, die als “Nebenprodukt” der Milcherzeugung anfallen und zwangsläufig als “Fleisch” getötet werden, da auch Bio-Landwirte sie nicht einfach um ihrer selbst willen 20 Jahre lang auf ihren Höfen füttern, bevor sie eines natürlichen Todes sterben.

Diese Probleme betreffen übrigens nicht nur Milchkühe. Auch wenn wir uns anschauen, wie Schweine und Hühner gehalten werden, ist das absolut erschreckend.

Was können wir dagegen tun? Ich finde ja, der Fall ist klar: Nicht jeder kann oder will sich vegetarisch ernähren und das muss man akzeptieren. Aber jeder kann sich die Mühe machen, sich bewusst zu ernähren, wenn man das nur will.

Erstmal muss unsere Gesellschaft lernen, dass man eben nicht ruhigen Gewissens 45 Cent für den Liter Milch bezahlen kann. Milch wurde über die letzten Jahre immer mehr zum Billigprodukt, auf Kosten der Tiere. Wenn wir bereit sind, mehr für Milch zu bezahlen, kann sich dadurch viel ändern. Man kann beispielsweise, die Milch direkt beim Landwirt kaufen. So kann man sehen wo man kauft, was man da eigentlich unterstützt und der Bauer bekommt mehr Geld für seine Milch.

Bei Fleisch gibt es außerdem die Möglichkeit, „Neuland“ zu kaufen, was schon in vielerlei Hinsicht ein Schritt in die richtige Richtung ist: „Neuland“-Auflagen sehen zum Beispiel vor, dass die Tiere vor der Kastration betäubt werden müssen!

Bei Eiern kann JEDER ohne große Zusatzausgaben darauf achten, dass sie von freilaufenden Tieren stammen. Das kostet im Regelfall keine 50 Cent mehr, bringt aber schon was. Noch besser ist auch hier: Lokal kaufen, sich den Betrieb anschauen. Wichtig ist aber auch, dass wir die Hersteller von Fertigprodukten dazu bringen, dass sie beispielsweise keine Eier von Tieren aus Käfig- oder Bodenhaltung mehr verarbeiten.

Wenn wir darauf warten, dass unsere Verbraucherministerin was an den Auflagen ändert, dann können wir lange warten. Wichtiger ist, dass wir daran arbeiten Leute in unserer nahen Umgebung aufzuklären, die wiederum ihre Umgebung aufklären. Wenn wir Verbraucher nicht auf die Barrikaden gehen, dann wird es keiner tun!

Wie schon Gandhi sagte:

Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.

Weitere Informationen zu Milchkühen finden sich hier:
Tierschutzbund
Ausgemolken
Planet Wissen
Jugendtierschutz
Die Tierfreunde

Zu Legehennen gibt es ein paar Infos hier:
Tierschutzbund zu Legehennen

Zu Schweinehaltung kann man hier was nachlesen:
Tierschutzbund zu Schweinehaltung


Flattr this

Advertisements