Mikrozensus…die Zweite!

Da ist es mir durch die Lappen gegangen. Ich wollte noch über mein weiteres Vorgehen beim Mikrozensus berichten:

Der Herr Zensusbeaufragte stand also eines schönen Nachmittags vor meiner Tür und wollte seine Fragen beantwortet haben, was ich erstmal freundlich abgelehnt hatte. Er dürfe gerne die Fragen dalassen, ich würde sie dann beantworten und den Fragebogen zurückschicken. Das war auch kein Problem, er wies mich sogar noch von alleine darauf hin, dass auf dem Briefumschlag „Antwort“ stehe und ich somit kein Porto bezahlen müsse, obwohl die Rechtslage beim Rücksenden des Zensus-Fragebogen eine andere ist.

Interessanterweise stellte sich im Gespräch noch heraus, dass meine „Erhebungseinheit“ ja schon 3 Jahre am Mikrozensus teilgenommen hat (meine Vormieterin) und wir somit nach einmaligem Ausfüllen aus dem Schneider sind. So weit, so gut. Nach meinem Mitbewohner hat er auch noch gefragt, ich hab ihm dann erstmal erklärt, dass der sich noch im Urlaub befindet und ich nicht weiß wann er zurückkehrt…“kommen Sie einfach wann anders wieder“.

Der Fragebogen also. Wobei, wenn wir ehrlich sind, „Fragebogen“ das falsche Wort ist. Es ist ein Heft mit dem Umfang eines Schulheftes. Ich habe also in meiner allerwinzigsten Miniaturschrift den Fragebogen ausgefüllt und bedauerlicherweise etliche Tintenklekse fabriziert. Das ganze tat mir so leid, dass ich versucht habe, sie wegzuwischen. Dabei muss ich noch größeren Schaden angerichtet haben, am Ende war alles verschmiert und zerknittert. Leider wusste ich meine eigene Telefonnummer auch nicht mehr. Im Gegenzug habe ich ihnen nahegelegt, wenn sie tatsächlich alle Details über meine Firma wissen wollen, dass sie diese dann doch auch direkt kontaktieren sollten (falls sie den Namen lesen konnten, that is^^).

Zurück kam…nix. Nie wieder. Gar nichts. Ich kann das also nur weiterempfehlen, für Leute denen die Daten die erfragt werden zu sensibel sind (und das sind sie teilweise wirklich).


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Mikrozensus – Habt ihr sie noch alle?!

Erstmal zum Mikrozensus ansich: Den Mikrozensus gibt es seit 1957 und die Haushalte, die dafür ausgesucht werden, müssen in einem 5-Jahres-Zeitraum vier Mal daran teilnehmen. Die Daten werden also mehrere Jahre hintereinander erfasst. Insgesamt handelt es sich wohl um 1% der Haushalte bundesweit und somit um etwa 390.000 Haushalte pro Jahr. Der Grundfragebogen hat einen Umfang von ca 48 Seiten, dazu kommen je nach Jahr dann noch weitere Fragebögen.

Da kam dann der Wisch reingeflattert heute. Handschriftlich mit den Namen versehen und zwar genau so wie es auch auf unserer Klingel und am Briefkasten steht. Jemand stand also ganz offensichtlich vor der Tür, als der Brief vervollständigt wurde.

Wir sind einer der Haushalte, die „im Rahmen eines mathematischen Zufallsverfahrens“ ausgewählt wurden und um Beantwortung eines mindestens 50-seitigen Fragebogens „gebeten“ werden. Eine Bitte nur? Super, dann kann ich ja…

Weit gefehlt. Die „Bitte“ ist ungefähr so gemeint, wie wenn ich jemandem sage, dass er mir doch bitte sein Geld geben soll, da ich ihn ansonsten erschieße. Wenn man der liebgemeinten Behörden-Bitte nicht nachkommt, kann nämlich ein Zwangsgeld auf einen zukommen. Zum Thema Zwangsgeld zitiere ich mal Wikipedia:

Es ist ein in die Zukunft gerichtetes Beugemittel, das aber keinen Straf- oder Bußgeldcharakter hat und demzufolge kein Verschulden voraussetzt.

Vielen Dank auch dafür. Aber welche Daten wollen die Damen und Herren denn von mir? Wie schon zum Zensus geschrieben: SO viele sind das gar nicht! Ein kleiner Auszug aus dem Vorratsdatenspeicherungs-Wiki:

16a.) In welcher Beziehung stehen Sie zur ersten Person dieses Haushalts? (Ehefrau, Ehemann / Tochter, Sohn, Schwiegertochter, Schwiegersohn / Enkel, Urenkel / Mutter, Vater, Schwiegermutter, Schwiegervater / Großmutter, Großvater / Schwester, Bruder / sostige verwandte oder verschwägerte Personen)

19.) Haben Sie in der vergangenen Woche eine Stunde oder länger gegen Bezahlung oder als Selbständiger gearbeitet?23.) Was war der wichtigste Grund, weshalb Sie in der vergangenen Woche nicht gearbeitet haben? (Krankheit, Unfall / Mutterschutz / Altersteilzeit / Elternzeit, Erziehungsurlaub / Urlaub, Sonderurlaub / Streik, Aussperrung / Schlechtwetterlage / Kurzarbeit / Ausgleichsurlaub / Ausbildung, Forbildung, Schulbesuch / Sonstige Gründe oder persönliche, familiäre Verpflichtungen)

25b.) Auch wenn man eigentlich nicht erwerbstätig ist, kann man Tätigkeiten z.B. als Schüler/-in, Hausfrau/Hausmann oder Rentner/-in ausüben, indenen man Geld hinzuverdient. Haben Sie eine solche bezahlte Tätigkeit in der vergangenen Woche ausgeübt?

27.) Was war der wichtigste Grund für die Beendigung Ihrer früheren (letzen) Erwerbstätigkeit? (Entlassung / Befristeter Arbeitsvertrag / Eigene Kündigung / Ruhestand – vorzeitig nach Vorruhestandsregelung oder Arbeitslosigkeit / Ruhestand – aus gesundheitlichen Gründen / Ruhestand – aus Altersgründen oder sonstigen Gründen / Grundwehr- oder Zivildienst / Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen oder behinderten Personen / Sonstige persönliche oder familiäre Verpflichtungen / Ausbildung oder Studium / Sonstige Gründe)

38.) Bitte geben Sie den Namen des Betriebes an, in dem Sie tätig sind?

41.) Ist ihr Arbeitsvertrag befristet oder unbefristet?

43a.) Aus welchem Hauptgrund gehen Sie einer Teilzeitbeschäftigung nach? (Vollzeittätigkeit nicht zu finden / Schulausbildung, Studium oder sonstige Ausbildung / Krankheit, Unfallfolgen / Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen oder behinderten Personen / Sonstige persönliche oder familiäre Verpflichtungen / Vollzeittätigkeit aus anderen Gründen nicht erwünscht)

45a.) Wenn es nach Ihnen ginge: Könnten Sie sofort (d.h. innerhalb von 2 Wochen) beginnen, mehr Stunden als bisher zu arbeiten?

54.) Suchen Sie Ihre Arbeitsstätte überwiegend von der hiesigen Wohnung auf? (freiwillige Angabe)

59.) Wieviel Zeit benötigen Sie für den Hinweg zu Ihrer Arbeitsstätte? (freiwillige Angabe)

68.) Haben Sie in den letzten 4 Wochen eine andere oder weitere Tätigkeit gesucht?

69.) Aus welchem Hauptgrund suchten Sie eine andere oder weitere Tätigkeit?

72.) Sind Sie in der vergangenen Woche bei der Agentur für Arbeit oder anderen Behörden arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet gewesen?

73.) Aus welchem Hauptgrund suchten Sie keine Tätigkeit?

77.) Angenommen, Ihnen wäre in der vergangenen Woche eine bezahlte Tätigkeit angeboten worden, könnten Sie diese bis Ende der nächsten Woche aufnehmen?

77a.) Aus welchem Hauptgrund könnten Sie eine Tätigkeit nicht innerhalb der nächsten zwei Wochen aufnehmen?

82.) Haben Sie innerhalb der letzten 4 Wochen etwas unternommen, um eine (andere) Tätigkeit als Arbeitnehmer/-in zu finden?

99.) Welches Verkehrsmittel benutzen Sie hauptsächlich (für die längste Wegstrecke) auf dem Hinweg zu Ihrer Schule oder Hochschule?

106.) Haben Sie in den letzten 12 Monaten an einer oder mehreren Lehrveranstaltung/-en der allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung in Form von Kursen, Seminaren, Tagungen oder Privatunterricht teilgenommen oder nehmen Sie gegenwärtig daran teil?

108.) Was war der Inhalt der letzten Lehrveranstaltung?

109.) Sind Sie auf dem heutigen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland geboren?

115b.) Haben Sie noch Kinder im Alter von unter 18 Jahren im Herkunftsland? (Kinder unter 6 Jahre / 6 bis unter 16 Jahre / 16 bis unter 18 Jahre) (freiwillige Angabe)

116.) Woraus beziehen Sie überwiegend die Mittel für Ihren Lebensunterhalt?

120.) Beziehen Sie eine (oder mehrere) öffentliche Zahlung/-en oder öffentliche Unterstützung/-en? (Arbeitslosengeld I / Laufende Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung u.a. Hilfen in besonderen Lebenslagen / Wohngeld / Elterngeld, Erziehungsgeld / Pflegegeld oder Pflegesachleistungen aus der Pflegeversicherung / sonstige öffentliche Zahlungen wie Kindergeld, BAföG, Stipendium, Asylbewerberleistungen …)

120a.) Nach welcher Pflegestufe erhalten Sie Pflegegeld/Pflegesachleistungen?

131.) Haben Sie Kinder geboren?

131a.) Wie viele Kinder haben Sie insgesamt geboren?

Zusätzlich kommen noch Fragen zur Gesundheit und auch zur Anzahl Mitarbeiter im Betrieb. Was mich daran stutzig macht ist nicht nur, dass ich hier Daten über meinen Arbeitgeber rausgeben soll, sondern auch, dass nach meinem genauen Einkommen und meinen Ausgaben für Miete, Heizkosten etc gefragt wird. Ich werde weder Daten über Dritte rausgeben (und da zählt mein Arbeitgeber definitiv dazu!), noch sensible, persönliche Daten. Immerhin habe ich ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Oder wird das ausser Kraft gesetzt, wenn es dem Staat grad eher ungünstig im Weg steht? Ja, wird es, quasi. Das Bundesverfassungsgericht meint nämlich, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung im überwiegenden Allgemeininteresse eingeschränkt werden kann.

Weiterhin stehen auf dem Schreiben beide Namen drauf, sowohl meiner, als auch der meines Mitbewohners. Mir liegt es aber fern, Informationen zu jemandem rauszugeben, der nicht Teil meines Haushaltes ist…wieder wären wir dabei angelangt, dass ich Informationen über Dritte rausgeben soll. Wie käme ich dazu?! Die sollen ihm mal schön seinen eigenen Fragebogen zukommen lassen, aber das werden sie schon merken wenns soweit ist.

Der Plan ist erstmal folgender: Am angekündigten Termin diese Woche bin ich leider nicht zuhause. Schade auch, wir sind länger verreist. Sobald wir zurück sind (in ein paar Wochen dann), darf der ehrenamtliche, aufwandsentschädigte Interviewer dann gerne einen Fragebogen hier lassen. Ich werde den dann, so ehrlich wie mir zu dem Zeitpunkt möglich, beantworten. Ich bitte jedoch um Verständnis, dass aufgrund der Papierlast sowohl meine Intelligenz, Konzentration als auch Schreibfähigkeiten ein wenig nachlassen könnten. Vielleicht muss ich mehr als einmal gemachte Angaben korrigieren, es fällt so leicht sich bei der Anzahl Fragen zu vertun. Noch dazu ist es bei uns „Linkshändern“ ja oft der Fall, dass wir unleserlich schreiben, da die Schrift verschmiert. Ich hoffe, das bereitet dem Statistischen Landesamt nicht allzu große Umstände. Über meinen Mitbewohner kann ich mich leider nicht äussern, werde dies daher unterlassen. Bei Rückfragen bin ich natürlich schriftlich unter der Adresse der Erhebungseinheit zu erreichen…wenn ich nicht wieder im Urlaub bin.

Weiterführende Links:
Fragebogen
AK Vorratsdatenspeicherung – Mikrozensus

Über Neuigkeiten werde ich berichten.


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Zensus 11 – Auch DU bist betroffen!

Stell dir vor, dir wird ein Fragebogen mit 46 persönlichen Fragen vorgelegt – 10 Seiten – und du MUSST den Fragebogen ausfüllen. Du darfst auch keine Frage auslassen, die Konsequenz könnte beispielsweise ein hohes Bußgeld sein. Wenn du eine der Fragen unwahr beantwortest, deine Antwort beispielsweise nicht konform ist mit einer Information, die beim Einwohnermeldeamt über dich erfasst ist, dann steht ein freundlicher Mensch vor deiner Tür um dich nochmal zu befragen. Sollte er Zweifel an deiner wahrheitsgemässen Antwort haben, darf er sogar deinen Nachbarn über deine Person befragen. Gibts nicht, denkst du? Wie falsch du doch liegst.

ZENSUS 2011 ist das Stichwort. JEDER ist davon betroffen. Auch wenn du keinen Fragebogen ausfüllen musst und niemand an deiner Tür – oder der deines Nachbarn klingelt – betroffen bist du trotzdem. Denn deine Daten werden in erster Linie, ohne dass du das merkst (oder dem widersprechen kannst), bei allen möglichen Ämtern eingesammelt. Nur ca 10% der Bevölkerung wird sich tatsächlich noch im Rahmen des Zensus äussern müssen.

Welche Daten werden denn bei den Ämtern zusammengetragen? Och, so viele sind das gar nicht…schau:

„Daten der Meldebehörden
In kommunaler Hand führen die Meldeämter ein öffentliches Personenregister, über welches zwar Adressdaten angefordert werden können, nicht jedoch im weiteren Details über persönliche Verhältnisse und/oder Geburtsdaten. Außerdem haben Sie bisher das Recht, eine Auskunftssperre einzurichten, sodass auch Ihre Adresse nicht ohne weiteres einsehbar ist.

Bei der Volkszählung sollen mehrere Datensätze, unabhängig von Ihrer Einwilligung, an das Bundesstatistikamt weitergegeben werden. Einschließlich Übermittlungssperre und der dafür angegebenen Begründung.

Namen und frühere Namen, genaue Hausanschrift mit Wohnungsstatus (Neben- oder Hauptwohnsitz) und Änderungen des Wohnungsstatus, Geburtsdatum und -ort sowie das zuständige Standesamt mit Nummer des Geburtseintrags, Geschlecht, Staatsangehörigkeiten, Familienstand, letzte Anschrift vor Zuzug in die Gemeinde und letzte Anschrift in der Gemeinde, Einzugs- und Meldedatum, ggf. Daten über Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder gesetzlichen Vertreter, Tag der Begründung oder Auflösung der letzten Ehe oder letzten eingetragenen Lebenspartnerschaft, Anschrift des Wohnungsgebers, Information über freiwillige Anmeldung im Melderegister, Übermittlungssperre nebst Grund der Übermittlungssperre, rechtliche Zugehörigkeit zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft.
Daten der Bundesagentur für Arbeit
Die Bundeagentur für Arbeit speichert im Rahmen ihrer Aufgaben zur Erbringung von Sozialleistungen am Arbeitsmarkt sowie finanziellen Ersatzleistungen (z.B. das Arbeitslosengeld) umfangreiche Daten über Beschäftigte und Arbeitslose in Deutschland. Im Rahmen der Volkszählung soll sie die folgenden Daten an das Bundesamt für Statistik übermitteln:

Beschäftigte:
Arbeitsort (amtlicher Gemeindeschlüssel), Berufsbranche, Betriebsnummer der Arbeitsstätte, Ausbildung, ausgeübter Beruf, Status der Beschäftigten (beschäftigt oder geringfügig beschäftigt)

Arbeitslose/Arbeitssuchende:

Status (arbeitslos, nicht arbeitslos aber Arbeit suchend, nicht zu aktivieren), höchster erreichter Schulabschluss, letzte abgeschlossene Berufsausbildung

Teilnehmer/-innen an Maßnahmen zur Arbeitsförderung

Art der Maßnahme, höchster erreichter Schulabschluss, letzte abgeschlossene Berufsausbildung

Sowie von allen:

Wohnort, Postleitzahl und amtlicher Gemeindeschlüssel, Straße, Hausnummer und Anschriftenzusätze, Familienname und Vornamen, Geschlecht, Tag der Geburt.“

(Quelle: http://zensus11.de/hintergrund/gesammelte-daten/)


Für weitere Informationen empfehle ich Zensus11 oder  AK Vorrat – Jeden geht das was an!


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